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Ostholsteiner Anzeiger

19. August 2017 | 09:43 Uhr

„Heimat ist, wo wir zusammen sind“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Anna-Maria und Peter Großkopf feiern heute Eiserne Hochzeit

„Die Treue“: Das sagen Peter und Anna-Maria Großkopf als Erstes, wenn sie gefragt werden, was sie am jeweils anderen schätzen. „Sie ist immer da gewesen, wenn es brannte“, sagt der 84-Jährige über seine Frau und die 86-Jährige sagt über ihn: „Er macht alles mit, auch wenn er meckert.“ Heute, am 11. Februar, feiern die Eheleute ihre Eiserne Hochzeit.

„Mitgemacht“ hat das Paar in 65 Jahren einiges. Dramatisch wurde es Ende der 50er Jahre. Damals lebten die gebürtigen Berliner, die sich 1947 bei der Tanzstunde näher kamen, im Ost-Berliner Stadtteil Karlshorst. Der gelernte Tischler hatte noch einmal auf Lehramt studiert und arbeitete danach am „Deutschen Zentralinstitut für Lehrmittel“. Als eine Gehaltserhöhung an den Beschäftigten vorbeigehen sollte, ließ Großkopf in einer Versammlung eine Bemerkung über das Streikrecht fallen und zog sich damit den Ärger der Staatsmacht zu.

„Dann haben sie mich auf die Polizei bestellt“, erinnert sich Anna-Maria Großkopf. Die gelernte biologisch-technische Laborantin – damals schon dreifache Mutter – fühlte sich ausgeliefert. Ihr wurde vorgehalten, dass sie ein Abonnement an der Volksbühne in Berlin-West hatte und auch die Adresse ihrer Schwester, die im nordrhein-westfälischen Siegen lebte, war der Polizei bekannt, obwohl diese mehrmals umgezogen war. „Die wussten alles.“ Ihren dreijährigen Sohn, der aus gesundheitlichen Gründen bei der Schwester in Siegen war, bezeichneten die Polizisten gar als „Republikflüchtling“.

Für die Großkopfs stand fest, sie müssen raus aus der DDR. „Kurz vor Weihnachten 1959 sind wir aus Ost-Berlin weg“, berichtet Anna-Maria Großkopf. Keine zwei Jahre später, am 13. August 1961, ließ Ulbricht die Mauer bauen. In Siegen fing das Paar noch einmal von vorne an. In der DDR ließen so gut wie alles zurück: „Bis auf das, was wir doppelt angezogen haben, und ein Tretauto, das wir für unseren Sohn gekauft hatten“, erinnert sich Peter Großkopf. Die Flucht wäre beinahe schiefgegangen. Denn Anna-Maria wurde in der U-Bahn kontrolliert. Doch die doppelte Kleidung bemerkten die Kontrolleure nicht. „Mein Mann hat dann am Schlesischen Tor auf mich gewartet.“

In Siegen baute sich das Paar eine neue Existenz auf, zog vier Kinder groß, die heute in Lübeck, Hameln, Münster und Dachau leben. Nachdem Peter Großkopf 1993 als Berufsschullehrer in Pension gegangen war, zog es die Großkopfs 1997 in den Norden – der guten Luft wegen. In Malente fanden sie ihr neues Zuhause. Bereut haben sie es nicht: „Ich hab immer gedacht, Heimat ist da, wo wir zusammen sind“, sagt Anna-Maria Großkopf.

Mittlerweile haben die beiden elf Enkel und fünf Urenkel. Der sechste ist unterwegs. Gefeiert wird die Diamantene zunächst mit Freunden, die Familienfeier soll später folgen. „Wir brauchen doch ein Zelt für unsere Familie“, sagt Anna-Maria Großkopf lachend.

Im Kneippheilbad engagierte sich Anna-Maria Großkopf beim Hausfrauenbund, den sie bis zur Auflösung des Vereins elf Jahre lang als Vorsitzende führte. Peter Großkopf war acht Jahre lang Vorsitzender des Seniorenbeirats und wechselte dann in die Politik. Für die SPD saß er vier Jahre in der Gemeindevertretung. Bis heute ist er als wählbarer Bürger stellvertretendes Mitglied im Tourismusausschuss.

Die Malenter Jahre standen im Zeichen des Reisens: „Wir haben die Welt gesehen“, sagt Anna-Maria Großkopf und zählt begeistert die Ziele auf: USA, Kanada, Neuseeland, Südafrika, Ägypten, Thailand. Heute ist es damit nicht mehr so einfach. Beide haben Schwierigkeiten mit dem Laufen und Anna-Maria Großkopf ist auf die Dialyse angewiesen. Deswegen ist das Paar auch in eine barrierefreie Wohnung am Dieksee gezogen. Trotzdem ist noch eine Tour geplant: „Ich hab ihn überredet“, sagt Anna-Maria Großkopf. Demnächst geht an die Nordsee.

 

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erstellt am 10.Feb.2015 | 13:27 Uhr

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