Ostholstein : Grüne sehen Ameos-Expansion mit „großen Bauchschmerzen“

Die Eutiner Sana-Klinik gehört zu vier Häuser, die Ameos in Ostholstein übernehmen will.
Die Eutiner Sana-Klinik gehört zu vier Häuser, die Ameos in Ostholstein übernehmen will.

Übernahme der vier Sana-Kliniken sorgen für Verunsicherung.

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01. Februar 2019, 15:13 Uhr

Eutin | Die geplante Übernahme der vier Sana-Kliniken in Ostholstein durch den Ameos-Konzern löst bei vielen Angestellten große Verunsicherung aus. Das wurde erneut dieser Tage in einer Klausursitzung der Grünen-Kreistagsfraktion deutlich, in der mit Betriebsräten der Sana-Kliniken die aktuelle Lage aus der Sicht des Personals erörtert wurde – in der aber auch einer Rekommunalisierung eine klare Abfuhr erteilt wurde.

Wie Anke Johannsen aus der Geschäftsstelle der Fraktion in einer Pressemitteilung schildert, bestand Einigkeit in der Beurteilung der aktuellen Situation: Zusätzlich zum ohnehin bestehenden Personalmangel sei die aktuelle Hängepartie sehr belastend, die durch die vielleicht noch länger dauernde Prüfung durch das Kartellamt entstehe. Weder der Kreis, noch der Betriebsrat hätten ein Mitspracherecht beim Verkauf der Sana-Kliniken an Ameos gehabt. Es handele sich um einen sogenannten Share-Deal, bei dem der Besitz übertragen werde, aber die sonstigen Vertragsbedingungen unangetastet blieben.

Sorge um VBL-Absicherung

Aus Sicht des Personals sei das aber absolut kein Grund zur Beruhigung, schreibt Johannsen weiter: Selbst wenn vorläufig die Arbeitsplätze erhalten blieben, sei nicht klar, ob die Rente über die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) wirklich garantiert sei.

Wenn Ameos die Freigabe durch das Kartellamt bekomme, habe der Konzern einen gewaltigen Gestaltungszuwachs im ganzen Kreis Ostholstein. Es sei sehr gut vorstellbar, dass Synergie-Effekte zwischen den Betriebsteilen gesucht würden, was mittelfristig sehr wohl zu Personalabbau und Monopolisierungseffekten führen könne.

Für die Grünen ist, wie es weiter hieß, die Absicherung des Personals nicht nur für die Betroffenen wichtig. „Wir wollen, dass gute Arbeitsplätze im ganzen Kreis erhalten bleiben und junge Menschen nicht wegziehen müssen, um vernünftige Arbeit zu finden. Der Krankenhausbereich ist einer der größten Arbeitgeber im Kreis und trägt dafür eine gesellschaftliche Verantwortung.“

Rückkauf durch den Kreis "undenkbar"

Einigkeit habe auch bei der der Frage bestanden, ob der Kreis die Sana-Kliniken zurückkaufen sollte. Dies erscheine so gut wie undenkbar, weil Sana wichtige Betriebsteile wie Computersystem, Medikamenteneinkauf, Küche und Reinigung ausgegliedert habe. Außerdem stünden wegen der von Sana vorangetriebenen Spezialisierung viele Gebäudeteile nicht mehr zur Verfügung. Es wäre also auch räumlich so gut wie unmöglich, durch den Kreis eine Grund- und Notfallversorgung sicher zu stellen. Immense Investitionen wären erforderlich, die nach den aktuellen Richtlinien nicht gefördert würden.

Aus grüner Sicht sei die Übernahme durch Ameos eine Lösung, bei der man nur große Bauchschmerzen haben könne. Erste Priorität müsse sein, dass die Gesundheitsversorgung im Kreis an allen Standorten vollständig erhalten bleibe und das Personal dauerhaft abgesichert werde.

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