Heizöl im Teich – 600 Euro Geldstrafe

Rentner soll unbrauchbar gewordenes Öl nach Brand im Gully entsorgt haben

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18. Juni 2015, 11:53 Uhr

Kann ein Rentner, der gesundheitlich angeschlagen ist, sein unbrauchbares Heizöl im nahe gelegenen Angelteich entsorgen? Er kann – zu diesem Entschluss kam zumindest das Amtsgericht Eutin gestern. Der Ahrensböker Fritz H. (76, Name geändert) wurde wegen vorsätzlicher Gewässerverunreinigung zu einer Geldstrafe von insgesamt 600 Euro verurteilt.

Doch von vorn: Alles begann am 6. Oktober 2014 mit einem Feuer im sogenannten Ölstall von Fritz H. am Rande von Ahrensbök. Bei den Löscharbeiten sei viel Wasser in den Heizöltank gekommen, das Öl aus Sicht des Rentners somit unbrauchbar geworden. Da sein Öltank bei dem Brand beschädigt wurde, empfahlen ihm Experten, die Überreste von einer Firma entsorgen zu lassen. Dem kam er allerdings nicht nach, versuchte mit Nachbarn sogar noch das Heizöl-Wasser-Gemisch durch eigene Abpumptechniken zu trennen – allerdings ohne Erfolg.

Mehr als fünf Wochen nach dem Brand schimmerte ein roter Film auf dem grundstücksnahen Angelgewässer. Das rief die Umweltbehörde auf den Plan: Mehr als 35 Tonnen Erdreich waren nach ihren Feststellungen kontaminiert und mussten ausgetauscht werden. Die Kanister und das restliche Öl hat auf Bitten des Kreises dann eine Fachfirma entsorgt – allerdings erst am 19. November, nachdem die Gewässerverunreinigung von Mitarbeitern des Kreises festgestellt wurde.

Fritz H. sagte dazu: „Was wollen Sie hören? Ich habe damit nichts zu tun.“ Zudem sei er aufgrund seines körperlichen Zustandes nicht in der Lage gewesen, größere Mengen auf einmal zu transportieren. Das zu glauben fiel Richterin Katrin Leinen schwer, aus ihrer Sicht sprachen die Indizien gegen den Angeklagten: „An der Erfüllung des Tatbestandes habe ich keinerlei Zweifel. Das Öl kann auch in kleinen Mengen transportiert worden sein.“ Erdreich und Gewässer seien nachhaltig verunreinigt worden.

Kreismitarbeiter hatten drei Tage nach der Ursache gesucht – im nahe gelegenen Wohn- und Gewerbegebiet. Das Ergebnis schildert der Technische Leiter der Kreiswasserbehörde: „Es blieb nur noch das Grundstück von Herrn H., er war der einzige, der noch mit Heizöl heizte.“ Außerdem seien auf den beiden Gullydeckeln direkt an der Straße vor dessen Haus Ölrückstände gefunden worden.

Von dort führt ein Rohr unter der Straße hindurch auf eine Böschung, die mit Öl verschmiert war, direkt ins Wasser. „Das Gewässer schimmerte rötlich. Ein Indiz dafür, dass das Heizöl sich noch nicht mit Regenwasser vermischt hatte, also relativ frisch hineingelaufen war“, erklärte der Fachmann. Die Ölproben im Rohr, auf den Gullys und im See stimmten nach Laboruntersuchungen mit dem Heizöl von Fritz H. überein.

Auch der Einwand desVerteidigers, dass der Beschuldigte sein Wasser aus einem eigenem Brunnen aus 50 Metern Tiefe beziehe und „sich selbst vergiften würde“, änderte die Ansicht des Gerichts nicht. In Anbetracht weiterer Verfahren und Kosten von mehr als 20  000 Euro, die für die Entsorgung noch auf den Rentner zukommen, verringerte die Richterin die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafsumme (900 Euro).

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