Gute Geschäfte bei prima Atmosphäre

Trotz ultimativer Kaufaufforderung auf der Brust: Die Küchenmaschine wurde Burkhard Zirkel einfach  nicht los.
1 von 8
Trotz ultimativer Kaufaufforderung auf der Brust: Die Küchenmaschine wurde Burkhard Zirkel einfach nicht los.

Die Wasserschlacht des vergangenen Jahres war vergessen. Angenehme Temperaturen und nur ein kleiner Schauer am frühen Nachmittag versetzten am Sonnabend beim 25. Großflohmarkt manchen in Kauflaune.

Avatar_shz von
24. August 2009, 10:07 Uhr

Eutin | Der Mann gibt wirklich alles, um seine Ware an die Frau zu bringen: "Die Zweitküchenmaschine ist total im Kommen", versichert Burkhard Zirkel einer potenziellen Käuferin und fügt scheinbar fachmännisch hinzu: "Heute spricht man allerdings von ,Backup-Küchenmaschine". Die Interessentin amüsiert sich zwar prima, doch die geforderten zehn Euro will sie nicht springen lassen. Da lässt sie sich auch von der Aufschrift auf Zirkels T-Shirt nicht beeindrucken: "Nicht lang schnacken, Kohle auspacken!", prangt auf seiner Brust. Die Küchenmaschine bleibt erst mal stehen, Zirkel seufzt.

Der Eutiner gehört zum "Flohmarktteam", das sich um Handballer von Eutin 08 gebildet hat. Die 14 Verkäufer haben gleich 28 Meter Standlänge auf dem Parkplatz des Amtsgericht gebucht. Das Geschäft läuft zwar gerade etwas schleppend, doch es hat sich gelohnt, berichtet Sven Petersen: "Um 6 Uhr hatten wir die Standgebühren schon raus." Eine halbe Stunde zuvor seien bereits die ersten "Profi-Jäger", bewaffnet mit Taschenlampen, aufgekreuzt. Auf zwei Milchkannen, die der Bujendorfer im Auftrag verkauft, sitzt er allerdings noch - der Preis ist wohl zu hoch.

Nicht gut zu sprechen auf manche Profis sind Silke und Dirk Mebius, die auf dem Kinderflohmarkt des "Ostholsteiner Anzeigers" ihren Stand haben. Sie hätten sich beim Aufbauen gegen die geballt auftretenden Schnäppchenjäger regelrecht verteidigen müssen, berichten die Süseler. Besonders Kinder würden da schnell mal über den Tisch gezogen. Während das Paar noch große Mengen von Kinderkleidung vor sich liegen hat, ist das meiste Spielzeug schon weg: "Das ist ganz toll gegangen", sagt die dreifache Mutter.

Fleißig Spielzeug gekauft hat Christiane Oswold. Und es wird noch mehr. Ihr zweijähriger Sohn Josse hat sich nämlich in einen knallroten Traktor verliebt. Nach einigen Verhandlungen wechselt das Gefährt für 25 Euro den Besitzer. "Ich glaub, bei uns ist heute Weihnachten", kommentiert die Mutter den Kauf, während Josse zufrieden auf dem Trecker sitzt.

Ausgesprochen zufrieden zeigt sich auch Rainer Herrmann. Seine alten Wohnzimmeruhren heben sich vom Krimskrams auf vielen anderen Flohmarkttischen ab. Allerdings ist das Angebot an seinem Stand am Jungfernstieg schon gegen Mittag reichlich dezimiert: "Ich bin recht schockiert, es sind kaum noch Uhren da", sagt Herrmann mit einem Augenzwinkern. Der Postbote, der sich in seiner Freizeit mit den Uhren beschäftig, ist von der Atmosphäre auf dem Großflohmarkt sehr angetan. "Das ist ein sehr angenehmes Publikum hier", findet Herrmann, der zum ersten Mal zum Eutiner Stadtfest gekommen ist.

Die besondere Atmosphäre lobt Henning Küster. "Eutin mit seinen alten Bauten - das ist schon etwas anderes als ein Flohmarkt im Industriegebiet", findet der Neumünsteraner. Und was viele immer wieder bemängeln, dass es früher wesentlich mehr Stände gegeben habe, empfindet er als Vorteil. "Das ist nicht so dicht." Für ihn stimmt das Angebot jedenfalls: "Ich bin schon fündig geworden", sagt der 54-jährige städtische Beamte und zieht einen Roman mit demTitel "Aufstand der Totgesagten" über Deutschland in der Nachkriegszeit aus der Tüte. Angetan hat es ihm auch ein Stand mit alten Postkarten und Briefumschlägen: "Ich sammle Jugendmarken und Schiffe", erklärt er.

An diesem Stand sind Regine und Karlheinz Jepp Stammkunden. "Der ist so super sortiert, da sind sogar Fissau und Sielbeck noch extra", schwärmt die Vorsitzende der "Bürgergemeinschaft" und zeigt einen Packen Postkarten, die teilweise über 100 Jahre alt sind. Die wandern nun in den Fundus der Bürgergemeinschaft: "Da sind Ansichten dabei, die haben wir noch nicht gesehen", erklärt Karlheinz Jepp.

Mindestens ebenso begeistert sind einige Jungen am Stand von Steffen Winter. Sie durchforsten die "Pokemon"- sowie "Yu-gi-oh"-Karten, die der junge Lübecker neben Computerspielen im Angebot hat. Er ist zwar nicht begeistert von vergleichsweise hohen Standgebühren, doch immerhin laufen die Geschäfte, freut sich Winter: "Die Leute zahlen gute Preise."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen