Gute Aussichten jetzt auf teilweise Erdverkabelung der Ostküstenleitung

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08. Mai 2015, 15:47 Uhr

Nach dem Votum im Bundesrat steigen die Chancen, dass die künftige 380-kV-Hochspannungsleitung von Göhl nach Lübeck zumindest teilweise als Erdkabel verläuft. Im nächsten Schritt hat der Bundestag das Wort; die beiden ostholsteinischen Abgeordneten Ingo Gädechens (CDU) und Bettina Hagedorn (SPD) haben bereits mehrfach ihre volle Unterstützung für Alternativen zu hohen Strommasten erklärt.

Bislang war die sogenannte Ostküstenleitung im Gesetzgebungsverfahren noch nicht für bisher bundesweit mögliche Erdverkabelungen auf der Höchstspannungsebene vorgesehen. Der Anstoß aus dem Bundesrat könnte das noch ändern, erhofft sich der Kieler Umweltminister Robert Habeck.

Da in Ostholstein viel Windstrom produziert wird, ist der Netzausbau unumgänglich. Für die Trassenfindung läuft bereits ein Dialogverfahren des Netzbetreibers Tennet mit Kommunen und Bürgern, dabei zeigt sich eines ganz deutlich: Alle wünschen Klarheit beim Thema Erdverkabelung – gerade, wenn die Leitung nahe an Siedlungen heranrückt. Habeck: „Es ist angezeigt, diese Technologie rasch zum Stand der Technik zu entwickeln, um den Netzausbau für die Energiewende insgesamt voran zu bringen.“

Diese Position bekräftigte Landrat Reinhard Sager gestern: „Wenn dies als Teststrecke in den Bedarfsplan des Bundesnetzagentur aufgenommen würde, wäre das ein Riesenfortschritt. Anderenfalls wird es bitter, die Trasse zu realisieren.“

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn sieht im Bundesratsbeschluss, die Verlegung der in Ostholstein geplanten 380-kV-Trasse teilweise als Erdkabel zu ermöglichen, ein hoffnungsvolles Vorzeichen: „Wir sind dem Ziel einer verträglichen Trasse in Ostholstein, die zum Teil als Erdkabel verlegt werden kann, nahe. Ich gehe davon aus, dass die Große Koalition im Bundestag dem Bundesrat folgt und das Gesetz zum Energieleitungsbau mehrheitlich beschlossen wird, so dass wir endlich die Früchte unserer Arbeit ernten können.“ Seit zehn Jahren schon setze sich die SPD im Kreis für diese Lösung ein.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens betonte den Vorrang für das „Schutzgut Mensch“ bei einer Trassenführung durch eine dicht besiedelte, intensiv touristisch genutzte und landschaftlich besonders schützenswerte Region. Deshalb sei Ostholstein ideal als Modellprojekt zur Erprobung längerer Strecken der Erd- oder Seeverkabelung. Zudem sei diese Stichleitung im Testbetrieb unbedenklich für die Versorgungssicherheit im gesamten System.

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