Lübeck : Hanse-Historiker Rolf Hammel-Kiesow gestorben

Rolf Hammel-Kiesow lebte seit 1978 in Lübeck.
Rolf Hammel-Kiesow lebte seit 1978 in Lübeck.

Der Motor des Europäischen Hansemuseums wurde 72 Jahre alt.

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12. April 2021, 12:10 Uhr

Lübeck | Seine Herkunft blieb nicht verborgen: Rolf Hammel-Kiesow, international renommierter und vernetzter Hanse-Historiker, Honorarprofessor am Historischen Seminar der Universität Kiel, Motor bei der Entstehung des Europäischen Hansemuseums, lebte seit 1978 in Lübeck, doch das Schwäbische trug der 1949 im Stuttgarter Bezirk Bad Cannstatt Geborene auf der Zunge. Wer etwas über die Hanse wissen wollte, fragte am besten ihn. Nach langer Krankheit ist er am Karfreitag im Alter von 72 Jahren in Lübeck gestorben.

Die historische Hanse hatte schon den Schüler interessiert, der folgerichtig nach dem Abitur in Heidelberg Geschichte studierte und dort auch promoviert wurde. Nach Lübeck kam Hammel-Kiesow zunächst ins Amt für Vor- und Frühgeschichte, wechselte in die Denkmalpflege, wurde 1993 schließlich Leiter der Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums (FGHO) und zugleich stellvertretender Leiter des Archivs der Hansestadt mit dem Schwerpunkt „Geschichte der Hanse und des Ostseeraums“. Darüber hinaus war er ehrenamtlich u. a. als Vorsitzender des Hansischen Geschichtsvereins aktiv. Seine Publikationen sind Standardwerke und obendrein „publizistisch angenehm“, wie bei Hammel-Kiesows Verabschiedung in den Ruhestand vor fünf Jahren launig vermerkt wurde – ein Festakt im standesgemäßen Rahmen des Europäischen Hansemuseums, bei dem hochrangige Referenten sich mit dem Herzensthema des Geehrten beschäftigten: der historischen Hanse.

„Lübeck verdankt und schuldet Ihnen ungeheuer viel!“

Dass die in Lübeck das größte Museum überhaupt bekommen hat, wäre ohne Rolf Hammel-Kiesow so bald und so eindrucksvoll kaum geschehen. Er, Kenner und Hüter der städtischen Schätze zu diesem Thema, bohrte, redete, begeisterte für die Idee und war federführend für das wissenschaftliche Konzept eines Hauses, das bis zur Traufe voll ist mit Wissen und Unterhaltungswert. „Lübeck verdankt und schuldet Ihnen ungeheuer viel!“, hatte die ehemalige Kultursenatorin Kathrin Weiher Hammel-Kiesow einst versichert.

Und überhaupt: Ruhestand! Solange es seine Kräfte zuließen, war der passionierte Geschichte-Erzähler weiterhin da, wenn man ihn fragte. Und diesen freundlichen, warmherzigen Menschen fragten viele.

„In unendlicher Dankbarkeit nehmen wir Abschied von unserem Freund, Kollegen und Mentor Rolf Hammel-Kiesow“, formuliert es zum Beispiel Angela Ling Huang, Hammel-Kiesows Nachfolgerin in der FGHO-Leitung, in einer der vielen Traueranzeigen.

„Das kostbarste Vermächtnis eines Menschen ist die Spur, die seine Liebe in unseren Herzen zurückgelassen hat“, schreibt seine Familie.

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