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Hagen: „Wir akzeptieren die Entscheidung“

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Hans-Wilhelm Hagen will als designierter Vorsitzender der Eutiner Wirtschaftsvereinigung den Dialog mit Stadt und Politik pflegen und nicht polarisieren.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 00:46 Uhr

Vor der Eutiner Wirtschaftsvereinigung liegt heute ein spannender Sitzungsabend: Zwei Vorstandsposten müssen neu besetzt werden und Hans-Wilhelm Hagen, der designierte Vorsitzende als Nachfolger von Klaus Hoth, steht zur Wahl. Die Gründer der Bürgerinitiative zum Erhalt der Innenstadt – sind WVE-Mitglieder – und wollen eine klare Position der WVE zu ihrem Bestreben, die von der Stadt geplante Sanierung der Peterstraße zu stoppen. Der Ostholsteiner Anzeiger sprach vorab mit Hans-Wilhelm Hagen, der vor der Sitzung unterwegs war, um Interessierte für den Vorstand zu werben.

Warum sind Sie der Richtige für den Job des Vorsitzenden? Sie sind Ende 2016 in den Ruhestand gegangen, bisher waren die Vorsitzenden immer aktiv im Geschäft.

Hagen: Ich bin seit 25 Jahren im Vorstand und da hat man mich einfach gefragt, ob ich den Posten in dieser Phase übernehmen will.

Und wollen Sie?

Sonst hätte ich mich nicht bereit erklärt. Aber wir müssen schauen, welches Bild sich Dienstag abzeichnet, wie die anderen Vorstandsposten besetzt werden und wie die Antwort auf die Frage zur Bürgerinitiative läuft. Es gibt viele Themen, die wichtig sind. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir eine Arbeitsteilung hinbekommen im Vorstand. In der Vergangenheit sind feste Treffen und Verabredungen mit Politik immer mal nebenher gelaufen. Aber dafür sind die Themen einfach zu wichtig, wir müssen strukturierter arbeiten. Ich hoffe, dass es mir gelingt, da drei feste Termine im Jahr zu vereinbaren, an denen wir uns zusammensetzen und über wichtige Themen sprechen.

Sehen Sie sich derzeit als Bittsteller?

Nein, aber wir haben öfter versucht Termine zu finden und das gestaltete sich schwierig. Deshalb schweben mir ja feste Termine vor, in denen wir beispielsweise auch von Experten in verschiedenen Themen gebrieft werden. Es ist wichtig, da jetzt Vertrauen reinzubekommen. Die Politik in Eutin hat sich viel vorgenommen. Aber wir sind ja kein Kulturverein, sondern bei der WVE geht es um Arbeitsplätze. In die Treffen mit Verwaltung und Politik müssen wir mehr Fachlichkeit reinbringen auch in die Vorbereitung von Beschlüssen.

Hätten Sie dabei gern ein Mitspracherecht?

Ich würde eher sagen, diejenigen, die es tun, müssen auch sehen und verstehen, was sie da machen. Unsere Aufgabe ist hinzuschauen, welche Struktur verändert sich in Zukunft im Einzelhandel und auch während oder durch die Stadtsanierung. Da gibt es Experten, die sagen, wohin die Entwicklung geht. Online war vor drei Jahren noch nicht so stark, wie jetzt.

Aber der Online-Handel nagt auch nicht erst seit drei Jahren an den Umsätzen.

Nein, aber was soll ein Einzelhändler machen, wenn er seinen Laden gerade allein oder mit zwei Angestellten führt. Da ist er doch mit Online überfordert. Große Geschäfte wie LMK haben da ganz andere Möglichkeiten. Das ist auch eine der Aufgaben von uns als Vereinigung, aufzuzeigen, welche Chancen wir künftig gegen Amazon haben.

Wie stehen Sie zur Stadtsanierung als WVE?

Die Sanierung finde ich schon gut – auch das wir weitermachen. Aber wir müssen schauen, welche strukturellen Veränderungen auf uns zukommen. Und mit Blick darauf fände ich es besser, dass wir vorher drüber nachdenken, mit welchen auch baulichen Maßnahmen wir dem entgegen treten können. Da geht es nicht darum, wie sich Stadt verändert, wenn sich Einzelhandelsflächen verändern.

Sind sie mit ihrer Rolle als Baustellenmanager zufrieden am Planungstisch zur Sanierung der Peterstraße, wie Stadt sie plant?

Das läuft ganz professionell ab. Wenn wir da sind, Thomas Menke und ich, sind wir ja nicht mehr auf dem Weg, dass wir es verhindern wollen, sondern wir wollen schauen, wie wir das Beste daraus machen. Es ist unser Ansinnen, dass wir im Gespräch bleiben, um mitzuwirken. Wir nehmen jetzt die politische Entscheidung hin.

