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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 12:05 Uhr

Eutin : Hochbetrieb in der Kleiderkammer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Helga Zettier und ihr Team vom DRK erfahren eine Nachfrage wie noch nie. Das Rote Kreuz sucht dringend ehrenamtliche Helfer.

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2015 | 04:00 Uhr

Seit über 30 Jahren ist Helga Zettier in der Kleiderstube des Deutschen Roten Kreuzes aktiv, aber so etwas hat sie noch nicht erlebt. Dicht drängeln sich Menschen durch Flure und Räume des Agnete-Riedel-Hollmichel-Hauses, stöbern hier, kramen dort. Einige warten auf dem Hof auf Autos, mit denen Kleiderspenden gebracht werden, und möchten da schon einen Blick in die Tüten werfen, bevor sie in einem Lagerraum verschwinden.

Donnerstags ist Hochbetrieb in der Elisabethstraße 17, wenn die Kleiderstube vier Stunden geöffnet hat. Am jüngsten Donnerstag versuchen Helga Zettier, Ute Maeser, Ellinor Kanthak und Beate Jasper, die Ströme zu kanalisieren und helfen bei der Suche nach bestimmten Sachen.

Nur einmal habe es in der langen Geschichte der Kleiderstube einen ähnlichen Andrang gegeben: Während der Flüchtlingswelle in den 1990er Jahren als Folge des Balkankrieges. Das erzählt ein DRK-Aktiver, der nicht namentlich genannt werden möchte: „Ich bin krank geschrieben.“

Was sich zurzeit abspielt, dürfte aber alles in den Schatten stellen. Kleiderspenden werden nicht nur zur Öffnungszeit gebracht, sondern bergeweise jeden Tag. Die meisten stehen in großen Säcken vor der Tür – wozu das DRK auch aufgefordert hat. Jeden Abend werden die Säcke ins Haus geholt. In normalen Zeiten sortieren Helga Zettier und ihr Team alle Kleiderspenden selbst. Bei der Verarbeitung der aktuellen Berge helfen Mitglieder der Bereitschaft und vor allem des Jugendrotkeuzes. „Das fordert uns, aber überfordert sind wir noch nicht“, sagt der junge Mann, und er betont: „Alle Kleiderspenden sind weiter höchst willkommen.“

Denn der Fundus der Eutiner Kleiderkammer dient auch zur Versorgung von Menschen in den Sammellagern in Ostholstein, also Kiebitzhörn (aktuell 63 Flüchtlinge) und Putlos (840), und in jeder Stunde können bis zu 200 in Eutin eintreffen. Wegen dieser Herausforderungen ist der DRK-Ortsverein dringend an weiteren Helfern interessiert.

Die Frauschaft der Kleiderkammer ist derzeit nicht nur durch die Zahl der Spenden und Kunden gefordert, sondern auch gedankenlose Spendenbereitschaft: „Da stand tatsächlich ein riesiges Fernsehgerät vor der Tür“, erzählt Helga Zettier als Beispiel für Sachspenden, die in einer Kleiderkammer nichts verloren haben. Zum Glück habe sich ein Abnehmer gefunden, der habe auch gleich einen alten Videorekorder mitgenommen.

Ellinor Kanthak ist derweil gernervt über die Unordnung, die sich breit macht, wenn beim Stöbern die Kleider oder Spielsachen nicht wieder ordentlich zurückgelegt werden. „Schauen Sie sich mal dieses Chaos an“ schimpft sie beim Blick ins Zimmer mit Kindersachen; eine Unordnung, die freilich nicht durch spielende Kinder, sondern stöbernde Erwachsene verursacht wurde.

Es werden sicher wieder ruhigere Zeiten einkehren in der Elisabethstraße 17. Aber vorerst stehen alle Zeichen auf Hochbetrieb – nicht nur für die Damen der Kleiderkammer.

Die lassen sich aber nicht so leicht unterkriegen. „Nächsten Donnerstag bleibt die Kleiderkammer zu“, verkündet Helga Zettier entschlossen, „da machen wir den Ausflug mit, zu dem die Stadt alle ehrenamtlichen Helfer einmal im Jahr einlädt.“

 

Infoabend  für Freiwillige HelferWegen der riesigen Anforderungen, die Kleiderkammer und Flüchtlingshilfe stellen, ist der Ortsverband Eutin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK)  auf Suche nach ehrenamtlichen Freiwilligen. Wer helfen möchte, kann sich am Mittwoch, 23. September, um 19 Uhr im Agnete-Riedel-Hollmichel-Haus (Elisabethstraße 17) über mögliche Aufgaben informieren. „Auch Berufstätige, die sich nach der Arbeit noch ein bisschen engagieren wollen, sind herzlich willkommen,“ betonte Vorsitzende Kerstin Clausen. Wer an dem Abend  nicht kann oder Fragen hat, darf sie  anrufen (Tel. 0176/ 24052678) oder eine E-Mail schicken (kerstin.clausen@ freenet.de).kf

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