Höchste Fahrgeschwindigkeit in Orten 25 km in der Stunde

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16. Juli 2014, 13:18 Uhr

Das stand vom 11. bis 17. Juli im Anzeiger:

Die Woche beginnt mit einer „Ernsten Warnung an Serbien“, die der ungarische Ministerpräsident ausgesprochen hat. Graf Tisza betont das Interesse an der Erhaltung des Friedens, weist aber gleichzeitig auf die Notwendigkeit der Wahrung des Lebensinteresses und des Ansehens Österreich-Ungarns hin. Am 15. Juli wird berichtet, dass nun kurz vor der Probemobilmachung Russlands, „die eine wirkliche ist“, auch Österreich-Ungarn Beurlaubte unter Waffen behält. Italien macht ebenfalls mobil. Der Anzeiger meint, „die Hoffnung auf eine Sauregurkenzeit müssen die Feriengäste in diesem Jahr anscheinend endgültig aufgeben.“

In einem umfangreichen Artikel beschäftigt sich die Zeitung mit der Frage, ob Madame Caillaux wohl freigesprochen werden wird. Die zweite Ehefrau des amtierenden französischen Premierministers hat am 16. März 1914 den Chefredakteur des „Figaro“, der gedroht hat, ihren Mann zu erpressen, erschossen. Sie wird vor Gericht gestellt, Freispruch oder Urteil – diese Frage beschäftigt ganz Paris – und nicht nur Paris.

Der Großherzog von Oldenburg ist mit dem Erbgroßherzog und den Prinzessinnen mit dem Automobil nach Travemünde abgereist.
Unter dem 13. Juli verfügt die Großherzogliche Regierung, dass „als höchste Fahrgeschwindigkeit der Kraftfahrzeuge innerhalb geschlossener Ortsteile … 25 km in der Stunde zugelassen (werden)“. Überall dort, wo ein lebhafter Verkehr herrscht, muss langsam und so vorsichtig gefahren werden, dass die Fahrzeuge sofort zum Halten gebracht werden können.

Am 17. Juli beendet der Anzeiger eine Serie von Leserbriefen, die sich an einem „Eingesandt“ vom 13. Juni anschließen. Dort wird berichtet, dass in Lübeck Wellblechdächer verboten werden. Dem schließen sich zahlreiche Einlassungen an, die sich mit dem Pro und Contra feuersicherer Dächer zu landschaftstypischen Stroh- oder Reetbedachungen beschäftigen.

Der lokale Höhepunkt dieser Woche ist das Volksfest. Es wird vom ausrichtenden Verein hierzu extra eine Zeitung herausgegeben; die Einwohner Eutin werden gebeten, „ihre Häuser durch Aushängen von Flaggen usw. zu schmücken.“ Zahlreiche Verbände, so die Handwerkerliedertafel, die Kriegervereine und der Bürgerverein, rufen ihre Mitglieder auf, sich am Umzug zu beteiligen. Die dekorierten Wagen stellen Episoden aus der Garnison und aus dem Kolonien dar. Einen Extrahinweis ist die Zurschaustellung der beiden letzten Repräsentanten des untergegangenen Volkes der Azteken auf dem Volksfestplatz wert.

Stolz berichtet der Anzeiger, dass ausschließlich heimische Kräfte an der Gestaltung des dekorativen Festzugs mitgewirkt haben. Das Vorstandsmitglied des Volksfestvereins, Professor Eilers, hält die Festrede. Er weist auf die Erstürmung der Düppeler Schanzen und die Schleswig-Holsteinische Befreiung hin und spricht über die Entstehung des Festes als Erinnerung an den gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg.

Weiter heißt es: das geeinte Deutsche Reich, „das nun schon länger als ein Vierteljahrhundert unter der kraftvollen Hand des Kaiser Wilhelm II. stehend, länger als 40 Jahre die Segnungen des Friedens genießt, beneidet und gefürchtet von den Völkern, die gern der Friedenszeit ein Ende machen möchten. Aber immer wieder ist es unserem Kaiser gelungen, die drohenden Gefahren abzuwenden.“ Es folgt ein dreifaches Kaiserhoch.

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