Helmut Griesers Blick auf die Russland-Politik

Helmut Grieser ist emeritierter Professor für Neuere Geschichte und Russlandexperte.
Helmut Grieser ist emeritierter Professor für Neuere Geschichte und Russlandexperte.

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20. Januar 2018, 14:18 Uhr

„Die Beziehungen zu unserem Nachbarn im Osten befinden sich auf einem gefährlichen Tiefpunkt, wie wir ihn seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 noch nicht erlebt haben“, sagt Helmut Grieser, emeritierter Professor für Neuere Geschichte an der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel. Auf Einladung des Arbeitskreises 27. Januar spricht der in Benz lebende Historiker in der Kreisbibliothek Eutin am Freitag, 26. Januar, um 19.30 Uhr zum Thema: „Dankbarkeit ist ein Wort, das die Geschichte nicht kennt! Oder: Ist es politisch wirklich klug, sich undankbar zu verhalten?“

In einem kurzen Gang durch die Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen seit 1718 wird Professor Grieser der Behauptung auf den Grund gehen, dass sich ein gutes Verhältnis zu Russland für Deutschland oft als nützlich erwiesen habe, während sich umgekehrt Russland einer deutschen Unterstützung fast nie habe erfreuen können. „In der Erinnerung der Völker leben Gefühle lange fort“, sagt der Historiker. Begriffe wie Dankbarkeit, Undank oder Verrat seien keine abstrakten Leerformeln, sondern im Gegenteil Deutungen geschichtlicher Erfahrung, die die gegenwärtige und zukünftige Außenpolitik prägen können. Die Frage, ob die Nato-Osterweiterung von der russischen Seite zu Recht als undankbares Verhalten gewertet werden könne, als „ungerechtfertigte Ausnutzung der Verständigungspolitik Gorbatschows mit ihrer freiwilligen Aufgabe der sowjetischen Vorherrschaft in Ost- und Mitteleuropa, die die Wiedervereinigung Deutschlands erst möglich gemacht habe“, wird vermutlich eine lebhafte Diskussion auslösen. Diesen Wunsch hegen Käthe Birkenfeld und Lutz Tamchina, die diesen Abend vorbereitet haben – und damit nicht zuletzt die Tradition von Prof. Klaus Wächtler fortsezen möchten, im vergangenen Jahr verstorbener Mentor und „Motor“ des Arbeitskreises 27. Januar. Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei, eine Spende für die Arbeit des Friedenskreises willkommen.

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