Kleines Polit-Gespräch : Grüne in Grebin beklagen zum Teil absurde Beschlüsse in der Gemeindevertretung

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Die Grebiner Ortsgruppe von Bündis 90/Die Grünen hat ein Modell mit der geplanten Bebauung auf dem Mühlenberg erstellt.
Die Grebiner Ortsgruppe von Bündis 90/Die Grünen hat ein Modell mit der geplanten Bebauung auf dem Mühlenberg erstellt.

Christian Scholz von Bündnis 90/Die Grünen wünscht sich einen klareren Dialog mit den Bürgern.

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22. März 2021, 16:36 Uhr

Im Rückblick auf die Kommunalwahl 2018 und im Hinblick auf die 2023 in Schleswig-Holstein anstehende Kommunalwahl stellt der Ostholsteiner Anzeiger neun identische Fragen an die jeweiligen Fraktionsvorsitzenden der Grebiner Gemeindevertretung, deren Antworten wir in lockerer Reihenfolge abdrucken. Heute stellt sich Christian Scholz, Vorsitzender der Grebiner Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, den Fragen.

Christian Scholz, Bündnis 90/Die Grünen in Grebin

Christian Scholz, Bündnis 90/Die Grünen in Grebin

 

Was läuft in Grebin gut?

Im Vordergrund steht die positive Einstellung der Menschen zum Ort. Wir sind mit unserem Kindergarten, den Vereinen und Verbänden und den zwei freiwilligen Feuerwehren ganz gut aufgestellt. Wann immer aufgerufen wird, sich zu engagieren und zu beteiligen, gibt es große Resonanz. Die Kommunalpolitiker sind sehr engagiert.


Was läuft in Grebin schlecht?

„Transparenz“. Aktuelle Beispiele sind die geplante Bebauung auf dem Mühlenberg und die Aufstellung eines Funkmastes. Die Mehrheit der Gemeindevertreter möchte offenbar unbequeme und strittige Themen am liebsten nicht mit den Bürgern teilen. Wer weiß denn schon, wie sich das geplante Bauvorhaben wirklich darstellt (siehe Foto, d. Red.), oder dass der öffentliche Zugang und Aufenthalt des Mühlenareals auf den Fußweg beschränkt ist. Der Mieter der Mühle hat das Hausrecht. Das sind doch wichtige Informationen für die Dorfgemeinschaft! Eine bereits beschlossene Info-Veranstaltung zur Entwicklung des Areals wurde ebenso abgesagt, wie eine Information durch eine Hauswurfsendung. Für das Bauvorhaben beginnt in Kürze die öffentliche Auslegung mit Bürgerbeteiligung, wo jeder Interessierte seine Stellungnahme abgeben kann.

Traurig ist, dass es beim Funkmast bis zu einem Bürgerbegehren kommen muss, damit die Anliegen von besorgten Bürgern Gehör finden. Da hatte die Gemeindevertretung über ein Jahr Zeit, in einen Dialog auf Augenhöhe zu gehen. Mit welchem Hintergrund zum Teil absurde Beschlüsse gefasst werden, ist sogar für mich als Gemeindevertreter oft nicht nachvollziehbar. So wurde zum Beispiel ein Antrag von einer Arbeitsgruppe für die Beschilderung eines Wanderweges abgelehnt, obwohl der Gemeinde keine Kosten entstanden wären. Was soll das?


Welche Projekte sollten zeitnah angeschoben werden?

Vorrangig sollten wir uns darauf konzentrieren, Altlasten abzuarbeiten, damit der Weg nach vorne frei ist. Es gibt Projekte, die von der Gemeindevertretung bereits beschlossen sind und in der Warteschleife stehen – die Änderung des Flächennutzungsplanes in Zusammenspiel mit einem Dorfentwicklungskonzept. Ich würde darin integrieren wollen, ein Klimaschutzkonzept und einen Handlungsplan zum Schutz unserer Natur. Das ist wichtig für unsere Gewässer – der Schluensee hat als einer der wenigen Klarwasserseen im Land eine besondere Bedeutung. Ein schönes Projekt ist, die Betreuungssituation für Kinder unseres Kindergartens zu verbessern und erweitern. Hier als Gemeinde noch mehr Unterstützung zu geben, ist eine Investition in unsere Kinder sowie Familien und kommt dem Gemeinwesen zugute. Meine Vision ist ein Neubau mit ansprechender Architektur, einem gelungenen Raumkonzept in Verbindung mit großzügigem, naturnah gestaltetem Außengelände.


Es wird erwartet, dass die Steuereinnahmen sinken: Welche Projekte müssen dann in Grebin verschoben werden?

Wir haben zurzeit kein größeres Projekt in Planung, das wir verschieben müssten. Unsere Haushaltslage war in den letzten Jahren stabil und ich bin zuversichtlich, dass wir das tägliche Geschäft weiterhin gut tragen können. Für teure Projekte brauchen wir zur Finanzierung Förderungen und Kredite.


Welche Entwicklung hat Grebin in den vergangenen Monaten oder Jahren verschlafen?

Wir haben von der Gemeinde kein Konzept, wie wir uns der Aufgabe „Klimaschutz“ stellen. Auch würde ich mich freuen, wenn wir uns über Zukunftsthemen austauschen und Antworten finden, wie wir in fünf, zehn und 20 Jahren leben, welche Werte uns wichtig sind, was wir uns für ältere Mitbürger und unsere Kinder wünschen. Antworten auf diese Fragen könnten im Bürger-Dialog gefunden werden.

Wie bewerten Sie das Klima in der Grebiner Kommunalpolitik?

Die Stimmung ist leider nicht gut. Wir sind ja die Neulinge in der Gemeindevertretung und mit viel Offenheit und Engagement ins Ehrenamt eingestiegen. Die Freude an dem Amt ist mittlerweile verschwunden. Ungelöste Konflikte, zum Teil aus der Geschichte, wirken nach und insgesamt scheint es oft, als sei einfach Sand im Getriebe. Da uns hier Veränderungen am Herzen liegen, haben meine Parteikollegin Nicole Langhangki und ich als einzigen Posten in den Haushalt 2021 eine Mediation beziehungsweise ein Coaching für die Gemeindevertretung eingebracht. Positiv ausgedrückt sehe ich hier noch ein deutliches Entwicklungspotenzial.


Begründen Sie bitte, warum Sie mit der Arbeit des Bürgermeisters zufrieden oder unzufrieden sind.

Herr Schuch hat in einigen Bereichen Kompetenzen, die gut für das Amt geeignet sind. Er möchte gerne der Gemeinde dienen und opfert sich zum Teil auf. Er ist im Dorf bekannt, gut vernetzt, bringt Dinge auf den Weg und hat den Wunsch, diese abzuschließen – ein Macher. Dennoch wirkt er manchmal überfordert. Es scheint, als wenn er kurz davor sei, bei manchen Themen die Übersicht zu verlieren. Ich finde, Herr Schuch ist mehr der Typ, klare Ausführungen abzuarbeiten, als den Prozess zu gestalten und zu leiten. Sonst wertschätze ich, was er sich zumutet und welche Verantwortung er auf sich genommen hat.


Bewerten Sie bitte in Schulnoten: Wo befindet sich Grebin mit Stand heute?

Ausreichend – eine 4.

Warum haben Sie für Grebin diese Note vergeben?

Damit klar wird, dass wir in der Kommunalpolitik der Gemeinde Grebin wirklich noch deutlich Luft nach oben haben – die Fahnenstange ist noch hoch.

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