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Eutin : Häusliche Gewalt: Beweise reichten nicht aus – Verfahren eingestellt

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein 48-jähriger Scharbeutzer soll seine Frau verprügelt haben. Sie selbst schwieg vor Gericht, glaubhafte Zeugen gab es auch nicht.

Am Ende der gestrigen Verhandlung in Saal A des Eutiner Amtsgerichts gab es bei den als Zeugen geladenen Polizeibeamten und der Staatsanwaltschaft lange Gesichter – ihre Beweise reichten nicht aus, um einen wegen gefährlicher Kör-
perverletzung angeklagten Frührentner zu verurteilen. Laut Anklage soll der bereits vorbestrafte 48-Jährige seine Ehefrau am Abend des 3. März auf einer kleinen Privatfeier in Scharbeutz mit Schlägen und Tritten erheblich verletzt haben. Zu belegen war dies trotz offensichtlicher Anzeichen jedoch nicht. Richterin Katrin Leinen blieb so letztlich nichts anderes übrig, als das Verfahren gegen Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 300 Euro einzustellen.

„Weitere Ermittlungen, etwa durch das Hinzuziehen zusätzlicher Zeugen, würden hier in meinen Augen zu keinem anderen Ergebnis führen“, befand die vorsitzende Richterin am Prozessende. Es sei folglich nicht abschließend zu klären, ob wirklich der Tatverdächtige für die Blessuren seiner Frau verantwortlich sei, auch wenn es nicht der erste Fall von häuslicher Gewalt bei dem Ehepaar gewesen wäre. Die Geschädigte verzichtete jedoch trotz ihrer am Tatabend erlittenen Blessuren, unter anderem Prellungen und eine leichte Gehirnerschütterung, auf eine Anzeige und sagte in der Verhandlung nicht gegen ihren Mann aus.

Weitere Zeugen, die am Abend des 3. März der privaten Feier beiwohnten, zeigten sich vor Gericht ebenso verschwiegen und wenig glaubhaft. „Ich bin irgendwann so gegen 19.30 Uhr auf der Couch eingeschlafen und erst wieder aufgewacht, als die Polizei schon im Zimmer stand“, erklärte ein 24-jähriger Freund des Ehepaares, warum er nichts von irgendwelchen Streitigkeiten auf der Party mitbekommen haben will. Ein zweiter Zeuge, der die Fete bei sich zu Hause veranstaltet hatte, war erst gar nicht zum Gerichtstermin erschienen. „Allerdings“, sagte Pflichtverteidiger Jan Weiss, „müsste die Güte seiner Aussagen ohnehin in Zweifel gezogen werden.“ Ein beim Eintreffen der Polizei noch vor Ort durchgeführter Alkoholtest ergab beim Gastgeber einen Wert von 3,36 Promille.

Die ebenfalls vor Gericht geladenen Beamten berichteten zuvor von einem heftigen Streit des Angeklagten mit der Geschädigten, den sie beim Betreten der Wohnung vernahmen. An dessen Ende warf die Frau ihrem Mann zudem vor, sie geschlagen zu haben. Da diese Äußerung wegen einer fehlenden Belehrung durch die Polizisten jedoch nicht als offizielle Zeugenaussage gewertet wird, konnte sie in dem Prozess auch nicht gegen den Angeklagten verwendet werden.

Die Unzufriedenheit war den Ordnungshütern nach der Verhandlung dann auch deutlich anzumerken. „Es ist für mich offensichtlich, dass alle hier geladenen Zeugen Angst vor dem Angeklagten hatten“, ärgerte sich einer der Zeugen. Daher habe sich letztlich eben auch niemand getraut, hier gegen ihn auszusagen, so die Vermutung des Zeugen.

 

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erstellt am 14.Okt.2014 | 12:07 Uhr

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