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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 11:10 Uhr

Hängebargshorst: Planung läuft an

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Land lehnt Nutzung der ehemaligen Reha-Klinik als Flüchtlingsunterkunft ab / Investor will betreutes Wohnen für Jung und Alt verwirklichen

shz.de von
erstellt am 28.Sep.2015 | 16:57 Uhr

Der Vorschlag kommt seit Monaten immer wieder auf. Die ehemalige
Reha-Klinik Hängebargshorst in Krummsee könnte als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden. Ahmad Djabbari-Hagh, der die 178-Betten-Klinik 2011 von der Rentenversicherung Nord erworben hatte, habe diese Idee bereits vor neun Monaten an das Land herangetragen, berichtet Jens Wollschläger. Er ist Leiter Organisation der Holge S-Holstein, deren Eigentümer der in Hamburg-Winterhude wohnende Projektentwickler Djabbari-Hagh ist. Doch das Land lehnte ab.

„Eine Nutzung ist wegen erheblicher Baumängel abgelehnt worden“, erklärte Oliver Pohl, Sprecher der
für die Flüchtlingsunterbringung zuständige Abteilung im Landespolizeiamt Kiel. Wollschläger kann die Haltung der Behörden nachvollziehen. Wenn diese selbst über eigene leerstehende Immobilien verfügten, sei es nachvollziehbar, dass diese zuerst genutzt würden.

Für die Gemeinde Malente ist Hängebargshorst ebenfalls keine Option als Flüchtlingsunterkunft. Diese sei aufgrund ihrer Dimension von der Gemeinde nicht zu betreiben, sagte Koch. Nach gegenwärtigem Stand, der aber wahrscheinlich noch nach oben zu korrigieren sei, müsse die Gemeinde in diesem Jahr insgesamt 101 Flüchtlinge aufnehmen. Davon würden noch 56 erwartet. Bislang habe die Gemeinde noch private Vermieter gefunden. Allerdings würden nun auch Überlegungen angestellt, eine Immobilie zu kaufen und außerdem Wohnungen auf Vorrat anzumieten, sage Koch. „Die entstehenden Kosten muss die Gemeinde natürlich übernehmen.“

Zuletzt machte die bis 2006 genutzte Reha-Klinik Hängebargshorst vor gut einem Jahr Schlagzeilen, weil Brandstifter dort Feuer gelegt hatten. Drei Beschuldigte im Alter von 21 bis 24 Jahren müssen sich voraussichtlich am 9. Dezember vor dem Eutiner Amtsgericht für die Tat verantworten. Die Feuerwehr hatte damals alle Mühe, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Die Flammen hatten sich in einer Zwischendecke des Südflügels eingenistet. Der Brandschaden sei mittlerweile durch eine Fachfirma behoben, berichtet Wollschläger. Um weiterem Schaden vorzubeugen, sähen ein Hausmeister und ein Wachdienst in unregelmäßigen Abständen nach dem Objekt.

In der Klinik befindet sich kaum noch Mobiliar. Zahlreiche Gegenstände, von Betten über Stühle und Tische bis hin zu Röntgengeräten, seien in Containern nach Tacloban auf den Philippinen verschifft worden, wo nach einem verheerenden Taifun im November 2013 dringender Bedarf bestanden habe, sagt Wollschläger. Lediglich die Einrichtung des Restaurants sei noch vorhanden, ebenso wie die Großküche, die auf mehrere 100 Besucher ausgelegt sei. Für sie sucht Wollschläger noch einen Käufer.

Der Organisationsleiter kündigte an, dass nun die Pläne für Hängebargshorst vorangetrieben werden sollten. Vor etwa drei Wochen sei der zuständige Architekt beauftragt worden, zügig einen überarbeiteten Plan vorzulegen. Im Oktober solle Klarheit herrschen, wie es bautechnisch vorangehen solle, um dies auch mit den Behörden weiter abstimmen zu können. „Djabbari-Hagh wird die Geschichte nicht loslassen wollen“, zeigt sich Wollschläger überzeugt. Immerhin habe er das Klinikgelände damals in einem
Bieterstreit erworben.

Bereits nach dem Brand hatte Wollschläger angekündigt, dass auf dem 12,5 Hektar großen Klinikgelände, auf dem Gebäude mit einer Bruttoraumfläche von 19  000 Quadratmetern stehen, eine Form des hochwertigen betreuten Wohnens für 70 bis 100 Menschen verwirklicht werden solle. Er sprach damals von „Community Living“, einem Zusammenleben von Jung und Alt, flankiert von Einkaufsmöglichkeiten, Café und Fahrdienst.

Abstriche macht Wollschläger nun an der zunächst genannten Investitionssumme von 37 Millionen Euro. Diese werde voraussichtlich niedriger ausfallen, aber mit Sicherheit immer noch im zweistelligen Millionenbereich liegen. Einen Zeithorizont für die Umsetzung der Pläne will Wollschläger lieber nicht nennen. „Da bin ich ein gebranntes Kind aus dem Harz.“ Dort plant Djabbari-Hagh in St. Andreasberg den Umbau der ehemaligen Rehberg-Klinik zu einem Rehberg-Resort mit 140 Luxus-Suiten, betrieben vom der Kempinski-Gruppe. Die Rede ist von einer Investitionssumme von 62 Millionen Euro. Der Startschuss zum Umbau sollte eigentlich bereits 2014 fallen. Derzeit werde dort noch an letzten Details der Planung gefeilt. Das habe Kapazitäten gebunden und die Planungen für Krummsee hinausgezögert.

Dass in Krummsee vielleicht doch noch Flüchtlinge Einzug erhalten, erscheint indes unwahrscheinlich. „Hängebargshorst wird nach derzeitigen Erkenntnissen nicht weiter geprüft“, teilte Polizeisprecher Pohl mit. Das gelte, obwohl weiter dringend nach Unterbringungsmöglichkeiten gesucht werde, da sich die Anzahl zunehmend benötigter Kapazitäten dynamisch ändere.

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