Aber Sie haben sich bisher nicht klar gegen die Bürgerinitiative positioniert.

Wir glauben, dass die Sanierung, wie sie jetzt stattfindet, nicht ausreicht. Es ist ja kein Alleinstellungsmerkmal, einfach nur ein neues Pflaster reinzulegen. Davon erhöht sich die Frequenz der Kunden auch nicht. Es braucht mehr. Da hätte ich mir gerne eine Pause gewünscht, um einmal die Strukturveränderungen anzusprechen und dann vielleicht auch Veränderungen zu erreichen, dass man nicht so tief reingeht.

Also doch lieber die Sanierung verhindern?

Vielleicht macht man nur eine obere Reparatur und macht jetzt die Straßen, die wichtiger sind. Der Rosengarten ist aus meiner Sicht dringender, aber da gibt es innerhalb der WVE ganz unterschiedliche Meinungen. Würden wir den Rosengarten vorziehen, hätten wir Zeit für die Diskussion um die Peterstraße.

Aber dann wäre es doch auch nur zeitlich verschoben.

Aber wir hätten Zeit gewonnen, um uns zu informieren, was in den jüngsten Jahren passiert ist. Man muss sich doch fragen, ob eine Stadt wie Eutin es braucht, so einen Druck auszuhalten, wie gerade. Ich versuche eher auszugleichen und nicht zu polarisieren. Vielleicht muss man es jetzt auch so machen, weil man es einmal entschieden hat und als Stadt und Politik nicht mehr da raus kommt.

Was kam bei ihrem Versuch in Kiel heraus, die Fördergelder für Ihre gewünschte Denkpause auf Eis zu legen?

Es hieß, wir sollen das im Konsens versuchen. Aber ich glaube nicht, dass die Fördergelder verloren gegangen wären.

Dann sind sie doch nicht für einen Beginn im Mai?

Wir akzeptieren die politische Entscheidung und versuchen das Beste daraus zu machen. Ohne Pause müssen wir Analyse und Strukturveränderungen parallel zu begleiten. Es hat ja auch keinen Sinn, dagegen Sturm zu laufen.

Ist das ein Satz in Richtung Bürgerinitiative?

Nein, das würde ich nicht sagen. Die BI ist ein demokratisches, legitimes Mittel. Aber ich würde es nicht als WVE machen, sondern immer als Innenstadt-Initiative. So haben wir es letztlich auch gehandhabt, als damals die „Grüne Wiese“ entstanden ist. Die WVE hält sich als ganzes raus und versucht sich zu positionieren und zu reklamieren – alles weitere soll die Initiative machen.

Mit WVE-Vorstandsmitgliedern?

Das kann ich ja nicht verhindern, das war damals auch so. Die WVE soll als Ganzes weiter ihre Aufgabe erfüllen, sich aber nicht in das Spannungsfeld begeben. Wenn eine Seite es für essenziell empfindet, die Sanierung zu verhindern, dann sollen sie das als Initiative machen. Deshalb treten sie ja nicht aus der WVE aus. Dann ist es auch nicht schlimm, wenn sich eine Innenstadt-Initiative mit Mitgliedern aus der WVE als BI formiert, aber wir bringen keinen Spalt in die WVE.

Meinen Sie nicht, dass die WVE längst gespalten ist?

Nein, das würde ich noch nicht sagen.

Aber es gibt doch jetzt schon Befürworter und deutliche Gegner für BI und für Sanierung und jeder erwartet eine klare Positionierung.

Wir sind nicht mit allem einverstanden, aber wir versuchen den Dialog weiterzugehen, weil wir glauben, dass das erfolgreicher ist, als jetzt die Türen zuzuschlagen. Trotzdem kann ich sagen, dass ich als Politiker jetzt eher eine Pause einlegen würde, als es durchzuziehen. Das Thema bewegt die Menschen, das muss ich als Politiker doch sehen. „Augen zu und durch“ wäre eine mögliche Reaktion aber genauso könnte man über die anderen Argumente nachdenken. Auf der anderen Seite sind wir alle voneinander abhängig Man muss seine Meinung sagen können, ohne dass es Einflüsse gibt wie „bei dir kauf ich nicht mehr“. Wir brauchen als WVE den gemeinsamen Nenner, können aber unterschiedlicher Meinung sein. Und die wichtigste Frage jetzt muss sein: „Wie kriegen wir das gemeinsam hin?“ Ich bin gespannt.

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