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Ostholsteiner Anzeiger

19. Oktober 2017 | 04:24 Uhr

Eutin : Händler fordern Gleichbehandlung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Geschäftsleute aus Randlagen setzen Kampf gegen Einzelhandelskonzept fort.

von
erstellt am 30.Sep.2017 | 18:00 Uhr

Eine Unterschriftenaktion Anfang Juni war der Auftakt, eine Diskussion im Ausschuss für Stadtentwicklung folgte am 7. September, weitere Schritte sind Gespräche mit Vertretern der Fraktionen in der Stadtvertretung: Eine breite Phalanx von Geschäftsleuten aus städtischen Randlagen wollen das Eutiner Einzelhandelskonzept kippen. Ihr Argument: Das 2013 beschlossene Konzept sei für den Erhalt einer lebendigen Geschäftswelt in der Altstadt wirkungslos. Aber die Unternehmen im Randbereich würden in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung behindert, und darunter leide die ganze Stadt.

Ein erstes Gespräch gab es mit Heiko Godow (CDU) und Monika Obieray (Grüne), Donnerstagabend trafen sich 13 Geschäftsleute mit Hans-Georg Westphal (SPD), Jens-Uwe Dankert (FDP) und Malte Tech (Freie Wähler) in der „Alten Straßenmeisterei“.

Jens Crusius (Firma Knutzen) und Horst Spiertz (Auto & Freizeit) schilderten den Kommunalpolitikern, warum das Einzelhandelskonzept wachsende Leerstände in der Innenstadt nicht verhindere, aber Geschäfte auf der sogenannten „Grünen Wiese“ existenziell gefährde.

Größtes Problem seien die in dem Konzept festgeschriebenen Warensortimente, die nur in der Innenstadt verkauft werden dürften: Dadurch könnten Händlern im Randbereich nicht auf Forderungen des Marktes reagieren.

Jens Crusius schilderte als Beispiel das Unternehmen, dessen Gebietsleiter er ist: Aus einem Laden mit Teppichböden sei Knutzen im Lauf der Jahre ein Einrichtungshaus mit breitem Sortiment und Service geworden. Aber wer Betten verkaufe, müsse auch Matratzen und Bettwäsche anbieten können. Das werde durch das Einzelhandelskonzept unterbunden.

Die Sortimentsausschlüsse könnten Existenzen bedrohen, ergänzte Spiertz: Neben den fehlenden Freiräumen beim Sortimentswechsel würden Nachfolgelösungen blockiert. In Oldenburg sei jüngst der Verkauf eines Autohauses gescheitert, weil der Käufer aus einer anderen Branche kam. Die Auflagen des Einzelhandelskonzeptes bedeuteten für die Eigentümer eine Form der Enteignung, schimpfte Robert von Ahlen, und Jens Crusius ergänzte, dass spanische Gerichte die Rechtmäßigkeit solcher Konzepte verneint hätten, weil sie den EU-Grundsätzen der Gleichbehandlung und des freien Handels widersprächen. Vor diesem Hintergrund wären sicher auch Klagen in Deutschland erfolgreich, „und diesen Schritt werden wir in letzter Konsequenz auch gehen, darüber sind wir uns einig“, sagte Robert von Ahlen.

„Unsere Initiative richtet sich nicht gegen die Betriebe in der Innenstadt“, betonte Jürgen Boock, „sondern wir wollen gemeinsam etwas für die Entwicklung der Stadt tun.“ Das wäre, wie es Spiertz und Crusius umschrieben, ein prosperierender Handel auch in den Randbereichen, der Kunden nach Eutin locke. Boock: „Und wer bei uns eingekauft hat, geht doch auch noch mal in die Stadt – und umgekehrt.“

Neben dem Hinweis auf gemeinsame Interessen von Innenstadt und Randlagen wurde mehrfach betont, dass die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen für die Läden im Stadtzentrum nicht aus der Konkurrenz der „Grünen Wiese“ resultierten, sondern aus dem enormen Wachstum des Internethandels. Dagegen könnten Sortimentslisten nichts ausrichten.

Westphal (SPD) und Dankert (FDP) versprachen, die vorgetragenen Bedenken in den Fraktionen zu beraten. „Bei mir rennen Sie offene Türen ein“, stellte Malte Tech (FWE) fest, er habe als einziger Stadtvertreter gegen das Einzelhandelskonzept gestimmt, da solche Konzepte noch nirgends funktioniert hätten.

Spiertz, Crusius, Boock und Kollegen kündigten an, dass sie als nächstes mit den Geschäftsleuten der Innenstadt, die in der Wirtschaftsvereinigung Eutin sowie den Initiativen „Händler mit Herz“ und Rosengarten organisiert sind, sprechen und Strategien entwickeln wollen.

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