Hiesige und exotische Ornithologie

Ein Rosakakadu im Vogelpark Marlow, Mecklenburg-Vorpommern.
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Ein Rosakakadu im Vogelpark Marlow, Mecklenburg-Vorpommern.

Aristoteles in der Antike und mit Kaiser Friedrich II. im Mittelalter zählen zu den Begründern der Ornithologie im wissenschaftlichen Sinn

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01. Januar 2018, 12:53 Uhr

„Keine Klasse des Tierreiches ist heute so gut bekannt wie die (der) Vögel“, schreibt Prof. Dr. Erwin Stresemann im Vorwort zu seinem Klassiker der Vogelkunde „Die Entwicklung der Ornithologie – von Aristoteles bis zur Gegenwart (1951)“.

Stresemann (1889–1972) war ein deutscher Zoologe, Hochschullehrer und einer der bedeutendsten Ornithologen des 20. Jahrhunderts. Er stand in vordersterFront der „Deutschen Ornithologischen Gesellschaft“ und war einer der Begründer einer neuen Biologie der Vogelkunde. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde Stresemann mit dem “Vaterländischen Verdienstorden der DDR“ (1960) geehrt.

Mit Aristoteles, der von 384 bis 322 v. Chr. lebte, und mit Kaiser Friedrich II., der um 1260 das vatikanische Manuskript „De arte venandi cum avibus“ (Die Kunst, mit Vögeln zu jagen) verfassen ließ, wurde erstmalig vogelkundliche Geschichte geschrieben. Die bereits damals am Rande einer Wissenschaft erhobenen Ornithologie hat aber auch unnötige und herbe Rückschläge erlitten.

Herausragend negativ hat sich auf diesem Gebiet der Leibarzt des englischen Königs Karl II. hervorgetan, ein Doktor Walter Charleton, der im Jahre 1668 daran ging, alle Vögel systematisch zu ordnen, unverständlicherweise auch solche, die ihm nur aus der Literatur bekannt waren.

Seine vereinfachenden Abteilungen teilte er zunächst in Landvögel und diese wieder in Fleisch-, Insekten-, Körner- und Beerenfresser mit Unterordnungen in singende und nicht singende, im Staub badende oder im Staub und Wasser badende Arten. Eine weitere Abteilung galt den Wasservögeln, die er nach Arten mit Schwimmhäuten und solche mit Zehen unterteilte, Palmipedes und Fissipedes, letztere wurden in Fisch-, Insekten- oder Krautfresser unterteilt.

Eine Reaktion auf diesen aus heutiger Sicht „fachlichen Unsinn“ ließ nicht lange auf sich warten, die auch durch die im 17. Jahrhundert rasche Zunahme des überseeischen Verkehrs begünstigt wurde. Fremdländische Vogelarten erreichten Europa und lösten beim Adel und der darüber hinaus begüterten Klasse den Wunsch aus, sich mit diesen exotischen und meistens bunten Vögeln zu schmücken.

Es entstanden vielerorts in Europa sogenannte „Vögel-Cabinette“, Volieren oder Käfige „zur Augen- und Gemüthsergötzung“. Gute Geschäfte waren mit lebenden Papageien zu machen, deren Besitz in der Zeit der großen geografischen Entdeckungen zum Vorrang mächtiger Herren und edler Frauen wird. Diese bunten Gefangenen dienten aber auch, die überschwänglichen Schilderungen tropischen Vogellebens glaubhaft zu machen, mit denen Seefahrer, Priester und Eroberer ihre Berichte immer wieder würzten.

Das Leben dieser geflügelten Exoten war natürlich endlich, und zum Ausgang des 17. Jahrhunderts begann man, diese wertvollen und frischtoten Tiere „auszustopfen“, also zu präparieren. Da die Kenntnisse für eine dauerhaft erfolgreiche Arbeit noch in den Kinderschuhen steckte, waren auch diese Präparate sehr schnell von Motten und Speckkäfern befallen sowie von ihnen gefressen, so dass aus dieser Zeit weitgehend nur Bilder dieser Geschöpfe überliefert worden sind – diese übrigens dann in großer Detailtreue und Qualität. Sie gelten heute als wertvolle, historische Quellen für die forschende und vergleichende Wissenschaft.


Info: www.vogelschutzeutin-

badmalente.de

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