zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 20:37 Uhr

Eutin : Helfer zieht in Kampf gegen Ebola

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der erste THW-Helfer aus Schleswig-Holstein kommt aus Eutin / Aus Rücksicht auf seine Familie bleibt sein richtiger Name geheim

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2014 | 20:00 Uhr

Ein mulmiges Gefühl hatte Bernd Schmidt* (44) schon, als er gestern Morgen in den Flieger stieg. Seine Frau und die Kinder winkten ihm hinterher, sie haben ihn in aller Frühe zum Hamburger Flughafen gebracht. Es ist ein Flug ins Ungewisse – Bernd Schmidt ist der erste THW-Helfer aus Schleswig-Holstein, der in den Kampf gegen Ebola ins Krisengebiet nach Westafrika fliegt.

Gestern bekam er die letzten Einweisungen in den richtigen Umgang mit dem Schutzanzug in der THW-Zentrale in Bonn. Heute sitzt er mit seinem Emergency-Pack, einem funktionierenden Handy mit Bildern der Familie und einem Glas Nutella im Koffer im Flieger nach Ghana. Von dort geht es zum Einsatzort nach Sierra Leone, wo die THW-Kräfte die UN unterstützen. Als einer von insgesamt sieben THW-Helfern aus Deutschland wird er Kontakte zu den vor Ort tätigen internationalen Organisationen verstärken und bei logistischen und technischen Fragen helfen. Auch in seinem Alltag in Ostholstein ist Bernd Schmidt Logistik-Experte und hat sich als solcher nach zahlreichen Weiterbildungen in die Auslandsdatenbank des THW einschreiben lassen.

Anfang Oktober kam dann die Anfrage, ob er nach Westafrika in seinen ersten Auslandseinsatz geht. Schmidt beriet sich mit seiner Frau, sagte schließlich zu. „Sie wusste, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ich in den ersten Einsatz fliegen würde. Ich stand auch auf der Liste für das Flüchtlingscamp in Jordanien und im Irak. Dort ist die Gefahr eine andere, aber allgegenwärtig ist sie da auch“, sagt Schmidt. Er musste ihr versprechen, dass er auf sich aufpasst und sich an die wichtige Regel „cook it, boil it, peel it or let it“ hält. „Ich bin ja nicht im direkten Kontakt mit den nachweislich Erkrankten, sondern als technischer Helfer vor Ort“, sagt Schmidt. In Trainings und Schulungen wurden sie immer wieder darauf hingewiesen: „Die Hände bleiben aus dem Gesicht, zu hoch ist die Ansteckungsgefahr über die Augen-, Nasen- und Mundschleimhaut.“

Montag kam dann der Bescheid: Mittwoch gehts los. Visa mussten beantragt werden, Flüge gebucht, Eltern und Verwandte verabschiedet, Kinder getröstet werden.

„Du bist verrückt! Warum machst du das?“, haben viele Freunde und Bekannte ihn kopfschüttelnd gefragt. Seine Antwort darauf war immer die selbe: „Jeder Mensch hat das Recht auf humanitäre Hilfe. Nur vom Umdrehen und Wegschauen kommt das nicht wieder in Ordnung.“

Abgesehen von seinem Helferwillen hat ihn ein Bild als mehrfacher Familienvater besonders berührt: Helfer in Schutzanzügen holen den Leichnam des ersten an Ebola erkrankten Kindes, kaum zwei Jahre alt, ab (siehe Foto). Diese Nachricht trug dazu bei, dass er sagte: „Wir können nicht immer nur sagen, ‚Deutschland muss mehr machen‘, sondern wir müssen auch handeln.“

Es gibt nicht viele Menschen, wie Bernd Schmidt, die diese Einstellung haben – ungeachtet der potenziellen Gefahr, der sie sich selbst mit so einem Einsatz aussetzen.

Dass die Zeit nach seinem vierwöchigen Einsatz keine leichte sein wird, darauf hat er noch vor seinem Abflug einen kleinen Vorgeschmack bekommen. „Wenn du wieder da bist, will ich dich erstmal nicht mehr sehen.“ Das war nur ein Satz, den er oft hörte – in den verschiedensten Ausführungen. Von anderen heimgekehrten THW-Helfern weiß Schmidt, dass Wiederkommen meist schwieriger als das Hinfliegen ist. „Alle meinen es gut, wollen Abstand. Aber viele haben Angst, selbst zu erkranken, flüchten sogar aus den Nachbarhäusern für die maximale Inkubationszeit von 21 Tagen“, erzählt Bernd Schmidt.

Dabei sind die Regeln klar vorgeschrieben: Mehrfach am Tag muss die Temperatur gemessen werden. Ist sie erhöht, kommt der Arzt in Schutzkleidung nach Hause, nimmt Blut ab und klärt über den Schnelltest, ob Ebola vorliegt, wie Schmidt erklärt. Sollte es vorher schon zu Auffälligkeiten kommen, gibt es auch Quarantäneflüge zurück, darüber habe man
die Helfer bei den Vorbereitungen informiert. Bernd Schmidt hofft, dass alles gut geht und er am Nikolaustag seine Familie wieder in die Arme schließen kann. „Ich habe mit meiner Frau besprochen, dass wir normal miteinander umgehen wollen, wenn die Temperatur stimmt und es keine anderen Anzeichen gibt. Stimmt die bei der Einreise nicht, ist in Frankfurt am Flughafen für mich erstmal Endstation.“ Für eine generelle Quarantäne, die Helfer nach einem solchen Einsatz in Isolierstationen verbringen müssen, ist Schmidt derzeit nicht. Seine Befürchtungen: „Dann finden sie hier gar keine Helfer mehr, die so eine Arbeit machen wollen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert