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Haus ohne Schornstein – damit der Rauch die Schinken adelt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Sie stammt aus einer sehr unruhigen Zeit: Während des 30-jährigen Krieges (1618–1648) soll die Tews-Kate gebaut worden sein, die sich heute hinter unserem Adventstürchen verbirgt. Handfeste historische Belege für das Baujahr 1634 gibt es freilich nicht, aber die Feststellung, dass es sich um die älteste noch erhaltene Räucherkate im Kreis Ostholstein handelt, zweifelt niemand an.

Bis 1967 wurde das reetgedeckte Kleinbauernhaus als Räucherei genutzt. Heimatgeschichtlich engagierten Bürgern mit Hanns Zimmermann an der Spitze gelang es, die Kate vor dem Abriss zu bewahren. Sie wurde 1969 von der Marktstraße, Ecke Godenbergstraße, zu ihrem heutigen Standort in der Sebastian-Kneipp-Straße versetzt. Das übernahmen Pioniere der Bundeswehr aus Plön, deren Fünf-Seen-Kaserne es seit 1996 nicht mehr gibt.

Die Tews-Kate ist hingegen bis heute, was sie 1970 am neuen Standort wurde: Heimatmuseum, um dessen Betrieb sich der Heimat- und Verschönerungsverein kümmert. Haus- und landwirtschaftliche Geräte sowie Möbel vermitteln einen Blick in eine vergangene ländliche Arbeits- und Lebenswelt. Eines der ältesten Exponate dürfte ein Dampfdrucktopf von 1700 sein. Die Wäschemangel stammt von 1837, die Miele-Waschmaschine wurde Anfang des 20. Jahrhunderts konstruiert, und eine Milchzentrifuge erinnert an die Meierei.

Etwa 200 Jahre alt ist ein Bett, das in der Kate stand
und – trotz seiner geringen
Größe – einem Erwachsenen als Schlafstätte diente. Früher wurde sitzend geschlafen. Eine Kochkiste half schon um 1930 beim Energiesparen, und noch neu im Bestand ist das um 1900 genähte Taufkleid einer Malenterin.

Als erster urkundlich erwähnter Besitzer der Tews-Kate wird um 1750 ein Kätner Quistorp genannt, danach Jochim Hinrich Ivens genannt. 1796 heiratete der Weber Carl Hinrich Tews aus Bosau Ivens Stieftochter und wurde so Besitzer der Kate, die Nachkommen blieben bis um 1900 dem Weberhandwerk treu, bevor Ernst Tews auf dem Grundstück eine Gärtnerei gründete. Die Familie Tews behielt das Anwesen, bis es 1967 verkauft wurde.

Die Tews-Kate hat keinen Schornstein, und das ist typisch für Räucherkaten. Bis 1967 wurden in dem Haus Schinken und Mettwürste geräuchert. Besucher können gut erkennen, so einst die Fleischwaren hingen.

Bei aller Romantik: Menschen, die in einer Räucherkate lebten, hatten kein
leichtes Schicksal. Sie selbst und alle ihre Kleidungs-
stücke verströmten einen strengen Geruch. Außer-
dem ist das Leben und Schlafen in einer stets rauchgeschwängerten Luft kein Vergnügen.

Wer die Tews-Kate besichtigen möchte, muss ein bisschen warten: Sie ist von Ostern bis Mitte Oktober täglich außer montags von 14 bis 17 Uhr geöffnet

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erstellt am 11.Dez.2016 | 17:34 Uhr

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