Plön : Grüne Impulse für Jugendliche

Engagieren sich für Jugend und Natur: (v.l.) Kurt Bendlin, Dr. Brigitte Varchmin, Claus-Peter nebendahl, Dörte Peters, Heike Schlottau, Anne Benett-Sturies. Foto: Hiller
Engagieren sich für Jugend und Natur: (v.l.) Kurt Bendlin, Dr. Brigitte Varchmin, Claus-Peter nebendahl, Dörte Peters, Heike Schlottau, Anne Benett-Sturies. Foto: Hiller

Fachtagung auf dem Koppelsberg beschäftigte sich gestern mit dem Thema "Naturerfahrung hilft benachteiligten Jugendlichen"

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22. September 2011, 12:04 Uhr

Plön | Sie haben einen PC, ein Handy und eine Spielekonsole. Doch den Kontakt zu sich selbst haben viele Jugendliche lange verloren. Doch wer sich nicht kennt, wertschätzt und weiß, wo er hin will, geht irgendwo zwischen den Anforderungen und den vielen Möglichkeiten der Leistungsgesellschaft verloren.

"Benachteiligte Jugendliche" werden sie dann genannt. "Aber viele sehen lieber weg, als sich der schwierigen Aufgabe anzunehmen ihnen Perspektiven aufzuzeigen und einen Weg ins Arbeitsleben zu erschließen", sagt Anne Benett-Sturies vom Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein. Um das anders zu machen, trafen sich gestern Vertreter der verschiedensten Einrichtungen für Jugendsozialarbeit und Umweltbildung zu einer Fachtagung unter dem Titel: "Statt Dschungel-Camp - Naturerfahrung qualifiziert benachteiligte Jugendliche für das Arbeitsleben". In die Evangelische Bildungsstätte Koppelsberg eingeladen hatten das Sozialministerium und das Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holstein, der Verein WALK (Werkstatt für Arbeit, Landschaft und Kultur) und das Nordelbische Jugendpfarramt sowie das Natur-Bildungszentrum. An diesem Tag sollten neue Impulse gegeben und Kooperationen geschlossen werden. Außerdem stellten die Einrichtungen sich vor, die diesen Ansatz in ihrer täglichen Arbeit bereits umsetzen. Warum die Idee, Jugendsozialarbeit und Naturerfahrung zu vereinen, so effektiv sein kann, erklärt Dr. Brigitte Varchmin vom Landwirtschaftsministerium: "Das Sich-Erleben in der Natur ist so wichtig, weil wir doch selbst ein Stück Natur sind und viele junge Menschen einfach keine Wurzeln mehr haben. In der Natur erfährt man sich selbst wieder - oder überhaupt zum ersten Mal." Und Benett-Sturies fügt hinzu, dass nur die Maßnahmen langfristig wirksam seien, die in der Persönlichkeit des Menschen wirken.

Diese Erfahrung hat auch Claus-Peter Nebendahl (WALK) mit seinem Projekt "Jugend auf der Grünen Walz" gemacht: "Durch die Erlebnispädagogik und die Naturerfahrung haben wir eine Chance, die Jugendlichen überhaupt wieder zu erreichen."

Das ist bei den WALK-Schützlingen auch besonders notwendig, denn sie sind

"gescheiterte Bildungskarrieren" und das Projekt deren letzte Chance. Eine Chance, die deutlich mehr als die Hälfte der Jugendlichen aktiv nutzen.

So wie Jan Möller, der seit Februar im Projekt "Natur und Technik" - eine Maßnahme der Neue Arbeit Nord - Kontakte zur Natur knüpfte. "Ich habe Einblicke in ein neues Berufsfeld bekommen. Jetzt möchte ich Garten- und Landschaftsbau lernen", berichtet der 21-Jährige stolz. Denn in der Natur sei er ganz in seinem Element.

Ob auf dieser Fachtagung weitere Erfolgsgeschichten auf den Weg gebracht werden konnten, wird die Zukunft zeigen. Eines beweist diese Veranstaltung aber schon jetzt: Naturerfahrung kann benachteiligte Jugendliche für das Arbeitsleben qualifizieren.

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