zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

12. Dezember 2017 | 10:01 Uhr

Hoher Krankenstand in städtischen Behörden

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 10.Aug.2015 | 16:51 Uhr

Die Verwaltung ist krank wie nie. In den großen Städten des Landes liegt der Krankenstand seit Jahren regelmäßig über dem Bundesschnitt. In Lübeck hat der Fachbereich Stadtplanung und Bauordnung zeitweilig seine Öffnungszeiten eingeschränkt. „Zu viele erkrankte Mitarbeiter – Konzentration auf Pflichtaufgaben“, lautete die Begründung. In Kiel blieb die Führerscheinstelle Anfang des Jahres für zwei Wochen geschlossen.

Für Ludwig Klemm, Vorsitzender des Lübecker Gesamtpersonalrats, sind solche Einschränkungen ein Alarmsignal. „Unsere Personalpolitik ist auf Kante genäht“, sagt er. „Das bedeutet, dass Aufgaben zweiter und dritter Priorität nicht mehr angemessen erledigt werden.“ Im aktuellen Notfall seien die beiden Vollzeitkräfte länger erkrankt, es blieben zwei Teilzeitkräfte. „Mit 30 Prozent des Personals sollen 100 Prozent Leistung erbracht werden. Das ist nicht möglich.“

Als Knackpunkt wertet Klemm, dass für Langzeiterkrankte keine Vertretungen eingestellt würden. „Wir fordern das immer wieder, der Bürgermeister lehnt es jedoch ab.“ Die Folge der aufs Sparen ausgelegten Personalpolitik: Die verbliebenen Mitarbeiter würden unter der Last der zusätzlichen Arbeit ebenfalls häufiger erkranken.

Der Deutsche Städtetag hat den Krankenstand in Stadtverwaltungen ermittelt. Die Quote liegt im Bundesschnitt bei 6,4 Prozent. In Lübeck sind es dramatische 8,9 Prozent, in Kiel 8,04 und in Neumünster 6,7 Prozent.

Die Barmer GEK ermittelte 2014 für Schleswig-Holstein einen Krankenstand von 4,8 Prozent, bei AOK-Arbeitnehmern sind es 5,4 Prozent.

Woran krankt die Verwaltung? Auf der Hand liegt, dass Fehlzeiten in Behörden bereits vom ersten Tag zählen. Im Vergleich zur Privatwirtschaft beschäftigen Verwaltungen auch deutlich mehr Menschen mit Behinderungen und mehr Ältere. In Kiel ist ein Fünftel aller städtischen Mitarbeiter über 55 Jahre. Außerdem fordert die Stadt Kiel ihre Mitarbeiter auf, sich auszukurieren und nicht krank zur Arbeit zu schleppen. Unstrittig ist zudem, dass wegen des Spardiktates die Arbeitsbelastung in den Behörden stetig steigt. „Wir müssen in Anbetracht der Defizitsituation den Haushaltsansatz knapp kalkulieren“, erklärt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD).





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen