Haftstrafe für Brandstiftung

Schöffengericht verhängt ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung gegen eine 45-jährige Eutinerin

shz.de von
20. Mai 2015, 14:52 Uhr

Die Urteilsfindung am Eutiner Amtsgericht dauerte außergewöhnlich lange. Das Ergebnis der Beratung war dann aber sehr klar. Wegen versuchter schwerer Brandstiftung hat das Schöffengericht eine 45-jährige Eutinerin zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. „Wir haben uns das hier nicht leicht gemacht“, erklärte der Vorsitzende Richter Otto Witt in der Urteilsbegründung. Aber: „Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass Sie eine versuchte schwere Brandstiftung begangen haben“, sagte er zu der Angeklagten, die vor Polizei und Gericht fast durchgängig geschwiegen hatte.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte die mittlerweile an einem anderen Ort lebende Eutinerin im Juli 2013 in dem von ihr selbst bewohnten Mehrfamilienhaus mit 14 Mietern ein brennendes Teelicht an eine Dachschräge auf dem Dachboden gestellt. Eine Nachbarin bemerkte die Tat jedoch rechtzeitig (wir berichteten).

In Strafmaß und Begründung folgte das Gericht dem Antrag des Staatsanwalts. Der sah die Anklage durch die Beweisaufnahme bestätigt, während Verteidiger Andre Vogel einen Freispruch verlangte. Der Prozess hatte am vergangenen Mittwoch begonnen und war gestern fortgesetzt worden.

Zum Verhängnis wurden der Frau DNA-Spuren am Teelicht. Hier hakte Verteidiger Andre Vogel ein. Er bezweifelte, dass sich noch ein genetischer Fingerabdruck auf dem Wachs des Teelichts finden lasse, wenn dieses vollständig flüssig gewesen sei. Daher müsse die Angeklagte das Teelicht erst nach der Tat angefasst haben.

Dabei konnte sich Vogel auf die Aussage eines gestern gehörten Sachverständigen für forensische DNA-Analysen am Landeskriminalamt Kiel berufen. Der hatte zwar erklärt, DNA-Spuren seien wenig hitzeempfindlich und fänden sich an Brandorten sogar unter Rußschichten. Doch halte er es für unwahrscheinlich, dass sich nach einer Verflüssigung auf dem Wachs noch DNA-Spuren fänden.

Vogel wies in seinem Plädoyer erneut darauf hin, alle Ermittlungen gegen seine Mandantin auch in anderen Fällen von Brandstiftungen seien im Sande verlaufen. „Man kann es ihr nicht nachweisen, weil sie es nicht gemacht hat.“ Zwar ließ Witt durchblicken, dass auch das Gericht nicht völlig frei von Zweifeln gewesen sei. Aber: „Die Zweifel sind nicht so gravierend, dass man sagen könnte: Wir haben durchgreifende Bedenken.“

Schließlich habe die Angeklagt nie behauptet, das Teelicht nach Entdeckung der Tat angefasst zu haben. „Wir können uns nicht jeden denkbaren Sachverhalt aus den Fingern saugen, um zu ermitteln: Wann haben Sie das Teelicht angefasst?“ Und der Gutachter habe die Überzeugung des Gerichts nicht ausgeschlossen. Hinzu komme, dass die Angeklagte versucht habe, ihre Schuld mit einem gefälschten Bekennerschreiben ihrer Schwester in die Schuhe zu schieben.

Zu den Auflagen der zweijährigen Bewährung zählt eine Geldstrafe von 500 Euro – zu zahlen an den Kinderschutzbund. Außerdem wird der Angeklagten ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Gemäß seiner Weisung muss sie sich einer therapeutischen Behandlung unterziehen. Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich.

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