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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 01:28 Uhr

Heimat der Eutiner Ackerbürger

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Wie kam die Weidestraße zu ihrem Namen? Ein Rückblick auf die Zeit, als das Gebiet vor dem Lübschen Tor noch „Stadtfreiheit“ hieß

von
erstellt am 02.Aug.2016 | 19:01 Uhr

Geht man heute die Weidestraße entlang, dann fragt man sich, wie diese zu ihrem Namen kam. Von bäuerlicher Nutzung zur Viehwirtschaft kann man an dieser lebhaft genutzten Verbindung zwischen Lübecker und Plöner Straße, die zusätzlich durch die Bahnlinie gekreuzt wird, nichts mehr erkennen. Keine Kühe – keine Schweine – möglicherweise einige Stallhasen, aber die bleiben privat. Lediglich die Bebauung und das Straßenpflaster lassen stellenweise an alte Zeiten denken. Die Fachwerkhäuser der Weidestraße 24 bis 28 zeigen die typischen Wohnstätten der Ackerbürger, ganz ähnlich dem Haus 13 auf dem Markt.

In der Weidestraße wohnten überwiegend Tagelöhner und Handwerker. Die Straße liegt außerhalb des ursprünglichen Stadtgebietes, das am Lübschen Tor in der Lübecker Straße endete. Anfangs war es das einzige Stadttor und führte auf die Straße in Richtung Lübeck. Das Tor befand sich ungefähr dort, wo heute der Doktor-Wittern-Gang in die Lübecker Straße mündet. Das Gebiet vor dem Lübschen Tor wurde auch „Stadtfreiheit“ genannt. Vor diesem Tor lag die Gemeindeweide, auch Allmende genannt. Darauf bezieht sich der Name Weidestraße. Die Stadt stellte ihren Einwohnern die Weide zur Verfügung, denn die Bürger der Stadt waren zum großen Teil Ackerbürger. Sie betrieben Landwirtschaft und zusätzlich ein Handwerk und nannten sich auch „Baumänner“. Die Gesellschaft, bestehend aus Adel, Klerus und Bauernschaft, wurde durch das Bürgertum ergänzt. Die Ackerbürger waren freie Menschen. Im Gegensatz zu den ländlichen Bauern waren sie keine Leibeigenen des Adels. Sie hatten in der Stadt Rechte und Pflichten.

Eine weitere Stadtweide lag nördlich der Stadt, jenseits des Sacktores, dort wo heute die Riemannstraße beginnt. Das Gebiet entlang der Fissauer Bucht über den Ehmbruch bis zu den Feldern von Rotensande war unkultiviert und diente der Haltung von Tieren. Ungefähr auf Höhe der Kreuzung Riemannstraße/Holstenstraße befand sich der „Faule Born“ oder „Fuhlnborn“. Hier wurde ein Graben zum Eutiner See geschaffen, der das Gebiet entwässern und die Weide der Schweine von der der Kühe trennen sollte. Weiterhin sollte auch der Ehmbruch entwässert werden, um mehr Weideplatz zu schaffen. 1729 wurde durch den Fürstbischof Adolf Friedrich für die Benutzung der Gemeindeweiden eine Regelung über Gebühren, Instandhaltung und Bezahlung der Hirten erlassen. 1796 wurde eine Aufteilung in Parzellen vorgenommen. Teile der Weide wurden jeweils einem städtischen Grundstück zugeordnet. So hatte jeder Bürger, der gleichzeitig Grundeigentümer war, einen bestimmten Teil der Weide zur eigenen Nutzung.

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