Heilkräuter : Hausapotheke am Wegesrand

Rund zwei Stunden lang führt Iris Bein (rechts) die Gruppe am Süseler See entlang und zeigt den Teilnehmern die Heilkräuter.
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Rund zwei Stunden lang führt Iris Bein (rechts) die Gruppe am Süseler See entlang und zeigt den Teilnehmern die Heilkräuter.

Die Scharbeutzerin Iris Bein will auf ihren Kräuterführungen die Heilkräfte von Pflanzen vermitteln / Teilnehmer sind hauptsächlich Frauen

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08. Juni 2013, 09:40 Uhr

Süsel | Ein bekannter - und unter Gärtnern verhasster - Spruch lautet: "Es gibt keine Unkräuter, nur Kräuter". Iris Bein hat diese Weisheit zu ihrem Beruf gemacht. Seit rund sieben Jahren bietet die Naturführerin Kräuterwanderungen an. Für sie eine irgendwie zwangsläufige Entwicklung: "Ich bin in der Kräuterecke eines Reformhauses aufgewachsen", erklärt sie lachend. Schon als Kind habe sie es geliebt, die Kräuter im Reformhaus ihrer Eltern in Hamburg abzuwiegen.

Seit 2006 bietet Bein, im Hauptberuf Übersetzerin, Kräuterführungen an. "Kräuter sind so vielseitig", schwärmt sie. Sie schmecken nicht nur, sie haben auch Heilkräfte. Diese Kräfte will Bein den Teilnehmern auf ihrer Tour "Apotheke am Wegesrand" nahe bringen. "Die Weide war schon bei den Kelten als Heilpflanze bekannt", klärt Bein die Gruppe auf. Sie besteht aus vier Frauen im mittleren Alter sowie einer jungen Auszubildenden, die von ihrem Freund begleitet wird. Ein typisches Bild für die Gruppen von Iris Bein: "Das Interesse an Kräutern entwickelt sich oft bei Frauen über 40 und bei jungen Frauen, die autonom sein wollen", hat sie festgestellt. Ihnen allen berichtet sie von den schmerzlindernden und fiebersenkenden Eigenschaften der Weidenrinde.

Generell spreche für die Heilpflanzen, dass sie weniger Nebenwirkungen als chemische Arzneien hätten, schildert Bein. Dabei sollte aber zu Wildkräutern gegriffen werden. "Bei Züchtungen ist der Wirkstoffgehalt oft nicht so hoch", sagt Bein. Allerdings sollte nicht einfach eine Pflanze am Wegesrand gepflückt werden. Einerseits wegen der Verunreinigungen, beispielsweise durch Hunde. Andererseits, weil etwa Bäume auch jemandem gehören. Es gelte: Erst den Besitzer um Erlaubnis fragen. "Am besten ist es immer noch, sich die Kräuter im eigenen Garten anzubauen", rät die Kräuterexpertin. Sie selbst hat in ihrem Garten in Scharbeutz rund 100 verschiedene Kräuter - "mein Garten ist nicht so richtig groß".

Richtig groß ist auf jeden Fall das Interesse der Teilnehmer. Sofia Gonzales wohnt eigentlich in Schorndorf (Baden-Württemberg) und verbringt ihren Urlaub mit ihrem Freund bei dessen Familie in Kiel. Sie macht die Kräuterwanderung nicht nur aus privatem Interesse.

"Ich mache eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin und brauche noch Pflanzen für meine Ausbildungsmappe", erklärt die 21-Jährige. Vorsichtig trennt sie verschiedene Pflanzen ab und verpackt sie zum Transport in Zeitungspapier.

"Die Kräuter sind ein Gebiet, auf dem man immer wieder etwas dazulernen kann", beschreibt Iris Bein ihre Faszination und beginnt aufzuzählen: Spitzwegerich werde auch als "König des Weges" bezeichnet und sei vor allem als Hustensaft bekannt. Doch sein Saft helfe auch bei Insektenstichen. Weißdorn sei ein milder Betablocker, der entzündungshemmend wirke und bei Stress beruhige. Von der großen Klette, auch Bärenklette genannt, werde hauptsächlich die Wurzel genutzt. "Sie hat gute Wirkungen auf Haut und Haare, außerdem hilft sie bei Erschöpfung", so Bein. Einen guten Tipp hat sie auch gleich parat: "Am besten merkt man sich im Sommer, wo eine Klette wächst und gräbt die Wurzel dann im Herbst aus. Dann nämlich hat sie mehr Inhaltsstoffe."

Bein will ihren Wanderern keine komplizierten Rezepte zeigen, für die sie exotische Zutaten aus der Apotheke bräuchten. "Bei mir geht es um die Hausapotheke und um einfache Rezepte."

Eine Einstellung, die den Tourteilnehmern gefällt. "Ich habe die Teilnahme von meiner Tochter zum Geburtstag bekommen", sagt Heidi Schmidt aus Lübeck. Sie sei für alles offen, beschreibt sie sich, bereits jetzt sammele sie regelmäßig Schlehen und Brennnesseln. "Bei der Führung habe ich die Wirkungen von vielen Pflanzen kennen gelernt, die ich vorher noch nicht kannte", so ihr Fazit nach dem Rundgang, der zwei Stunden lang am Süseler See entlang führte.

Und so ist Iris Bein ihrem Ziel ein Stück näher gekommen: "Ich möchte, dass meine Faszination für Kräuter auch auf andere Leute überspringt." Denn Unkräuter gibt es bei ihr nicht.

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