Handball mit allen Kindern

Gestern Nachmittag trainierten die Kinder des Handballsportclubs (HSC) Rosenstadt Eutin in der Sievert-Halle.
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Gestern Nachmittag trainierten die Kinder des Handballsportclubs (HSC) Rosenstadt Eutin in der Sievert-Halle.

Der HSC Rosenstadt baut die Modellregion „Mehr Inklusion für alle“ auf / Verein von Petra Stock im Bundeswettbewerb ausgewählt

shz.de von
12. Januar 2018, 14:49 Uhr

Die Stadt Eutin ist dank des HSC Rosenstadt Modellregion für das Projekt „Mehr Inklusion für alle“ (Mia). Das bundesweite Projekt des Deutsche Behindertensportverbands (DBS), gefördert durch die Stiftung „Aktion Mensch“, hat von 40 Projektbewerbungen zehn zu Modellregionen erklärt, darunter auch den Handball-Sportclub Rosenstadt. Mit der Nennung sind Beratungen durch den DBS und eine finanzielle Zuwendung in Höhe von 5000 Euro verbunden. Ziel ist es, regional eine vereinsübergreifende Arbeit nach dem „Index für Inklusion im und durch Sport“ des DBS zu schaffen, damit inklusive Sportlandschaften entstehen, wie der DBS auf der Projekt-Internetseite sagt.

„Wir haben gar nicht mehr damit gerechnet“, berichteten Trainerin Petra Stock und ihr Mann Uwe, die Initiatoren und Organisatoren des HSC Rosenstadt, gestern beim Training. Umso größer sei die Freude gewesen, als im Dezember der DBS über den Erfolg informierte. Sie hoffen auf Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, das Interesse der Stadt und einen jungen Menschen, der ab Herbst sein Freiwilliges Soziales Jahr beim Verein machen möchte. Petra Stock: „Den könnten wir von dem Geld bezahlen.“

Seit 2014 trainiert Petra Stock (51) Kinder im HSC. Der Handball-Sportclub hat sich auf die Fahnen geschrieben, Kinder mit und ohne Einschränkungen gemeinsam zu trainieren.

Kim ist 13 Jahre alt, spielt inzwischen in der C-Jugend in Stockelsdorf, dennoch ist er noch beim HSC Rosenstadt dabei. Sein Vater Ernst Mollenhauer gehört zu den vier Ehrenamtlern, die Woche für Woche mehrmals in einer der Sporthallen stehen und insgesamt 42 Kinder trainieren.

Lex ist elf Jahre alt und Träger eines Hörgerätes. Das störe ihn gar nicht, sagt er, als er danach gefragt wird. Er höre alles. Mit seinem jüngeren Bruder kommt er jede Woche zum Training. Am liebsten ist Lex Torwart, doch auch Tore zu werfen und in der Abwehr zu spielen mache ihm Spaß.

Der neunjährige Sönke spielt von Anfang an mit. Den Ball zu prellen, Tore zu werfen, Bälle abzuwehren, habe er seit 2014 gelernt. „Es ist Leidenschaft. Der Teamgeist gefällt mir.“ Außerdem sei die Trainerin nett. Beim HSC spielen Jungen und Mädchen zusammen.

Die Teilnahme kostet je Kind monatlich 5 Euro. Es gilt die Bildungskarte oder gibt gegebenenfalls andere Fördermöglichkeiten. Wer der typischen Altersklasse des Landessportverbands (LSV) nicht entspricht, für den kann der Verein eine Einstufung in eine andere Altersgruppe beantragen. So spielt Petra Stock zufolge eines der Kinder anstatt in der D-Jugend (elf bis 13 Jahre) in der E-Jugend (neun bis elf Jahre).

Die Trainerin, die im Sommer vom LSV zur Botschafterin für die Initiative „Kein Kind ohne Sport“ ernannt worden war, entwickelte das inklusive Konzept und baute das Angebot des HSC 2014 auf. „Es kann nicht sein, dass Menschen körperlich oder sozial ausgegrenzt werden“, erklärte sie ihre Motivation.

Unabhängig vom Mia-Projekt hatten sich, dank des Kontakts zu zwei Lehrerinnen
der Gustav-Peters-Schule und Schule am Kleinen See, erste Arbeitsgruppen und Angebote wie das Kleinfeldturnier „Zwergencup“ ergeben. Ähnliches sei in Zusammenarbeit mit dem LSV für den
25. Mai vorgesehen, berichtete Petra Stock. An diesem Aktionstag werden gemeldete Schulklassen viele Sportarten ausprobieren können. Das vorgesehene Handballturnier könnte allerdings scheitern, weil nach Aussage der Trainerin keine der Hallen in Eutin behindertenfreundliche Toiletten hat. Der LSV bemühe sich um mobile barrierefreie Einheiten.

Die Zusammenarbeit mit den Schulen ist für Petra Stock nicht nur inhaltlich wichtig, wie sie sagt. „Wir würden als kleiner Verein ansonsten kaum Hallenzeiten bekommen.“

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