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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 15:35 Uhr

Malente : Grundwasser legt Baustelle lahm

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Vorarbeiten für geplanten Brückenneubau in der Hindenburgallee stecken in kritischer Phase / Warten auf geologisches Gutachten

Es ist ein Bild mit Symbolkraft: Die Schwentine ist nach dem Dauerregen der vergangenen Tage mächtig angeschwollen, hat die Baustelle in ihrem Flussbett regelrecht überrollt. Mehrere mit Sand gefüllte „Big Packs“ haben dem Wasserdruck nicht standgehalten, die Baugrube ist unter dem reißenden Fluss nur noch zu erahnen. Eigentlich sollten hier in den nächsten Wochen 14 Versorgungsleitungen neun verschiedener Gewerke, wie Strom, Gas, Wasser und Telefon, im Flussbett verlegt werden. Doch ob es jemals dazu kommt, ist ungewiss.

Das Problem sind nicht die Wassermassen, die sich zurzeit durch das Flussbett wälzen. Das Problem liegt tiefer. „Wir bekommen den Spundbereich, den wir gesichert haben, einfach nicht trocken“, erklärt Frank Petzolt. Der Projektleiter der Schleswig-Holstein Netz AG in Plön koordiniert die Verlegung der Versorgungsleitungen. „Von unten drückt so viel Wasser nach, dass wir nicht dagegen ankommen“, sagt Petzolt. Und dass, obwohl die Spundwände 5,50 Meter tief in den Boden gerüttelt worden seien. Mit dem bisher eingesetzten Equipment lasse sich die Baugrube nicht trockenlegen.

Wie soll es nun weitergehen? Antworten soll ein geologisches Gutachten geben. Petzolt hofft, bereits morgen Ergebnisse in den Händen zu halten. Zwar könne man versuchen, das nachdrückende Wasser mit Hilfe von Brunnen abzupumpen. Doch das sei nicht ohne Risiko. Denn durch Brunnen entstehe im Untergrund ein Sog, der einen „hydraulischen Grundbruch“ auslösen könne, weiß Petzolt. „Das kann verheerende Folgen für die Standsicherheit umliegender Bauwerke haben.“

Wird keine andere Lösung gefunden, bleibt nur ein Weg: Die für den Brückenneuban verantwortliche Lübecker Niederlassung des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV) müsste eine andere Brücke planen. Ein Bauwerk, an dem Versorgungsleitungen wie bisher an der Brückenkonstruktion befestigt würden. Das wollte der LBV beim Neubau jedoch vermeiden, um Wartung und Instandhaltung der künftigen Brücke zu erleichtern. Die Entscheidung läge jedoch beim LBV, mit dem man sich in enger Abstimmung befinde, erklärt Petzolt.

Im Oktober will der LBV nach derzeitigem Stand mit den Bauarbeiten für die neue Brücke beginnen. Ob sich dieser Zeitplan halten ließe, wenn tatsächlich eine neue Brücke geplant würde, will LBV-Leiter Jörg Sommerburg zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bewerten. „Es ist jetzt noch verfrüht, dies zu beantworten“, erklärt er. Zunächst müsse man die genaue Sachlage kennen und das geologische Gutachten abwarten. Dann könne man daraus die notwendigen Schlüsse ziehen.

Die nun ins Stocken geratenen Bauarbeiten haben die Versorger bereits 60  000 bis 100  000 Euro gekostet, schätzt Petzolt. „Möglicherweise muss man ohne Ergebnis rückbauen“, sagt er. Sicher sei, dass die bisher kalkulierten 140  000 Euro nicht ausreichten. Die Schwierigkeiten seien aber in dieser Form nicht absehbar gewesen. Man habe bereits das für die Brückenbauarbeiten vorliegende geologische Gutachten berücksichtigt. Deshalb seien viele Möglichkeiten verworfen worden, etwa die, unter dem Flussbett hindurchzubohren. „Auch das hätte nicht funktioniert“, ist sich Petzolt angesichts der Bodenverhältnisse sicher.

Mit dem dramatischen Wassereinbruch bei der jetzt gewählten Vorgehensweise habe er aber nicht gerechnet und auch die beauftragte Firma nicht, die ihr Handwerk durchaus verstehe. Petzolt: „Wir waren an und für sich guter Dinge, doch da zeigt uns die Natur, dass es so nicht geht.“

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erstellt am 03.Jul.2017 | 16:26 Uhr

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