Günther Koch †

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12. Mai 2015, 12:51 Uhr

Wenn es um sein Thema, den Umwelt- und Naturschutz ging, erinnerte einen Günther Koch immer an eine knorrige, alte Eiche. Selbst als er das 80. Lebensjahr schon überschritten hatte, stellte er sich Gegenwind stets unbeirrt entgegen. Seinem Engagement war es letztlich zu verdanken, dass die Gemeinde Malente schließlich auf dem Dach der Grundschule eine Solaranlage baute. Da ihm dies jedoch nicht reichte, trommelte er danach etliche Bürger zusammen, die auf dem Dach des Awo-Kindergartens in der Kellerseestraße eine weitere Solaranlage installierten.

Sein Interesse für den Umweltschutz entdeckte der Kaufmann 1974, als Pläne für eine Straße durch das Malenter Bergengehölz aufkamen. Koch schloss sich einer Initiative gegen das Projekt an, das letztendlich nie verwirklicht wurde. 1990 wurde Koch Ortsvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), was er 22 Jahre lang blieb. In dieser Zeit bekam Malente 150 Fledermauskästen, es wurden auf zwei Streuobstwiesen 200 Bäume gepflanzt und 20 Kubikmeter Korken gesammelt.

Die Bilanz beeindruckte die Gemeinde so sehr, dass sie Koch im Jahr 2011 den Bürgerpreis verlieh. In seiner humorvollen Art kommentierte er beim Festakt das Korkensammeln: „Hinter vorgehaltener Hand werben wir dafür mit dem Spruch: ,Sauft für einen guten Zweck‘.“

Koch sagte offen, dass er als sehr junger Mensch zu den Verführten des Nazi-Regimes gehörte, was ihn positiv von vielen anderen seiner Generation unterschied. Die deutsche Aggression brachte ihm vier Jahre in englischer Kriegsgefangenschaft ein. Das Erstarken der NPD motivierte ihn 1960, der FDP beizutreten. Er wurde Ortsvorsitzender, kehrte der Partei allerdings den Rücken, als sie im Herbst 1982 die sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt aufkündigte und Helmut Kohl von der CDU zur Macht verhalf. Von 1978 bis 1986 war Koch Gemeindevertreter, von 1993 bis 2003 Umweltbeauftragter der Gemeinde.

Nichtstun war nicht seine Sache: Noch im Rentenalter gründete Koch eine Verpackungsfirma, die heute von einem seiner Enkel geführt wird. Auch da schien der Umweltgedanke durch: Der Neversfelder setzte bei seinen Tüten auf Papier statt Plastik. 2013 musste Koch den Tod seiner Frau Edith verkraften. Doch er ließ sich nicht unterkriegen, engagierte sich für den geplanten „Natur-Erlebnis-Spielplatz Neversfelde“. „Das war sein Leben: sich einsetzen für Natur und Kinder“, sagt seine Tochter Katrin Rahmel.

Günter Koch starb am 6. Mai im Alter von 87 Jahren. Er hinterlässt drei Kinder und fünf Enkel. Die Seebestattung findet im Kreis der Familie statt.

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