Goldene Hochzeit : Hochzeit erst mit polizeilicher Erlaubnis

Feiern heute ihre goldene Hochzeit: Dolores und Peter Borchardt. Foto: Resthöft
Feiern heute ihre goldene Hochzeit: Dolores und Peter Borchardt. Foto: Resthöft

Peter Borchardt musste nicht nur seine Schwiegereltern fragen, ob er seine Dolores heiraten durfte.

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20. Oktober 2011, 10:04 Uhr

Eutin | Manchmal sollte man einfach auf die ältere Schwester hören. So wie Dolores Borchardt, die sich an jenem Herbstabend im Jahr 1959 von ihrer Schwester zum Tanzen gehen überreden ließ. Denn an genau diesem Abend lernte sie im Eutiner "Hotel Stadt Hamburg", dem heutigen Brauhaus, ihren Peter kennen. Heute vor genau 50 Jahren, am 20. Oktober 1961, heirateten sie.

"Sie hatte damals eine rote Bluse und einen mit Äpfeln bedruckten Rock an", weiß der heute 73 Jahre alte Peter Borchardt noch ganz genau. "Ich habe mich wohl zuerst verliebt. Meine Frau war sehr schüchtern", schildert er. "Ich war nicht so leicht zu haben", nennt sie es. Doch gemeinsame Interessen für Leichtathletik und Natur und nicht zuletzt die vielen Spaziergänge führten dann dazu, dass auch Dolores Borchardt sich in ihren ein Jahr jüngeren Mann verliebte.

Zwei Jahre später machte Peter Borchardt ihr dann einen Heiratsantrag. Irgendwie jedenfalls. "Ich fragte sie, ob sie sich eine Verlobung vorstellen könnte", berichtet er. Geheiratet wurde trotzdem erst über ein Jahr später.

In gewisser Weise war das die Schuld der Polizei. Denn damals, so erklärt Peter Borchardt, verbot die Polizei Mitarbeitern unter 27 oder mit weniger als sieben Dienstjahren die Hochzeit. Ausnahmen gab es nur auf Antrag - und ziemlich selten. Da Peter Borchardt, später lange Jahre Leiter der Abteilung Technik und Verkehr an der PDAFB, schon immer Polizist werden wollte, musste die Hochzeit also warten. Im Sommer 1961 jedoch bot sich die Gelegenheit für gemeinsame Wohnung. Und da die nur an Ehepaare vermietet wurde, gab dann auch die Polizei ihre Zustimmung.

Am 20. Oktober 1961 war es soweit. "Es war ein traumhaft schöner Oktobertag", erinnert sich Dolores Borchardt. Geheiratet wurde im kleinsten Kreis. Für Aufregung sorgte nicht nur die Zahl der Gäste - 13 nämlich - sondern auch ein Schwager, der nach scheinbar endlos vielen Hochzeitsfotos feststellte, dass er keinen Film eingelegt hatte. Die folgenden 50 Jahre aber lief alles gut. "Natürlich haben wir uns auch mal gestritten", sagt Peter Borchardt. "Aber wir sind nie aus dem Haus gegangen, ohne das geklärt zu haben."

Was er für seine Frau empfinde, das könne er gar nicht in Worte fassen, gesteht Peter Borchardt. Sie sei ein wunderbarer Mensch, der immer seinen eigenen Kopf behalten habe, sagt er. "Wir brauchen uns nur anzusehen und wissen, was der andere denkt." Und auch seine Frau hat nie an ihrer Entscheidung gezweifelt: "Den Mann würde ich immer wieder heiraten."

Die Familie, zu der neben Sohn Jens und Tochter Katrin vier Enkel gehören, sei ihnen immer das Wichtigste gewesen, sagen die Jubilare bestimmt. Trotzdem müsse man sich auch Zeit für eigene Interessen nehmen. Gelegenheit dafür bieten Peter Borchardt sein selbst gebautes Segelboot "Seekiste" und die eigene Band, Dolores Borchardt liebt klassische Konzerte und Malerei. Zur goldenen Hochzeit aber ist dann wieder die ganze Familie zusammen.

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