Hightech kann Erfahrung der Landwirte nicht ersetzen

Daniel Günther zeigte sich beeindruckt von der Technik, hier ein digital gesteuerter Mähdrescher. Fotos: Jörg Wilhelmy
1 von 2
Daniel Günther zeigte sich beeindruckt von der Technik, hier ein digital gesteuerter Mähdrescher. Fotos: Jörg Wilhelmy

shz.de von
14. August 2018, 12:42 Uhr

Mit Romantik hat Landwirtschaft heute wohl nichts mehr gemein, eher mit Technik und gesetzlicher Reglementierung. Ohne moderne Technik läuft auch auf Gut Helmstorf bei Lütjenburg nichts mehr. Helmstorf ist mit 1300 Hektar Land ein klassisches Gut mit langer Familientradition. Seit 1649 wird der Betrieb von der Familie von Buchwaldt bewirtschaftet und gehört zu den größten landwirtschaftlichen Betrieben im Land.

Im Rahmen seiner Sommerreise informierte sich Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) gestern über Ernte, Technik und die damit verbundenen Erfahrungen.

In Helmstorf dominiert moderne Technik den Arbeitsalltag. Der Mähdrescher hat eine Schnittbreite von 18 Metern und arbeitet schon fast von alleine – dank der Sensoren und der damit verbundenen Technik. „Aber die 40-jährige Erfahrung unseres Fahrers kann sie doch nicht ersetzen“, sagt Gutsverwalter Carsten Kock. Drei Mitarbeiter hat der Betrieb plus einem Lehrling und zur Ernte Saisonkräfte.

Wie in fast allen Betrieben hat die lange Trockenheit der Ernte zugesetzt. „Wir rechnen mit 600 bis 700 Euro Ausfall pro Hektar“, rechnet der Gutsverwalter vor. Beim Sommerweizen fehlten 50 Doppelzentner pro Hektar, bei den Bohnen sei es die Hälfte und bei der Gerste 30 Doppelzentner pro Hektar, so nur einige Beispiele.

Eine Einschätzung, die der Ministerpräsident nach seinen Gesprächen mit anderen Landwirten im Land teilen kann. „Die Situation hat Schleswig-Holstein besonders getroffen, wir müssen jetzt die Zahlen der Ernte abwarten und uns die Betriebe ansehen, aber unser Angebot zur Unterstützung gilt“, so Günther.

Es sei aber vor allem auch der Bund gefordert, zumal es sich um ein Ausnahmejahr für die Landwirte in Schleswig-Holstein handele. „Diese Nässe im vergangenen Jahr und diese Trockenheit haben wir noch nie erlebt“, pflichtete ihm Gutsverwalter Kock bei. Er hoffe, dass die Finanzämter ihre Ermessensspielräume bei der Aussetzung von Steuerforderungen ausschöpften. Und Günther setzt darauf, dass der Bund ein Hilfsprogramm auflegt.

Beeindruckt zeigte sich der Regierungschef von der ihm vorgestellten Hightech-Generation der Maschinen. Die werden heute GPS-gesteuert, messen den Boden und regulieren die Körner- und Düngerzufuhr und können gleichzeitig etwas gegen die Schnecken auf dem Feld tun.

Gutsherr Magnus von Buchwaldt setzt auf Technik, und das müsse er auch: „Personal ist knapp. Wer will denn heute noch 100 Stunden in der Woche während der Ernte arbeiten?“, fragt Carsten Kock. Dennoch: Die Fahrer würden entlastet, man arbeite effizienter. Wenn es nur nicht die viel zu vielen Regulierungen gäbe. Weniger Bürokratie wäre wirklich hilfreich, eine Ansicht, die der Ministerpräsident akzeptieren konnte. Nur gegen oder für das Wetter könne man eben nichts machen. Da habe sich für die Bauern nichts geändert.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen