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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 12:46 Uhr

Haft für Tritte gegen die Verlobte

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

32-jähriger Eutiner kassiert sechsmonatige Freiheitsstrafe. Da er unter Bewährung steht, drohen ihm nun mehrere Jahre Gefängnis

shz.de von
erstellt am 06.Jan.2016 | 00:32 Uhr

„Sie kümmert sich um ihn und sorgt dafür, dass er keine Straftaten begeht.“ So beschrieb Rechtsanwalt Andre Vogel gestern vor dem Eutiner Amtsgericht das Verhältnis zwischen seinem Mandanten und dessen langjähriger Verlobten. Doch bei der Tat, die verhandelt wurde, war die Frau machtlos – denn sie selbst war das Opfer. Vor Gericht berief sich die 32-jährige gelernte Einzelhandelskauffrau gestern trotzdem auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Dem Angeklagten nützte das nichts. Amtsrichterin Rakel verurteilte den 32-jährigen Eutiner wegen Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe – ohne Bewährung.

Am Tathergang Anfang Februar vergangenen Jahres hatte die Amtsrichterin keine Zweifel. Damals sei die Lebenspartnerin des Angeklagten um Hilfe schreiend auf die Lübecker Straße gelaufen, wie sich zwei ältere Eheleute vor Gericht übereinstimmend erinnerten. Beide seien in einen schmalen Gang gerannt, berichtete die 76-jährige Zeugin: „Da sah man, wie ein Mann eine Frau ohrfeigte, dann lief er hinter ihr her und hat noch einmal auf sie zugetreten.“ Dann seien sie verschwunden. Die von einem Dritten herbeigerufene Polizei wusste trotzdem gleich, wo sie suchen musste, denn sie hatte nicht das erste Mal mit dem Angeklagten und seiner Partnerin zu tun, die einen gemeinsamen dreijährigen Sohn haben. „Es ging da immer um Gewalttaten“, erinnerte sich ein Polizeihauptkommissar.

„Äußerst aufgebracht“ sei der Angeklagte die Treppe „runtergerauscht“, schilderte einer der drei beteiligten Polizisten an seine Ankunft in dem Haus. Die Frau habe ebenfalls aufgebracht, dazu verweint und mit zittriger Stimme auf der Treppe gesessen. Für Verteidiger Andre Vogel war dies allerdings nicht Beweis genug für die Täterschaft seines Mandanten. Denn die Zeugen konnten sich vor Gericht nicht einmal mehr ansatzweise an Täter und Opfer erinnern. Es könne sich auch um andere als den Angeklagten und seine Verlobte gehandelt haben, zeigte sich Vogel in seinem Plädoyer überzeugt. Der Angeklagte, der sich zum Vorwurf nicht äußern wollte, beteuerte in seinem Schlusswort in gebrochenem Deutsch seine Unschuld: „Wir hatten oft Streit, aber ich würde sie nie schlagen.“

Richterin Rakel war so nicht zu beeindrucken: „Ich bin überzeugt, dass Sie Ihre Frau geschlagen und getreten haben“, erklärte sie dem Angeklagten in der Urteilsbegründung. Dafür gebe es eine Reihe von Indizien, die keinen anderen Schluss zuließen. Die Richterin folgte mit dem Strafmaß der Forderung des Staatsanwalts.

Für den Angeklagten könnte der gestrige Urteilsspruch, sollte er rechtskräftig werden, gravierende Folgen haben. In den vergangenen Jahren war er unter anderem wegen Beleidigung, Bedrohung, gefährlicher Körperverletzung und räuberischer Erpressung vier Mal zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Nun drohen dem Mann nicht nur die sechs Monate Gefängnis, sondern gleich drei Jahre.

Doch damit nicht genug: Demnächst muss sich der schwer alkoholabhängige Eutiner vor dem Schöffengericht verantworten. Versuchte räuberische Erpressung lautet der Tatvorwurf.

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