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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 07:44 Uhr

Heizen in seiner schönsten Form

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Normale Heizkörper sind Hans Werner Petersen zu langweilig – er baut besondere Exemplare, die warm ums Herz werden lassen

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2015 | 15:05 Uhr

Sie gehören in fast jeder Wohnung und jedem Haus zur selbstverständlichen Ausstattung. Wenn sie funktionieren, nimmt niemand Notiz von ihnen. Ganz anders sieht das im Haus von Hans Werner Petersen aus. Dort sind viele Heizkörper ein Hingucker – echtes Kunsthandwerk.

Begonnen habe es vor 25 Jahren, erinnert sich Petersen. Damals habe ihn sein Sohn gefragt, der damals ins Untergeschoss gezogen sei: „Unten im Bad ist es immer so kalt, kann da nicht ein Heizkörper hin?“ Statt einen Heizkörper zu kaufen, baute Petersen aus alten Rohren kurzerhand selbst einen, was für ihn als gelernten Heizungsbauer kein Problem war. Zwar sah das Erstlingswerk ästhetisch eher karg aus, doch das brachte den gebürtigen Zarnekauer erst auf die Idee: „Was Wärme abgibt, muss doch nicht langweilig aussehen“, dachte er sich.

Als nächstes fertigte er einen Heizkörper für den Hausflur. Da dieser oberhalb des Schuhregals seinen Platz hat, ziert ein stilisierter, rund 30 Zentimeter langer Schuh den Radiator. Der Clou: Der Schuh ist an das System angeschlossen und wird genauso warm wie die Rohre. „Ich habe zwei Kupferplatten in Schuhform ausgeschnitten und diese mit Kupferband zusammengefügt“, berichtet der 69-Jährige. Anschließend habe er das Gebilde mit Pressluft in eine dreidimensionale Form gebracht.

Ehefrau Monika ist von den Ideen ihres Mannes begeistert: „Ich finde das toll.“ Ihr Mann sei ohnehin ein sehr kreativer Mensch. Zahlreiches Kunsthandwerk im Garten zeugt davon. Daneben fertigt Petersen, der bis zu seiner Rente gut 30 Jahre lang als Techniker in der Reha-Klinik Hängebargshorst in Krummsee arbeitete, auch Schmuck.

Nach und nach fertigte der Malenter in seiner kleinen Werkstatt direkt am Haus weiteres wärmendes Kunsthandwerk – ein Dutzend besondere Heizkörper kamen mit den Jahren zusammen. In der Küche ziert eine Kaffeekanne den Heizkörper, im Bad sind es zwei Delfine, selbstverständlich sind sie nicht nur Zierde, sondern heizen sich auch mit auf. Im Gäste-WC wartet eine Konstruktion mit eigenwilliger Klorollen-Halterung auf. Als Abrisskante diente eine Briefkastenklappe mit der Aufschrift „Gäste“.

Selbst im Flur einer Nachbarin findet sich mittlerweile ein Heizkunstwerk: ein Telefon mit Wählscheibe. „Hörer und Schnur, da ist alles dran“, sagt Petersen stolz. Ihn wundert, dass die Industrie noch nicht auf die Idee mit den Designer -Heizkörpern gekommen ist. Denn sie funktionierten, wie er betont. Sie gäben überall genügend Wärme ab, betont er.

Auch sein Sohn, der mit seiner Familie ein paar Häuser weiter wohnt, profitiert vom Hobby seines Vaters: Im Flur sorgt ein Telefon – diesmal allerdings in einer moderneren Ausführung mit Tasten statt Wählscheibe – und im Bad ein rund 40 Zentimeter langer Delfin für wohlige Wärme.

Der Delfin ist wohl Petersens aufwendigstes Stück. Er wisse es nicht mehr genau, aber eine Woche habe er wohl daran gearbeitet, schätzt er. Das Beste: Seine funktionellen Kunstwerke sind nicht nur schön, sondern auch besonders haltbar. Denn während herkömmliche Heizkörper lediglich aus rostempfindlichen Gusseisen oder mittlerweile einfachem Stahlblech bestehen, sind die Konstruktionen aus dem Hause Petersen aus Kupfer und Messing oder gar Nirosta gefertigt – Durchrostungen sind damit kein Thema.

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