Grünes Licht im zweiten Anlauf

michael kuhr klein
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Uhlenbusch: Vor der Entscheidung des Aufstellungsbeschlusses ging es im gemeindlichen Bosauer Bauausschuss hoch her

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23. Juli 2014, 11:37 Uhr

Kehrtwende im gemeindlichen Bauausschuss der Gemeinde Bosau: Mit den Stimmen von CDU und Grünen wurde am Dienstag in einer Sondersitzung grünes Licht für die Aufstellung der 10. Änderung des Flächennutzungsplanes und des Bebauungsplanes Nr. 39 gegeben. Es geht dabei um ein etwa sieben Millionen Euro teures Seniorendorf-Projekt mit dem Namen „Uhlenbusch“, das Initiatoren am südlichen Ortsrand von Bosau bauen wollen.

Vor vier Wochen noch im Bauausschuss schmetterten SPD, FDP und Grüne gemeinsam die Planänderungen gegen die vier CDU-Stimmen ab. SPD und FDP hielten auch am Dienstag weiterhin beharrlich dagegen. Nur die Grünen hatten es sich noch einmal überlegt. Max Plieske erklärte die „Rolle rückwärts“ der Grünen pragmatisch: „Man kann Entscheidungen auch revidieren.“


Unbeabsichtigt amüsant


Bei der vor knapp 30 Besuchern wenig spektakulären und nur durch einige Verständnisprobleme von Ernst-Günther Schneider (FDP) unbeabsichtigt amüsant gespickten politischen Beratung waren das Ehepaar Klinke (SPD) und Dr. Joachim Rinke (FDP) als Grundstücksnachbarn wegen Befangenheit ausgeschlossen worden – Rinke allerdings nur nach eigenem, lautstarken Protest.

Vor der nur wenige Minuten dauernden politischen Beratung und Entscheidung lieferten sich allerdings erneut Gegner und Befürworter des Senioren-Projektes „Uhlenbusch“ über 75 Minuten in der Einwohnerfragestunde einen heftigen Schlagabtausch – angeführt von der FDP. Ernst-Günther Schneider kritisierte eine „völlig übereilte Sitzung“, witterte eine „unglaubliche Vettern-Wirtschaft“ und fürchtete um eine Wiederbelebung des Projektes „durch die kalte Hintertür“. Dr. Joachim Rinke warf das Wort „Bürgerentscheid“ in die Runde und ließ sich vom Ausschussvorsitzenden Eberhard Rauch (CDU) beantworten, ob sich seine Frau am Projekt „Uhlenbusch“ finanziell beteiligen wolle. Die Antwort des verblüfften Rauchs: Nein!

Rauch wies darauf hin, dass der zu fassende Aufstellungsbeschluss lediglich der formelle Beginn des Verfahrens sei. Eine verbindliche Satzung werde frühestens in neun Monaten aufgestellt. Er kennt sich gut damit aus, planten er, seine Frau und ihre Schwester doch am Bosauer Strand einst den verheißungsvollen Bau von Ferienwohnungen. Jetzt wollen sie das bereits genehmigte Projekt verkaufen.

Die Kritiker wärmten bekannte Argumente auf: die Angst, Bosau würde vergreisen und es fehle an Bauland für junge Familien. Die benötige die Gemeinde Bosau, damit Schule und Busverbindungen erhalten blieben. Kritiker wollten das Projekt „Uhlenbusch“ lieber „Kuckucksei“ nennen, das ihnen da als „faules Ei“ ins Nest gelegt werde. Als Miete würde im „Uhlenbusch“ so viel Geld verlangt, das Bosauer Senioren gar nicht aufbringen könnten.


20 000 Euro Mehreinnahmen


Ein abgeklärter Bürgermeister Mario Schmidt sprach von einer Liste von 60 Grundstücken für junge Familien in der Gemeinde. 50 neue Einwohner im Seniorendorf „Uhlenbusch“ würden rund 20 000 Euro Mehreinnahmen in die Gemeindekasse spülen. Schmidt sprach vom Unverständnis aus anderen Dorfschaften der Gemeinde über die Haltung der Bosauer zum „Uhlenbusch“. Und schließlich sei es nicht verboten, mit Projekten in der Gemeinde Geld zu verdienen. Das machte auch der Lebensmittelmarkt in Hutzfeld mit der geplanten Erweiterung. „Bestimmt nicht zum Gemeinwohl, sondern um Geld zu verdienen“, sagte Schmidt. Im übrigen habe er bereits viele Anfragen am „Uhlenbusch“ Interessierter aus allen Teilen der Bundesrepublik erhalten.

Hans-Jürgen Landsetzer: „Das Zukunftsthema darf nicht von einer Minderheit zertreten werden.“ Er spielte damit auf eine Unterschriftenaktion an, die in diesen Tagen durch das Dorf gereicht wird. Erstunterzeichner sind unter anderem Christina Vadersen-Marohn und Gerd Warda (beide SPD) aus dem Bauausschuss, Holger Andresen und Joachim Rinke.

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