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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 12:22 Uhr

Eutin : Hitzige Diskussion über Sonntage

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es geht um „wir“ und „ihr“: Händler beklagen Kommunikationsproblem mit den „Großen“ – eine Mediation mit der Stadtmanagerin soll helfen.

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2015 | 09:58 Uhr

Die verkaufsoffenen Sonntage in Eutin sorgten für eine hitzige Diskussion zu später Stunde auf der WVE-Jahresversammlung am Dienstagabend. Acht Briefe waren beim WVE-Vorsitzenden Klaus Hoth eingegangen, die alle den gleichen Inhalt hatten: Die Sorge darum, dass die Kunden nicht unterscheiden können, wann nur das Kaufhaus LMK und wann die gesamte Innenstadt geöffnet hat. „Das geht aus der Art der bisherigen Werbung nicht hervor und führt zu unzufriedenen Kunden, die im Zweifel nicht wiederkommen, wenn sie das nicht verlässlich wissen“, waren sich zahlreiche Händler in der Königs- und Peterstraße einig. „Wir bitten um eine deutlichere Unterscheidung“, zitierte Hoth aus den Briefen. Auch die Schließung am Ostereiermarkt-Wochenende und die offenen Sonntage im Januar und Februar wurden kritisiert (wir berichteten).

„Wir können gern über alles reden, auch die schon festgelegten Sonntage können wir gern besprechen, wenn ihr damit nicht einverstanden seid“, sagte Hoth und machte ein Gesprächsangebot für die nächsten Tage in verkleinerter Runde: „Es kann gern eine kleine Gruppe von euch kommen, Vertreter aus dem Vorstand und dann können wir die Sonntage so gestalten wie ihr wollt.“ Doch die Wortwahl war das Problem. „Es sollte kein ‚ihr‘ und wir geben, sondern nur ein ‚wir‘“, lautete ein Zwischenruf.

Stefan Knoor vom Weingeist ergriff das Wort: „Es findet einfach keine Kommunikation mehr statt, das ist der große Fehler. Wir haben die Briefform gewählt, weil sich viele Einzelhändler gar nicht mehr trauen, den Vorstand anzusprechen, wenn sie anderer Meinung sind.“ Ihn wundere, dass nur acht Briefe angekommen sind, die Rückmeldung an ihn, sei viel größer gewesen – auch das deutete er als Zeichen mangelnden Vertrauens. Knorr: „Es gibt mir einfach zu viel ‚ihr‘ und ‚wir‘. Dabei sind wir alle Eutin.“ Er erinnerte an die Anfeindungen, die er wegen der Aktion „Händler mit Herz“ habe aushalten müssen. Von Keilen, die er in die WVE treiben wolle, sei die rede gewesen. „Mitnichten war das unser Ziel. Alles, was Menschen nach Eutin lockt und einen positiven Eindruck hinterlässt, ist richtig. Wir als inhabergeführte kleine Läden würden auch gern gesehen werden und wollen etwas für Eutin bewirken. Nur das ist das Entscheidende.“

LMK-Boss Thomas Menke konterte: „Wir arbeiten doch alle, weil wir Geld verdienen wollen. An Zusatzsonntagen machen wir vier Mal so viel Umsatz wie an normalen Tagen. Ich kann da jedem nur raten, hängen Sie sich an das Flaggschiff und machen Sie mit.“ Dass aber können viele der kleineren Geschäfte nicht leisten. „Dieses spontane Hin und Her können wir unseren Mitarbeitern nicht abverlangen“, sagte Jan Hoffmann. Auch Knorr sieht da die Kleineren im Nachteil, die nicht 60 oder 70 Mitarbeiter zur Verfügung haben.

Die Spontanität, mit der LMK zusätzlich zu den geplanten acht WVE-Sonntagen sechs LMK-Sonntage veranstaltet, begründete Menke mit dem Wetter: „Wir schauen montags oder dienstags auf unsere App und entscheiden nach dem Wetter. An einem brüllend heißen Strandwochenende brauch’ ich gar nicht aufmachen.“ Doch die Öffnungen der Zusatzsonntage war nicht das eigentliche Problem, der Antragsteller, sondern die schlechte Kenntlichmachung, die den Kunden nicht unterscheiden lässt, ob die ganze Stadt geöffnet ist oder nicht. Wenn verkaufsoffen in den zu LMK zugehörigen Geschäften in der Innenstadt klebe, sei das irreführend, wenn der Kunde die Verbindung nicht kenne. Menke sah keinen Änderungsbedarf, weder beim Radiospot noch in der Plakatierung und Werbung dafür: „Überall wird gesagt „in Ihrer LMK-Einkaufswelt“. Die Realität bewies den Einzelhändlern aber schon mehrfach das Gegenteil. So ging es vielen Inhabern wie Jörg Schlüter : „Ich wurde gefragt, ob ich es nicht nötig habe, zu öffnen.“

Um nicht noch Mitternacht in der verfahrenen Situation zu kreisen, bot sich Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt als Mediatorin für eine Gruppe an, die sich in den nächsten zehn Tagen das erste Mal zur Aussprache treffen wollen. Stein-Schmidt: „Ich bin sicher, in der Sache sind alle gar nicht so weit auseinander. Es ist nur ein Kommunikationsproblem.“ Klaus Hoth betonte: „Wir kriegen das hin. Ich habe mir geschworen, den Laden nicht auseinanderkrachen zu lassen, bevor ich mich verabschiede.“ Der Vorsitzende kündigte an, für das nächste Jahr nicht mehr zur Wahl zu stehen. „Da könnt ihr euch schon mal Gedanken machen, wer denn junges nachkommen will.“

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