zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

15. Dezember 2017 | 17:37 Uhr

Happy Birthday – Gelukkige Verjaarsdag

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Wie die Zeit vergeht – registriert auch Franziska Nagel aus Hutzfeld. Der größte Teil ihres Freiwilligendienstes im südafrikanischen Hermanus ist schon vorbei. Und ganz viele Dinge des alltäglichen Lebens findet sie schon ganz normal.

von
erstellt am 25.Apr.2017 | 11:11 Uhr

Happy Birthday, Gelukkige Verjaarsdag, Imini emandi kuwe: Das bedeutet „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“ auf Englisch, Afrikaans und Xhosa. In diesen drei Sprachen wurde meinem Hauskind Jamie zu ihrem 20. Geburtstag gesungen – ein Ereignis, auf das sie schon wochenlang hingefiebert hat.

Dieser Tag wurde natürlich auch gebührend gefeiert: Am Nachmittag sind Jamie, Miriam (Jamies andere Freiwillige) und ich zusammen an den Strand gefahren. Dort haben wir ein Picknick gemacht, waren mit den Füßen im Wasser und haben ganz viel herumgealbert. Mit der Zeit wurde Jamie aber immer aufgeregter, denn am Abend wartete der Höhepunkt ihres Tages: Ein Besuch im Restaurant „Fabios“.

Schon einige Stunden vorher hat Jamie immer wieder nachgefragt, wann wir denn endlich zu Fabios fahren. Als es dann soweit war, war sie die ganze Zeit total glücklich, saß strahlend im Restaurant und hat mit ihrer fröhlichen und niedlichen Art ganz nebenbei auch noch die Herzen der Bedienungen im Sturm erobert.

Ende März war das erste Quartal des Schuljahres auch schon wieder um und die Ferien haben begonnen. Vorher stand aber noch eine ganz besondere Veranstaltung an: das „end of term concert“. Dabei präsentiert jede Klasse sowohl ein paar Lieder als auch eine Aufführung in Eurythmie.

Die meisten Menschen, die nicht mit Waldorfpädagogik vertraut sind (wie auch ich bis vor einem Jahr), verbinden das Wort Eurythmie eigentlich nur mit „Namen tanzen“. Das ist natürlich auch eine mögliche Umsetzung, genauer gesagt werden bei Eurythmie aber Sprache oder Musik durch Bewegungen ausgedrückt.

Die höheren Klassen unserer Schule zeigen bei den Aufführungen zum Beispiel Bewegungen zu einem bestimmten Musikstück oder einem Gedicht, die sie in den wöchentlichen Eurythmiestunden erarbeitet haben. In unserer Kindergartengruppe läuft es leider nicht ganz so reibungslos ab, sondern endet immer in einem mittelschweren Chaos.

Es beginnt schon damit, dass ein Drittel der Kinder generell keine Lust auf Eurythmie hat und von Anfang an streikt. Ein weiteres Drittel nutzt den großen Raum, in dem die Eurythmie stattfindet, lieber, um wild umherzurennen und zu toben. Der Rest der Kinder macht (zumindest nach Aufforderung) die einzelnen Bewegungen mehr oder weniger mit.

Die einzige Übung, bei der alle mitmachen, ist der Ausdruck „the river is very fast“, bei der die Kinder theoretisch geordnet im Kreis rennen und mit den Armen ein „r“ darstellen sollen. Hierbei rennt auch die ganze Gruppe sehr motiviert los, die Ordnung ist allerdings spätestens nach einer halben Runde in ein unkontrolliertes Wettrennen übergegangen, bei dem auch die „r-Bewegung“ irgendwo auf der Strecke geblieben ist. Wir brauchen dann anschließend ein paar Minuten, um die Kinder wieder „einzufangen“ und in den Kreis zurückzubringen, aber wenigstens haben alle mitgemacht und hatten Spaß. Nach dem Konzert konnten wir dann auch in den wohlverdienten Urlaub starten. Diese Ferien waren für mich etwas ganz Besonderes, denn meine Mutter hat mich besucht und als „Verstärkung“ jeweils eine Freundin für sich und für mich mitgebracht. Von Kapstadt aus sind wir die Garden Route entlang gereist und am Ende in Hermanus angekommen. Es ist schon ein tolles Gefühl gewesen, meinen Besuchern aus der Heimat den Ort zu zeigen, der in den letzten acht Monaten ein zweites Zuhause für mich geworden ist.

Dabei ist mir auch aufgefallen, dass ich mich inzwischen an viele Dinge in diesem Land gewöhnt habe und mir Einiges, was meinen Besuchern als ungewohnt erschien, gar nicht mehr auffällt. Am deutlichsten wurde das wohl beim Autofahren, denn links fahren ist nicht unbedingt mit links gemacht und ab und zu war noch einmal eine kleine Erinnerung an die richtige Straßenseite nötig. Oder wenn ich an die Aufregung im Wagen beim ersten „Wildwechsel“ denke, dabei querte lediglich eine Schildkröte die Fahrbahn. Ein weiterer ungewohnter Aspekt ist, dass in Südafrika vielerorts mehr Menschen beschäftigt werden als theoretisch nötig, um zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Die Arbeitslosenquote liegt hier bei über 26 Prozent. Besonders auffällig ist dies bei Baustellen, denn dort gibt es neben vielen Baustellenmitarbeitern auch Helfer, die durch das Schwenken einer Fahne die Autofahrer auf die Baustelle aufmerksam machen oder die mit Hilfe eines Stopp-Schildes den Verkehr auf der einspurigen Fahrbahn regeln, ein Job, der in Deutschland meist von Ampeln übernommen wird.

Aber auch in anderen Bereichen wird versucht, den Menschen eine Arbeit zu geben, so gibt es zum Beispiel in Supermärkten Mitarbeiter, die die Einkäufe einpacken, und an jeder Tankstelle gibt es mehrere Tankwarte. Am Anfang ist es schon ziemlich seltsam, diese Dinge, die man ja normalerweise selbst erledigt, anderen Menschen zu überlassen, aber natürlich finde ich es sehr positiv, dass auf diese Weise zumindest einige Menschen eine Arbeit bekommen.

Auch abseits des Straßenverkehrs muss man sich hier ein bisschen umgewöhnen, zum Beispiel wenn man das Wort „Wanderweg“ liest und dabei automatisch an einen ausgebauten und gut begehbaren Weg denkt. In Montagu wurde uns gezeigt, dass offizielle Wanderwege auch etwas anders sein können, als wir es uns vorstellen: Dort führte uns ein schmaler Pfad durch einen etwa drei Meter hohen Schilfwald. Zwischendurch ging es auf Steinen und teilweise Sandsäcken über kleine Wasserläufe und ab und an konnte man einen Pavian schreien hören. Wir kamen uns ein bisschen vor wie bei einem Abenteuertrip durch den wilden Dschungel, aber keinesfalls im negativen Sinne, denn das Ganze war doch deutlich abenteuerlicher und naturbelassener als ein Spaziergang auf einem platten und gut ausgebauten Sandweg.

Im Urlaub ist die Zeit wieder wie im Flug vergangen und ehe ich mich versah waren meine drei Besucher schon wieder auf dem Weg nach Deutschland. Mit dem Ende der Ferien beginnt für mich auch das letzte Schulquartal an der Camphill School. Ich kann gar nicht glauben, dass der Großteil meines Jahres hier schon um ist – ein Grund mehr also, die kommende Zeit mit den Kindern noch einmal besonders zu genießen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen