Haus-Flohmarkt lässt Malente aufleben

Freuten sich über Nachbarschaftskontakte: Thomas und Sabine Meissner.
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Freuten sich über Nachbarschaftskontakte: Thomas und Sabine Meissner.

Veranstaltung der Wirtschaftsvereinigung mit über 200 Ständen erfreut nicht nur Schnäppchenjäger, sondern bringt auch Nachbarn näher zusammen

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07. Juni 2014, 20:01 Uhr

Die Frau, die sich gerade hingesetzt hat, um ein Stück Kuchen zu essen, staunt: „Das ist überall“, sagt sie zu ihren Begleitern und meint die Stände auf dem 2. Haus- und Gartenflohmarkt am vergangenen Sonnabend, den die Wirtschaftsvereinigung Malente (WVM) organisiert hat. Im Rothensander Weg haben sich gleich über 20 Nachbarn zusammengeschlossen, um ein kleines Straßenfest zu feiern. Neben typischen Flohmarktartikeln wie Geschirr und Kinderspielzeug, aber auch Ausgefallenerem wie einem Kanonenofen von 1870 gibt es Gulaschsuppe sowie Kaffee und Kuchen.

Flohmarktstände finden sich aber tatsächlich in dutzenden Straßen und auch in einigen Dorfschaften. So belebt wie an diesem sonnigen Sonnabend ist Malente selten. „Eine Klasse Idee. Hier ist so richtig Leben“, findet Bürgermeister Michael Koch, als er an einem Stand in der Bahnhofstraße Halt macht. Er freut sich, dass die Malenter Spaß haben und miteinander ins Gespräch kommen. „Und das alles ohne Standgebühr“, fügt Koch hinzu.

Dass sie nichts für einen Stand zahlen muss, zählt auch Meike Greggersen zu den Vorzügen des Flohmarkts: „Da kann ich ohne Risiko etwas hinstellen.“ Gelohnt hat sich der Stand damit schon am frühen Vormittag: „Drei Kinderfahrräder waren schon um 10 Uhr verkauft“, berichtet ihr Vater Eckhard Gatzke.

Ein Stückchen weiter hat Daniela Schneider mit ihrem Sohn Felix einen Stand aufgebaut. Auch hier wurde schon einiges verkauft, der Sechsjährige will das Geld gleich wieder anlegen: „Ich brauch nur noch vier Euro, dann kann ich mir eine Eule kaufen“, verrät er. Er meint die Stofftiere, die die Nachbarin am Nebenstand verkauft.

Nicht ver-, sondern kräftig gekauft haben dagegen Thomas und Sabine Meissner. Tupperware und eine Aufschnittmaschine füllen den Handwagen, den sich der 42-jährige Koch der Jugendherberge Plön eigens besorgt hat, um nicht mit dem Auto auf Tour gehen zu müssen. Die Schneidemaschine ist ein echtes Schnäppchen: „Die kostet im Handel 49 Euro, jetzt hab ich sie für fünf Euro bekommen“, freut sich Meissner. Doch der Flohmarkt gefällt ihnen noch aus einem anderen Grund: „Wir haben schon sehr nette Nachbarn kennengelernt, die wir sonst nur im Vorbeigehen gegrüßt haben“, berichtet Meissner. Das macht offenbar einen Teil der entspannten Atmosphäre dieser Veranstaltung aus.

Andrea Zander ist mit ihrer Schwester Sabine Kada an einem Stand in der Godenbergstraße beteiligt: „Die Sachen nur aus der Garage raus, kurze Wege, keine Standgebühr“, bringt sie die Vorzüge des Malenter Flohmarktkonzepts auf eine Formel. Und wer beim Stöbern hungrig wird, bekommt hier auch noch eine Bratwurst.

Große Mengen an Kinderspielzeug haben Uwe Löwe, seine Frau Eva und Alexandra Einfalt aus Krummsee direkt neben der Malenter Grundschule ausgebreitet. „Es gibt wieder Fleisch auf den Tisch, die Geschäfte laufen gut“, scherzt Löwe. Die Kinder seien mittlerweile groß, nun müsse der Keller leergemacht werden, erläutert der Schul-Hausmeister.

Etwas verhaltener als im Hauptort scheint die Nachfrage auf den Dorfschaften zu sein, jedenfalls in Neukirchen, das neben Malkwitz, Benz, Söhren und Krummsee ebenfalls dabei ist. Doch auch hier war schon etwas los: „Die Profis waren zuerst da“, berichtet Claudia Bonin, die mit Sven Fritzke und Cornelia Lorenzen an einem Stand an der Hauptstraße steht. Auch hier geht Kinderspielzeug besonders gut.

Dorfvorsteher Gerd Fritzke bedauert ein wenig, dass sich die Idee, alle Flohmarktstände am See zu konzentrieren, nicht habe umsetzen lassen. Doch die Kunden seien auch so zu den einzelnen Ständen in der Dorfschaft gekommen.

Wie viele Stände am Ende dabei waren, kann WVM-Vorsitzender Michael Kühn nicht sagen, doch deutlich über 200 seien es sicher gewesen. Die Leute seien in den Ort geströmt und hätten die herrliche Atmosphäre genossen. Kühn: „Damit haben wir erreicht, was wir wollten.“

Erfolgreich war der Flohmarkt schließlich auch für den Heimat- und Verschönerungsverein, der aus Platzgründen einen neuen Eigentümer für ein Modell seiner Thomsen-Kate suchte. „Ganz zum Schluss, wir waren schon beim Abbauen, kam eine Dame“, berichtete Kassenwart Rüdiger Lamb. Die Frau hatte im „Ostholsteiner Anzeiger“ von dem Angebot gelesen. Gegen eine Spende bekam sie das Modell. Dies soll nun als Vogelhaus in einem großen Garten seinen Platz finden.

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