Historische Gesellschaftsspiele laden zum Reisen ein

Noch zur Zeit der deutsch-deutschen Grenze unterwegs: Die Damen spielen die Deutschland-Rallye von 1980.
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Noch zur Zeit der deutsch-deutschen Grenze unterwegs: Die Damen spielen die Deutschland-Rallye von 1980.

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17. Januar 2018, 12:26 Uhr

Mit Kaiser Wilhelm II. reisen, eine Trachtenfigur von A nach B verschieben oder Heiligendamm gegen den Harz eintauschen, das konnten gestern 16 Gäste der Landesbibliothek Eutin. Die Frauen und Männer nutzten den ersten Nachmittag „Historischer Reisespiele“ für den Zeitvertreib mit Brett- und Kartenspielen.

Alias Karl von Württemberg oder Kaiser Franz Joseph begleiteten Spieler Kaiser Wilhelm II. 1888 auf dessen Antrittsreise nach St. Petersburg, Kopenhagen und Rom. Das Spiel besitzt die Landesbibliothek als Nachdruck von 1997. Der Tasse Kaffee am Rand des Spielfelds stand somit nichts entgegen.

Gesellschaftsspiele seien früher für Reisen genutzt worden und hätten vom Reisen gehandelt, führte Professor Dr. Axel Walter, Leiter der Forschungsstelle zur historischen Reisekultur der Landesbibliothek, ins Thema ein. In lebhaft-konzentrierter Atmosphäre rückten Hände Spielfiguren vorsichtig über die Spielflächen oder zückten Karten zum Tausch. Die Spieler wechselten dabei Regionen gegen Orte (1910) und legten ab, hatten sie vier Karten einer Region zusammen. Eine der Damen nahm teil, weil sie das Historische angesprochen hatte. Sie sei kein Spiel-Freak, habe den Blick privat zurzeit aber auf Altes gerichtet und sich deshalb gerne angemeldet.

Am dritten Spieltisch reiste ein Gruppe durch Deutschland um 1935. Das Spiel sei noch ohne klare nationalsozialistische Färbung, sagte Walter. Andere würde er nicht anbieten, geschweige denn kaufen. Das Spiel sei damals Werbemittel für den Kali-Dünger gewesen.

Das vierte Erzeugnis von 1980 erinnerte die Spielerinnen an das geteilte Deutschland und forderte Wissen der Zeit ein. Die Spielregeln erklärten Dr. Frank Baudach, Leiter der Landesbibliothek, und einige Mitarbeiter.

Axel Walter plant, den Spielenachmittag viermal in der dunklen Jahreszeit anzubieten. Er wolle die Forschungsstelle dadurch lokal bekannter machen. Die Landesbibliothek hatte im Sommer für das Schlossplatzfest zum ersten Mal historische Spiele aufgebaut. Die Landesbibliothek informiert unter Tel. 04521/788770.

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