Grundeinkommen für Landwirte

Für ein neues Landnutzungssystem in Verbindung mit einem Grundeinkommen für Landwirte zur Landschaftspflege sprach sich Prof. Dr. Hansjörg Küster bei seinem Vortrag in der Kirchengemeinde Schönwalde aus.
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Für ein neues Landnutzungssystem in Verbindung mit einem Grundeinkommen für Landwirte zur Landschaftspflege sprach sich Prof. Dr. Hansjörg Küster bei seinem Vortrag in der Kirchengemeinde Schönwalde aus.

Prof. Dr. Hansjörg Küster propagiert ein neues System der Landnutzung

shz.de von
08. Juni 2018, 15:29 Uhr

Seine Botschaft stellte Prof. Dr. Hansjörg Küster an den Anfang seines Vortrages in der Kirchengemeinde Schönwalde: „Wir brauchen ein neues Landnutzungssystem.“ Dabei spielt „eine leistungsfähige Landwirtschaft“ für den Dozenten am Institut für Geobotaniker der Leibniz-Universität Hannover eine entscheidende Rolle, die von der Gesellschaft honoriert werden muss.

Er forderte in seinem Vortrag „Brot und Landschaft“ zu den Zukunftsaufgaben der Landwirtschaft ein Grundeinkommen für Landwirte. Dieses sollen sie nach seiner Vorstellung für den Erhalt und die Pflege der Landschaft erhalten. Mit einem Blick zurück in die Siedlungsgeschichte machte Küster deutlich: „Der Mensch gestaltet die Landschaft und sie entwickelt sich nie wieder zurück, sondern verändert sich.“

Mit seinem Hinweis auf die gesellschaftspolitische Rolle der Landwirte knüpfte der Biologe an die Diskussionsrunde an, die in der Woche zuvor an gleicher Stelle die wirtschaftliche Situation der Landwirte zum Thema hatte. Eine Karte veranschaulichte die wenigen Flächen auf denen weltweit Getreide angebaut werde. „Wir brauchen Ackerland, um die Welt zu ernähren“, ist Küster überzeugt. Dazu brauche man Fachleute aber vor allen Dingen einen gesellschaftlichen Konsens: „Schlechtreden hilft nicht.“ Er setze auf ein System, in dem alle zusammenstehen. Kommunikation sei ein Schlüssel dazu. Verbraucher und Landwirte hätten immer weniger Berührungspunkte. Selbst in den Dörfern stünden die Bauern oft abseits. Küsters Appell an sie: „Ihr müsst die Menschen in den Metropolen erreichen.“ Er gab weder der konventionellen noch der ökologischen Landwirtschaft den Vorzug, sondern ergänzte beides um den Zusatz „sogenannte“. Es sei nicht die „Marke“ entscheidend, sondern das Können, mit dem die Landwirtschaft betrieben werde. Eine gezielte Kunstdüngergabe könne für Ertrag und Naturschutz mehr erreichen, als organischer Dünger, dessen Austragungen die Gewässer belaste.

Die Landschaft, wie sie heute im allgemeinen noch als ästhetisch und schön empfunden werde, sei nach dem Mittelalter in einer Zeit entstanden, in der es zu einer Übernutzung der Natur gekommen sei. „Utile dulci“ habe nun das Motto gelautet, nachdem Landesherren ihre Landschaften gestaltet hätten. Sie hätten so das fürs Auge Angenehme mit dem für die Landwirtschaft Nützlichen verbunden. 1713 habe man erstmals von Nachhaltigkeit gesprochen. Bereits mit der Reformation habe das bewusste Handeln nach diesen Grundsätzen eingesetzt.

Küster ist der Überzeugung, dass sich die Landschaft verändere, überlasse man immer weitere Teile der Natur sich selbst. Erwünschte Arten würden verschwinden, andere sich ausbreiten und Probleme schaffen, wie etwa das Jakobskreuzkraut. Küster: „Das Mittelding zwischen Wildnis und Intensivierung der Landwirtschaft muss die Gesellschaft aushandeln.“ Seine Idee sieht vor, dass die in Industrieländern erforderlichen Subventionen in Form eines Grundeinkommens an Landwirte gezahlt werden, wenn sich diese durch ihr Handeln für den Erhalt der Landschaft und somit für das Gemeinwohl einsetzen.

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