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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 12:27 Uhr

Hilfe, wenn die Not am größten ist

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

e

shz.de von
erstellt am 27.Mär.2015 | 16:37 Uhr

Ein Schlag, ein Einbruch – und plötzlich ändert sich das ganze Leben. Elke Ibs (58) hat das am eigenen Leib erfahren: Die gelernte Zahntechnikerin wurde Anfang Februar von einem Kollegen angegriffen, der Arm verdreht.

Sie zeigte ihn an, wurde wegen starken Schmerzen krankgeschrieben – und weil der Arbeitgeber „mit der ganzen Sache Sicht nichts zu tun haben wollte“ – betriebsbedingt gekündigt. „Ich bin vollkommen traumatisiert und wusste wirklich nicht weiter“, erzählt die 58-Jährige. Sie hat Angst jetzt ganz abzurutschen. Manfred Zettler, Mitarbeiter des Weißen Rings Ostholstein (WR) erklärt: „Das dramatische hierbei ist wirklich, was diese Tat neben den Schmerzen alles noch verursacht.“ Ein Traumatologe sei schwer zu finden, die Warteliste lang, dabei ist der Bedarf dringend da, wie Zettler betont: „So etwas müsste eigentlich sofort bearbeitet werden.“ Wenn das Krankengeld irgendwann versiegt, droht Ibs Hartz-IV, da sie vorher kein ganzes Jahr gearbeitet und somit kein Anspruch auf Arbeitslosengeld hat. Ihr kleines Häuschen sei dann in Gefahr, sagt Zettler. Das Unfassbare für Elke Ibs: „Es ging nur um fünf Minuten. Ich sollte ihm eine Tür öffnen, wollte nur schnell meine Arbeit beenden und dann mit ihm hinunter gehen. Da ist er ausgetickt.“

Auch der Fall von Ute Michels (56) ist dramatisch: Im Dezember ist sie mit ihrem Mann berufsbedingt von Sylt nach Eutin gezogen. Als sie nach dem Weihnachtsfest bei ihrem Sohn in Hamburg zurück nach Hause fuhren, kriegten sie einen Schock: „In unserer Wohnung gab es nichts, was nicht zerwühlt, umhergeschmissen oder geklaut war.“ Wie ein kleines Kind sei sie im Flur zusammengebrochen und habe geweint. Das Konto leergeräumt, alle technischen Geräte sowie Schmuck und einen hoher Bargeldbetrag wurde gestohlen. Ute Michels: „Ich wusste einfach nicht mehr, wie es weitergehen sollte.“ Selbst die Milchzähne ihres Sohnes und die Uhr vom gerade verstorbenen Vater haben die Einbrecher mitgenommen.

Ihr Glück: Die Täter wurden gefasst. Es sind die beiden polizeibekannten 18- und 22-jährigen Männer, die in Eutin und Umgebung mehr als 30 Einbrüche begangen haben (wir berichteten). Ein Teil des Modeschmucks hat Michels wieder, Polizeitaucher fischten es aus dem Großen Eutiner See.

„Was mir noch zu schaffen macht, einer der Täter wohnte direkt bei uns im Haus und ich habe ihm noch das Unglück gezeigt“, sagt Ute Michels. Auch bei ihr war es eine Freundin, die den Kontakt zum WR Ostholstein herstellte.

Manfred Zettler stand am zweiten Weihnachtsfeiertag vor ihrer Haustür – und half. Michels: „Er wirkte so kompetent. Der Weiße Ring half so unkompliziert und schnell, dass wir langsam wieder Licht am Ende des Tunnels gesehen haben.“ Dank eines Schecks konnte sich die gelernte Friseurin neue Scheren kaufen, um ihre neue Arbeitsstelle antreten zu können. Zettler: „Einbrüche in den eigenen Privatbereich sind immer ein Schock.“

639 Einbruchdiebstähle gab es laut Polizeikriminalstatistik im Kreis Ostholstein im vergangenen Jahr. Unter den 50 Opferfällen, die der WR Außenstelle Ostholstein betreute, waren es nur zwei. Holger Dabelstein, Leiter der hiesigen Außenstelle erklärt: „Es sind immer mehr Männer als Frauen, die Hilfe bei uns suchen und dann meistens in Bereichen von Sexualdelikten.“ Von den 32 Opfern, die die Ostholsteiner Ehrenamtler des WRs betreut haben (18 wurden von Lübeck übernommen) sind zehn Sexualdelikte, davon sieben Vergewaltigungen. Dalberg: „Damit decken wir 30 Prozent der Polizeikriminalstatistik ab, das ist in keinem anderen Deliktsbereich der Fall.“ Dahinter kommen Körperverletzungen, Raub, Bedrohungen und Stalking. Letzteres nehme laut Dalberg zu. Der WR schule seine Mitarbeiter deshalb speziell zu diesem Thema.

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