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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 06:21 Uhr

Gymnasien fordern Sozialpädagogen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Mit einem Antrag will Iris Portius, Direktorin des Weber-Gymnasiums, heute im Schulausschuss um Unterstützung bitten

shz.de von
erstellt am 15.Mär.2016 | 03:35 Uhr

„Jetzt brauchen wir auch Hilfe“, sagt Iris Portius, Direktorin des Weber-Gymnasiums in Eutin. Die Anzahl der Kinder, die unter schwierigen häuslichen Verhältnissen leiden, Unterstützung brauchen oder problembelastet sind, nehmen auch am Gymnasium immer mehr zu, erklärt Portius im Schreiben an den Schulausschuss, in dem sie darlegt, weshalb sie „um dringende Zuweisung eines Sozialpädagogen“ mit voller Stelle bittet.

Immer mehr Kinder würden mit dem Tod eines Elternteils oder der Trennung konfrontiert oder müssen gar selbst schwere Erkrankungen verkraften. Die Entwicklung sei an beiden Gymnasien der Stadt nicht neu, so Portius. Aber: In den vergangenen Jahren habe sich die Situation verschärft. „Im Elterngespräch geht es schon lange nicht mehr nur um das jeweilige Kind, sondern sehr oft, um Elternberatung. Bisher haben wir das als Lehrer mitgemacht und in Krisensituationen nicht nur die Kinder, sondern teils ganze Familien aufgefangen. Aber jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem wir als Lehrer uns Unterstützung wünschen“, sagt Portius.

Die Forderung der Direktorin ist nicht neu. Vor etwa fünf Jahren habe sie einen solchen Antrag – immer im Einvernehmen und in Absprache mit ihrem Kollegen vom Voss-Gymnasium – schon einmal gestellt, der letztlich nicht am Einsehen des Ausschusses, sondern an den finanziellen Mitteln scheiterte. „Wir hatten Verständnis dafür, dass die Gemeinschaftsschule als erste mit einem Sozialpädagogen bedacht wird, weil der Bedarf dort höher ist, da sie schon länger auch Förderkinder unterrichten“, so Portius. Aber jetzt, wo ab Sommer auch Schulkinder mit anerkanntem Förderbedarf aufs Gymnasium kommen, würden die Aufgaben ein Maß annehmen, das nicht mehr zu leisten sei. Gleichwohl betont Portius, dass sie den Antrag auch ohne die Einschulung der Kinder mit Förderbedarf gestellt hätte. Auch Frithjof Löding, Direktor des Voss-Gymnasiums, bestätigt den Eindruck: „Es gibt keine großen sozialen Auseinandersetzungen an der Schule. Es sind eher die persönlichen Umstände der Kinder zu Hause, die das Leben hier sehr beeinflussen.“ Er sieht auch einen Unterstützungsbedarf in Fragen von Kommunikationsproblemen oder eine Vertrauensperson bei Problemen mit den neuen Medien beispielsweise durch Mobbing im Netz.

Schulausschussvorsitzender Hanjo Iwanowitsch steht dem Antrag auf einen Schulsozialpädagogen grundsätzlich positiv entgegen. „Wir müssen schauen, inwieweit es dafür Unterstützung vom Land gibt.Grundsätzlich sehen wir den Bedarf.“ Aber pädagogisches Personal sei eigentlich nicht Sache der Stadt, so Iwanowitsch. Doch Schulsozialarbeiter zählen aus Sicht des Landes nicht wie Lehrkräfte zu hundert Prozent zum pädagogischen Personal. Das Land unterstützt die Schul- und Jugendhilfeträger aber mit insgesamt 17,8 Millionen Euro jährlich, teilte Thomas Schunck, Sprecher des Bildungsministeriums mit.

Derzeit gibt es in Eutin an drei Schulen Sozialpädagogen: am Förderzentrum, der Gemeinschafts- und Grundschule. Portius und Löding hoffen im heutigen Schulausschuss auf einen positiven Ausgang des Antrags. Iwanowitsch: „Wir müssen bei unseren knappen Ressourcen überlegen, das wir das größtmögliche herausholen.“ Für ihn sei denkbar, ein Sozialarbeiter für beide Gymnasien einzustellen.

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