Großfeuer auf Recyclinghof

Bis zu 160 Feuerwehrleute waren in Lensahn gleichzeitig im Einsatz. Fotos: Arne Jappe
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Bis zu 160 Feuerwehrleute waren in Lensahn gleichzeitig im Einsatz. Fotos: Arne Jappe

Ein Berg aus Schrott und Elektrogeräten auf dem Gelände der Firma Milon ist gestern Morgen in Brand geraten

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14. August 2018, 11:25 Uhr

Bei einem Großfeuer, das gestern Morgen auf dem Recyclinghof der Firma Milon ausbrach und gestern Abend gegen 19 Uhr gelöscht war, sind mehrere Tonnen Metallschrott und auch Elektrogeräte verbrannt. Die Feuerwehren waren mit einem Großaufgebot vor Ort, teilweise 160 Kräfte. Anwohner wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Autobahn 1 wurde durch Polizei und Straßenmeisterei in beide Richtung gesperrt und erst gegen 15 Uhr wieder freigegeben.

Es war kurz vor 6 Uhr, als ein Notruf bei der Leitstelle einging. Unratbrand war die Meldung für die Einsatzkräfte der Feuerwehr Lensahn. Doch aus dem vermeintlichen Müllbrand wurde schnell eines der größten Feuer in der Geschichte der Gemeinde Lensahn.

Dem Einsatzleiter, Gemeindewehrführer Hartmut Junge, war sofort klar, dass Verstärkung gebraucht wurde. In kurzer Zeit waren 80 Einsatzkräfte auf dem Firmengelände im Lensahner Gewerbegebiet nahe der Autobahn im Einsatz.

„Wir hatten mit der Wasserversorgung massive Probleme, auf einmal kam kein Wasser mehr“, berichtete Amtswehrführer Michael Bendt. Daraufhin wurden Löschfahrzeuge aus Putlos, Oldenburg, Neustadt, Schönwalde und die Firma Sönke Jordt aus Ratekau mit Wassertanks und 24 000 Litern an Bord alarmiert.

Den Einsatzkräften wies ein riesiger, schwarzer Rauchpilz den Weg. Immer wieder explodierten Gasflaschen und auch Elektrogeräte in dem Schrotthaufen, eine erhebliche Gefahr für die Feuerwehrleute. Auch von der Autobahnseite mussten die Fahrzeuge im Pendelverkehr die dortige Böschung löschen. Daraufhin entschied die Polizei, die Autobahn komplett zu sperren.

Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Da anfangs nur eine Schlauchleitung Wasser an der Einsatzstelle brachte, konnte sich das Feuer seinen Weg bahnen.

Inhaber Sönke Milon musste verzweifelt mit ansehen, wie das Feuer immer größer wurde. Die Mitarbeiter vom Recyclinghof versuchten mit Greifbaggern den Schrott auseinander zu bekommen. Doch dies gelang nicht, da die Hitzeentwicklung zu groß war. So musste Milon mit ansehen, wie sich das Feuer immer mehr in Richtung seines Geschäftsgebäudes ausbreitete.

Nach und nach gelang es dann den Feuerwehren, weitere Schlauchleitungen zu legen, mit denen die beiden Drehleitern und Einsatzkräfte versorgt wurden. Der bei Metallbränden ratsame Einsatz von Schaummittel löste im ganzen Land Nachfragen aus: Nachdem dem Löschwasser immer mehr Schaummittel beigemischt wurde, organisierte die Integrierte Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe den Transport von 10 000 Litern Schaummittel aus allen Landesteilen nach Lensahn, und unterstützt wurde der Einsatz auch
von der Berufsfeuerwehr Lübeck mit einem Fahrzeug
und einem „Abrollbehälter Schaum“.

Eine gute Nachricht: Rauchgasmessungen in der Gemeinde ergaben keine bedenklichen Werte. Die Bürger in der Nähe des Brandortes hatten indes mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen: Eine 110 000-Volt-Leitung, die direkt über den Recyclinghof läuft, wurde wegen des riesigen Gefahrenpotenzials für die Einsatzkräfte abgeschaltet. Von dem Stromausfall waren mehrere Tausend Haushalte in Teilen von Lensahn, Grömitz, Kellenhusen, Cismar, Klostersee, Kabelhorst, Riepsdorf, Koselau, Manhagen, Lenste und Lensterstrand betroffen.

Die Schleswig-Holstein Netz AG hatte durch Umschaltungen in den Mittelspannungsnetzen versucht, in den umliegenden Gemeinden die Versorgung in Richtung der ursprünglich von dem Stromausfall betroffenen Region so weit wie technisch möglich wiederherzustellen. Notstromaggregate wurden aus Segeberg und Ahrensburg geholt. Außerdem wurde das Technische Hilfswerk (THW) um 10.30 Uhr angefordert: Die Fachgruppen Elektroversorgung und Bergungsgruppen, die mit ihren Netzersatzanlagen Strom einspeisen können, wurden mit sechs Netzersatzanlagen aus den Ortsverbänden Hamburg-Wandsbek und -Bergedorf, Bad Segeberg und Eutin zusammengeführt, weitere Helfer mit zusätzlichen Stromaggregaten voralarmiert. Davon waren auch Einsatzkräfte aus Bremen-Niedersachsen betroffen.

THW-Helfer aus Lübeck stellten mit einer weiteren Netzersatzanlage den Betrieb des Klärwerkes Cismar-Lenste sicher. Der Ortsverband Neustadt versorgte mit seinem Aggregat einen Funkmast. Zur Verpflegung der THW-Helferschaft und weiterer Einsatzkräfte wurde die Fachgruppe Logistik des THW-Ortsverbandes Preetz und die Fachgruppe Logistik aus Bad Oldesloe angefordert. Laut Meldung der Schleswig Holstein Netz AG war die Stromversorgung um 18.51 Uhr wieder lückenlos hergestellt, laut Polizei der Brand um 19 Uhr gelöscht.

Wieso das Feuer auf dem Schrottplatz ausbrach, war gestern noch unklar. Die Kriminalpolizei ermittelt. Zur Schadenshöhe gab es gestern ebenfalls noch keine Angaben.

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