Grundschule fürchtet die Enge

Auf dem Podium informierten Vertreter der Verwaltung und der Schule über die verschiedenen Standpunkte. Von links: Michael Kasch, Martin Klehs, Henning Schröter von der Stadtverwaltung, Konrektor Florian Reimers, Barbara Kleinmann Außenstellenleiterin am See, Anke Löhndorf von der Nachmittagsbetreuung und Claudia Lejeune vom Förderzentrum.
Auf dem Podium informierten Vertreter der Verwaltung und der Schule über die verschiedenen Standpunkte. Von links: Michael Kasch, Martin Klehs, Henning Schröter von der Stadtverwaltung, Konrektor Florian Reimers, Barbara Kleinmann Außenstellenleiterin am See, Anke Löhndorf von der Nachmittagsbetreuung und Claudia Lejeune vom Förderzentrum.

Rund 100 Interessierte beim Informationsabend zum Thema Schulstandort / Gustav-Peters-Schule stellte ihren Standpunkt vor

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22. Mai 2019, 09:50 Uhr

Eutin | Die Eutiner Bürger werden kommenden Sonntag über die künftige Schullandschaft abstimmen. „Paradies am See?“ stand als Frage über einer Informationsveranstaltung der Gustav-Peters-Grundschule am Dienstagabend in der Aula in der Blauen Lehmkuhle. Die Frage drücke eine Sehnsucht nach etwas aus, was noch lange nicht erreicht sei, sagte der Vorsitzende des Schulelternbeirates, Alexander König, zur Begrüßung von rund 100 Interessierten, darunter zahlreiche Stadtvertreter.

Michael Kasch aus dem Rathaus erläuterte die Vorgeschichte zu den Bürgerentscheiden und ergänzte, dass die Stadtvertretung entscheidendes Organ sei. Fachbereichsleiter Martin Klehs erläuterte den Abstimmungszettel.

Mit Blick auf die Machbarkeitsstudie für die Wilhelm-Wisser-Schule und grobe Kostenschätzungen von 35 bis 38 Millionen Euro für zwei getrennte Schulen oder die große Campuslösung sagte der Bauamtsleiter Henning Schröter: „Obwohl es keine konkrete Planung gibt, muss es endlich zu einer Entscheidung kommen. Seit 2010 krebsen wir schon rum wegen der Wilhelm-Wisser-Schule. Es geht einfach darum, voranzukommen. Teuer wird es sowieso – beide Lösungen.“

Schröter stellte klar, dass es in den Bürgerentscheiden um Denkmodelle gehe. Vieles sei unklar, Bauuntergründe seien noch gar nicht untersucht und etliche Unwägbarkeiten unberücksichtigt, daher seien Architekten-Wettbewerbe unerlässlich.

Anke Löhndorf von der Nachmittagsbetreuung der Grundschule präsentierte ihre Vorstellung: „Wir wünschen uns eine kleine Schule für kleine Leute. Wir benötigen Betreuungsräume, die Nutzung der Sporthalle, Mensa und Lehrküche sowie ein altersgerechtes Außengelände. Unsere Schülerzahlen steigen. In den Räumen des Förderzentrums werden zur Zeit 70 Kinder betreut, ausgelegt war es für 30.“

Florian Reimers, kommissarischer Leiter der Gustav-Peters-Grundschule und ihrer Außenstellen, verglich die Campuslösung mit Grund- und Gemeinschaftsschule auf einem Grundstück am Kleinen See mit dem Weg zwei getrennter Standorte. Bei der Campuslösung würde Platz für einen zentralen Sportplatz, für große Spielgeräte und naturnahe Erlebnisflächen nicht reichen. Auch wenn es für Grundschüler und Gemeinschaftsschüler getrennte Schulhöfe gäbe, herrschte ständiger Pausenlärm wegen unterschiedlicher Unterrichtszeiten.

Reimers sagte weiter, dass die Belastung durch die Verkehrslage am Kleinen See auch für die Anwohner enorm wäre. Da für die Gemeinschaftsschule ein höherer Gebäudekomplex nötig wäre, würden die Grundschüler nicht mehr auf den See, sondern auf einen Bau mit drei bis vier Stockwerken blicken. Nach Reimers Überzeugung sei auch mit Klagen von Anwohnern zu rechnen, was zu Bauverzögerungen führen könne. Er beteuerte: „Die Grundschule möchte keine Schulhochhäuser am See.“

Bei einem Neubau der Grundschule am Kleinen See mit Förderzentrum und Nachmittagsbetreuung dagegen sei eine Drei-Feld-Sporthalle mit Tribüne für alle nutzbar, der Sportplatz bleibe erhalten, der Schulhof könnte naturnah gestaltet werden, die Verkehrssituation wäre entspannter.

Könnte man nicht einfach die Schulstandorte tauschen, große Gemeinschaftschule am See, kleine Grundschule mit Förderzentrum auf den Berg an die Elisabethstraße? Oder könnte man die Fachwerkhäuser an der Weidestraße abreißen, den Dohse-Parkplatz erwerben und so mehr Platz für Neubau und Sanierung der Wisser-Schule mit Sporthalle schaffen? Oder könnte man die 5. und 6. Klassen der Wisser-Schule an der Grundschule lassen? Viele Fragen wurden an diesem Abend gestellt.

Fakt sei, fasste Florian Reimers zusammen: „Am Montag nach den Bürgerentscheiden müssen wir alle wieder gut zusammenarbeiten. Viel Glas ist bereits durch die Debatte zerbrochen.“

Was passiert, wenn es eine Mehrheit für eine Campus-Lösung gibt, aber der Platz am Kleinen See überhaupt nicht reicht? Martin Klehs zu dieser Frage: „Wenn die Machbarkeit von Bürgerentscheid I nicht gegeben ist, dann müssen wir nochmal in Gespräche gehen.“

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