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Ostholsteiner Anzeiger

24. November 2017 | 05:01 Uhr

„Herwart“ rüttelt den Norden durch

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Zwei Menschen sterben / Loch im Dach der Eutiner Sankt-Michaelis-Kirche / Fernzüge der Bahn sollen erst heute wieder fahren

von
erstellt am 29.Okt.2017 | 18:49 Uhr

Mit Sturmtief „Herwart“ hat der nächste große Herbststurm den Norden durchgewirbelt. Besonders hart traf es die Bahn: Der Zugverkehr kam in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern fast komplett zum Erliegen. Hamburg und Kiel waren zeitweise nicht mehr ans DB-Fernnetz angeschlossen.

Allein in Hamburg rückte die Feuerwehr mehr als 900 Mal aus. Die Einsatzkräfte hätten sich vor allem um umgestürzte Bäume, Baugerüste und Dachteile gekümmert, sagte ein Sprecher. Im Hafen beschäftigte eine schwere Sturmflut die Feuerwehrleute. Die Elbe erreichte am Vormittag einen Höchststand von mehr als drei Metern über dem mittleren Hochwasser.

Ein Todesopfer gab es in Niedersachsen. Am Jadebusen beim Strandbad Sehestedt wurden in der Nacht zu gestern zwei Camper in ihrem Bulli von der Sturmflut überrascht. Die beiden 59 und 63 Jahre alten Brüder aus Nordrhein-Westfalen versuchten, sich schwimmend in Sicherheit zu bringen. Der jüngere konnte sich an einem Mast festklammern und wurde von einem DLRG-Schlauchboot gerettet, der ältere ertrank in der Nordsee. Die beiden hätten ein großes Warnschild „Überflutungsgebiet“ ignoriert, sagte ein Polizeisprecher. Auf dem Peenestrom in Mecklenburg-Vorpommern kenterte ein Motorboot mit drei Urlaubern aus Sachsen. Eine Frau starb nach der Einlieferung ins Krankenhaus.

In Schleswig-Holstein gab es mindestens einen schweren Unfall. In Oldenswort (Kreis Nordfriesland) wurde ein Autofahrer verletzt. Sein Wagen hatte sich überschlagen, als er herabgestürzten Ästen ausweichen wollte. Regional sehr unterschiedlich war die Schadenslage im Kreis Ostholstein: Die Eutiner Feuerwehr hatte keinen einzigen Sturm-Einsatz – auch wenn in der Nacht der Wind auf der Westseite der Sankt-Michaelis-Kirche ein Loch ins Dach gerissen hatte. Die heruntergefallenen Dachziegel landeten auf dem Dach eines Anbaus. Küster Detlef Kähler gelang es gestern nicht, einen Dachdeckerbetrieb zu erreichen, da es aber nicht regnete, blieb er gelassen. Die Feuerwehr stand unterdes parat, das Loch mit Hilfe der Drehleiter abzusichern. Der letzte Sturmschaden am Kirchendach war im Januar 2015.

Im Gegensatz zur Mitte des Kreises hatten Wehren im Norden und an der Lübecker Bucht reichlich zu tun: Um die 30 Einsätze zählten die Wehren Heiligenhafen und Oldenburg. Die Feuerwehren Landkirchen, Burg und Süderort wurden durch einen Wohnwagen gefordert, der um 5 Uhr auf der Fehmarnsundbrücke umgekippt war – ein Gespannfahrer hatte die Sperrung der Brücke für leere Lkw und Pkw mit Anhängern ignoriert. Auf Fehmarn erreichten Orkanböen teilweise Geschwindigkeiten von 144 km/h. Über zehn Einsätze absolvierten die Wehren der Gemeinde Scharbeutz.

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