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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 12:16 Uhr

Gülle wird in den Boden injiziert

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Landwirtschaftskammer zeigt neue Wege in der Ausbringung / Vorteil der Verfahren: „Es stinkt nicht mehr“

shz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 15:32 Uhr

Eines steht schon fest, der sogenannte „Düngeteller“ hinter dem Trecker zum Ausbringen der Gülle auf die Äcker ist „out“. Spätestens ab 2020 darf er laut Düngemittelverordnung nicht mehr eingesetzt werden auf dem Acker und fünf Jahre später auch nicht mehr auf dem Grünland. Alternativen gibt es – und ihre Funktion lässt sich in einem kurzen Satz beschreiben: „Es stinkt nicht mehr“, wie es der Leiter des Lehr- und Versuchszentrums Futterkamp, Eckhard Boll, auf den Punkt brachte. Eingeladen hatte die Landwirtschaftskammer am Donnerstag, um eben Interessierten die neuen Alternativ-Techniken in Futterkamp zu präsentieren.

„Nährstoffeffizienz vom Stall zum Feld“, so das Thema der gut besuchten Veranstaltung in Futterkamp. „Es geht darum, die Nährelemente Stickstoff und Phosphor im Stall über das Futter und mögliche gasförmige Verluste aus der Gülle und bis zum Feld als Dünger effizienter einzusetzen“, so Claus Heller, der Präsident der Landwirtschaftskammer Schleswig Holstein. In diesem Bereich habe die Landwirtschaft noch einen Optimierungsbedarf. Wirtschaftsdünger, wie sie in der Tierhaltung und bei Bio-Gasanlagen anfallen, unterliegen klaren Vorgaben der Gesetzgebung. Die andere Seite ist, dass es in einigen Regionen Schleswig-Holsteins wie der Geest Überschüsse an organischen Düngemitteln gibt, die in andere Regionen wie Ostholstein transportiert werden müssen. Das bedeutet Aufbereitung und Trennen von flüssigen Substraten.

Gezeigt wurden in Futterkamp 15 verschiedene Verfahren auf dem Acker und dem Grünland. Dazu die Separation, die Abluftreinigung und Behandlungstechniken.

Eine Antwort, die Gülle auf die Grünfläche zu bringen, ist die sogenannte „Injektion“. Statt des alten „Gülletellers“ hat der Traktor heute eine hochmoderne Hydraulik mit Spritzen am Heck. Verbunden mit einem irgendwo am Rand stehenden Tankwagen per Schlauch, ritzt er bei der Fahrt die Bodennarbe auf und pumpt gleichzeitig die Gülle in den Boden – und das völlig geruchsfrei. Zudem wird die Futterverschmutzung vermieden. Außerdem kann der im Dünger enthaltene Stickstoff von den Pflanzen so besser genutzt werden. Bis zu 1000 Meter Schlauch kann so ein Schlepper mitziehen und ist damit mehr als flexibel einsetzbar. Das Ausbringen kostet rund 4 Euro pro Kubikmeter. In Dänemark ist diese Praxis schon seit Jahren verbreitet.

Die zweite Antwort auf das Gülle-Problem ist die „Separation“. Sie sorgt dafür, dass Gülle in eine feste und eine flüssige Phase getrennt werden. Wenn der Gülle die Flüssigkeit entzogen ist, kann der feste Teil einfacher – und für den Bauern – kostengünstiger transportiert werden. Der flüssige Stoff bleibt beim Bauern, der feste Anteil kann beispielsweise in Biogas-Anlagen statt teurem Silo-Mais verbrannt werden. Vor Ort wird eine Maschine mit der flüssigen Gülle „gefüttert“. Die Maschine trennt beide Stoffe, der flüssige Teil wird in einen Tank gepumpt, der trockene, gepresste Rest geht über ein Förderband in einen bereit stehenden Container zum Abtransport.

Und letztlich kommt die Filtertechnik für saubere Luft zum Tragen, wie sie im Stall von Futterkamp verbaut ist. Sie sorgt für saubere Luft in der Umgebung von Schweine- oder Geflügelställen. Die Kosten liegen bei fünf bis acht Euro pro Schwein.

Natürlich spielen bei dieser Form der Entsorgung auch die Kosten immer eine Rolle. Selten wird sich ein Landwirt eine Großanlage zur „Injektion“ mit Kosten von rund 300  000 Euro leisten wollen und können. Dies ist damit auch die Stunde der Lohnunternehmen und Maschinenringe. Dies gilt insbesondere für tierhaltende Betriebe, wo sonst hohe Investitionssummen anfallen.

Dies alles erfordere ein grundlegendes Umdenken in der Landwirtschaft. „Einen ersten Schritt auf diesem Weg fordert die novellierte Düngeverordnung, die Anfang Juni verkündet wurde und deren Regelungen bereits bei der diesjährigen Herbstdüngung zu berücksichtigen sind“, so der Geschäftsführer der Kammer, Peter Levsen Johannsen. „Nur bei einer bedarfsgerechten Düngung können Erträge und Qualitäten bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Ziele des Gewässer- und Klimaschutzes optimiert werden.“

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