Eutin : Grüne: „Keine Massenschule“

Falsche Größenordnung: So lautet der Vorwurf der Grünen, die die FWE-Pläne eines Schulzentrums kritisieren.
Falsche Größenordnung: So lautet der Vorwurf der Grünen, die die FWE-Pläne eines Schulzentrums kritisieren.

Fraktion kritisiert Pläne der FWE zum Schulzentrum am Kleinen See und zum Parkhaus auf dem Stadtgraben.

shz.de von
27. Juni 2018, 14:24 Uhr

Die Vorstellung der beiden Modelle der Freien Wähler Eutin (FWE) für ein mögliches Parkhaus sowie den Neubau eines Schulzentrums samt Dreifeldhalle am Kleinen Eutiner See sorgen für Diskussionsstoff. Die Grünen meldeten sich darauf prompt zu Wort: „Die FWE propagiert zum xten Mal ihren Plan für ein sogenanntes Schulzentrum am Kleinen See und benutzt dafür eine Visualisierung, die die Größenverhältnisse zwischen massiver, dreistöckiger Schulbebauung und Sporthalle und den bestehenden Einfamilienhäusern verzerrt. Sie ignoriert außerdem, dass alle Beschlüsse längst gefasst sind und eine Zeitplanung für die Schulbauten vorliegt“, teilt Grünen-Fraktionsvorsitzende Monika Obieray mit.

Aus Sicht der Grünen spreche die FWE nicht für die Eltern. „Wir Grüne haben mit unserer Entscheidung für die Grundschule am Kleinen See, mit dem Ausbau der Wilhelm-Wisser-Schule und mit dem Neubau der Sporthalle Wahlkampf gemacht und sind dafür belohnt worden, übrigens auch im Gegensatz zur SPD“, so Obieray. Die Grünen hätten nicht bestritten, dass das Gelände am Kleinen See groß genug für eine massive, mehrstöckige Bebauung sei. Auch nicht, dass die bautechnischen Probleme (Pfahlgründung, hoher Wasserstand) nicht gelöst werden könnten, jedoch nicht so günstig, wie die FWE verspreche.

Die Grünen wollen keine „Massenschule“ wie die FWE-Pläne eines Schulzentrums für rund 1000 Schüler für sie anmuten. „Wir wollen eine Wilhelm-Wisser-Schule, die komplett und modern ausgestattet ist, die eine eigene Mensa, offenen Ganztagsbetrieb und Fach- und Gruppenräume hat. Die Schüler sollen bestmöglich lernen und sich entfalten können. Dazu brauchen sie ihren eigenen Bereich“, sagte Obieray. Dies alles sei am Berg (Elisabethstraße) möglich, wenn nach dem Hallenbau am Güterbahnhof auf dem Gelände Platz für zusätzliche Fach- und Klassenräume geschaffen werden kann.

Ein Zusammenlegen von Grund- und Gemeinschaftsschule widerstrebe den Grünen, die Unterrichtszeiten und -konzepte seien andere, den kleinen Schülern sei es nicht zuzumuten sich gegen pubertierende Jugendliche behaupten zu müssen. Das berge großen Konfliktstoff. Ein getrennter Schulhof, wie von der FWE geplant, helfe nicht, wenn die Fachräume, Sporthalle und Flure gemeinsam genutzt werden müssten. Außerdem sei die Zuwegung zu eng, wenn Klasse eins bis zehn da durch müssten. Die Grünen wünschen sich deshalb wie beschlossen eine neue, kindgerechte Grundschule mit kleiner Turnhalle, Außengelände und Schulhof.

Was die Wege-Diskussion zur geplanten Halle am Güterbahnhof betreffe, halten die Grünen die 30 Minuten für falsch. „Der Weg zur Halle ist eine Belastung, kann aber mit gutem Willen minimiert werden, in dem man Randstunden und große Pausen nutzt“, so Obieray. Der bisherige Weg zwischen Berg und kleiner See würde außerdem langfristig entfallen, wenn alle an einem Standort unterrichtet werden können, wie geplant.


Parkhaus wäre Zerstörung der Wohnlichkeit

Beim Thema Parkhaus mit Wohnbebauung über dem Stadtgraben können die Grünen nur den Kopf schütteln: „Wir sind für Nachverdichtung und mehr Wohnraum, in dem man gern lebt. Aber das Riesenparkhaus am Stadtgraben wäre das Gegenteil, nämlich die Zerstörung von Wohnlichkeit“, sagte Obieray. Sie könne nicht glauben, dass Architekt Malte Tech (FWE) eine solche Planung vorschlägt, bei der Eltern ihre Kinder auf dem Dach eines Parkhauses spielen lassen sollen. Nicht nur für die Bewohner, sondern auch alle ringsum würde die Zunahme des Verkehrs (aus derzeit 150 sollten laut FWE-Plänen 450 Parkplätze werden) im Zentrum ein Plus an Lärm-, Abgasen und Gesundheitsgefährdung bedeuten. „Die Kostenberechnung der FWE halten wir auch bei diesem Vorschlag für eine Luftnummer. Die Zahlen sind nicht belastbar.“ Sozialwohnungen auf dem Dach lehnen die Grünen ab, ebensowenig könnten sie sich vorstellen, dass sich Investoren fänden, die für Wohnen „im Zentrum des Schadstoffausstoßes“ Geld in die Hand nehmen. Schon bei der Diskussion um den Rosengarten habe sich aus Sicht der Grünen gezeigt: „Die Geschäftsleute wollen gar nicht mehr Parkplätze vor ihrer Tür.“

Die FWE stellt ihre Modelle am Montag, 9. Juli, ab 19 Uhr in den Schlossterrassen vor.




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