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Hans Libergs Gang durch die heiteren Seiten der klassischen Musik

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 26.Aug.2015 | 11:23 Uhr

„Tscha-Tscha-Tscha – Tschaikowsky“. Der holländische Musikkabarettist Hans Liberg war da und hat die klassische Musik und ihre Akteure auf die Schippe genommen.

Oder sind es doch eigentlich die gestrengen Rezipienten, die da lustvoll seziert werden? In Eutin wurden die vermeintlichen Schranken zwischen E (Ernst)und U (Unterhaltung) verwischt. Kurzum: Es wurde laut und viel gelacht, mit Zugabe und Pause fast drei Stunden lang.

Auf „cool“ reimt sich – na klar! – „schwul“. Dass Tschaikowsky, der Komponist, dem das Schleswig-Holstein Musik Festival in diesem Jahr seine Retrospektive widmet, homosexuell war, ist im homophoben Russland ein Problem und für Liberg ein Knochen, der benagt werden muss. Und während man sich noch fragen mag, ob das nicht eigentlich Stammtischniveau ist, findet man sich als Gast der Tafelrunde wieder, zu der Liberg gebeten hat; mitten auf dem Tisch sind die Kompositionen dieser Welt angerichtet, und die amüsierten Zuhörer erleben sich als Sättigungsbeilage; heißt: Wer lacht, tut es auch immer über sich selbst, weil er ertappt ist in seinen Vorlieben, Abneigungen, Vorurteilen, nicht nur den musikalischen, auch den sozialen.

Liberg ist ein Advocatus Diaboli in Sachen klassischer Musik. Die, „lang und nicht lustig”, könne so „unglaublich langweilig” sein, stöhnt er und hat das SHMF-Publikum damit gleich auf seiner Seite, spielt dieses und jenes Beispiel an und zeigt wieder, wie sich Bausteine (oder auch ganze Gebäude) dieser angeblich zu Noten gewordenen Langeweile in Rock, Pop, Jazz wiederfinden, Tschaikowskys Mittelteil des Capriccio Italien zum Beispiel beim 70er-Jahre-Schlager „Bianca“; kommt per Atacca (so der Titel seines aktuellen Programms) von Phil Collins „Groovy Kind Of Love“ zu Mozarts „Vogelhändler“ und zurück, mischt Beethovens 5. mit der Kleinen Nachtmusik und landet bei „Schnappi“, lässt das Publikum das „Alla Turca“ pfeifen und „Der Hölle Rache“ summen und zeigt die Virtuosität dieser Kompositionen quasi im Vorübergehen.

Es ist ein intelligenter Spaß, der sich da entfaltet, tatkräftig unterstützt von Remy Dielemans am Bass und Ralph Adriaansen am Schlagzeug. Liberg selbst, von Haus aus Pianist, spielt etliche weitere Instrumente, einige kommen zum Einsatz, das Alphorn zum Beispiel, und ausgiebig auch sein wichtigstes: die Stimme.

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