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Ostholsteiner Anzeiger

23. Juni 2017 | 14:19 Uhr

Heimaufsicht beklagt Pflegemängel

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine Einrichtung klagt gegen Ordnungsmaßnahmen des Kreises Ostholstein / Fachkräftequote in Heimen wird häufig unterschritten

„In den überwiegenden Einrichtungen im Kreis wird die Pflege ordnungsgemäß geleistet.“ Hinter diesem im ersten Moment positiv klingenden Fazit von Jürgen Krüger verbergen sich jedoch auch einige schwere Missstände. Von ihnen berichtete der Mitarbeiter der Heimaufsicht des Kreises in der Sitzung des Sozialausschusses des Kreistages.

Insgesamt werden in Ostholstein 97 stationäre Einrichtungen sowie sechs Tagespflegeeinrichtungen von der Heimaufsicht betreut. Vorherrschendes Problem bei den Prüfungen sei eine zunehmend negative Entwicklung der Personalausstattung, sagte Krüger. Besonders bei der erforderlichen Fachkräftequote von 50 Prozent gebe es Mängel. In 38 Heimen sei 2013 und 2014 die Quote unterschritten worden, im Zeitraum 2015/16 seien es schon 41 gewesen. „Der Personalmangel führt zu Defiziten in der Krankenbeobachtung und schließlich zu Mängeln in der fachgerechten Pflege.“ In den meisten Fällen sei es den Einrichtungen nach dem Eingreifen der Heimaufsicht gelungen, weiteres Personal einzustellen.

Eine geschlossene psychiatrische Einrichtung aber reagierte anders. Sie setzte nachts teilweise nur Hilfskräfte ein. Der Kreis verhängte eine Ordnungsverfügung und drohte ein Zwangsgeld an. „Durch die heimaufsichtliche Forderung soll verhindert werden, dass Hilfskräfte auf sich allein gestellt sind, wenn Bewohner fremd- oder eigenaggressives Verhalten entwickeln und dadurch zu einer Gefahr werden“, so Krüger. Doch anstatt Fachkräfte einzustellen, zog die psychiatrische Einrichtung gegen die Maßnahmen des Kreises vor Gericht, die Klage vor dem Schleswiger Verwaltungsgericht läuft noch.

Um welche Einrichtung es sich handelt, mochte Krüger nicht sagen. Generell aber seien es große Einrichtungen, die Probleme mit Fachkräften und deren Anwerbung hätten.

Erhebliche Mängel seien auch bei der Arzneimittelgabe in vollstationären Abteilungen festgestellt worden. Zwei Heime mussten durch Ordnungsverfügungen und Zwangsgeldfestsetzungen dazu gebracht werden, ihren Bewohnern die ärztlich verordneten Medikamente zur rechten Zeit in der vorgeschriebenen Dosis zu geben.

„Leider“, so berichtete Krüger dem Ausschuss, musste die Heimaufsicht auch Fälle von Gewalt in der Pflege überprüfen. Im vergangenen Jahr wurde durch die Heimaufsicht eine Strafanzeige gegen den Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma gestellt. In einem weiteren Fall erstattete der Träger des Middelburger Pflegezentrums selbst Anzeige gegen einen Mitarbeiter. Der 59-Jährige wurde inzwischen zu 16 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt (wir berichteten).

„Es wird regelmäßig deutlich, wie problematisch der Nachweis der Gewalt in der Pflege ist“, schilderte Krüger. Das gelte besonders, wenn der Betroffene an Demenz oder einer psychischen Erkrankung leide. Gleichermaßen werde deutlich, dass der tägliche enge Kontakt von Bewohnern und Pflegekräften von der persönlichen Einstellung der Mitarbeiter zu den ihnen anvertrauten Bewohnern getragen werde.

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erstellt am 27.Mai.2017 | 00:08 Uhr

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