Große Welle der Hilfsbereitschaft

Wiege, Lampen, Kinderrad: Julia Storim (v.l.), Janina Smith sowie Tobias und Anika Ingelmann organisierten die Spenden.
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Wiege, Lampen, Kinderrad: Julia Storim (v.l.), Janina Smith sowie Tobias und Anika Ingelmann organisierten die Spenden.

Mehr als 20 Kubikmeter an nützlichen Dingen spendeten Menschen aus Eutin und Umgebung für Flüchtlinge

shz.de von
21. Januar 2015, 11:26 Uhr

Es ist beeindruckend, was die Freiwilligen rund um Janina Smith in so kurzer Zeit für die Flüchtlinge auf die Beine gestellt haben: Mehr als 60 Umzugskartons und rund 65 Säcke mit Herren-, Damen- und Kinderkleidung, Küchenutensilien und Spielsachen sortierten sie der Größe nach im Foyer der Schlossterrassen. Ihre größte Angst: „Wir müssen alles wieder mit nach Hause nehmen, weil keiner kommt.“

Doch als sich kurz vor zehn – wie angekündigt – die Türen öffneten, kamen die ersten Flüchtlinge aus Albanien, Serbien und Syrien. Zaghaft betraten sie den Raum, nur Bojan (33) konnte etwas Deutsch und dolmetschte für die anderen. Seine schwangere Frau Marija (24) und er suchten hauptsächlich Sachen für ihre Tochter, die im Februar zur Welt kommen soll, sowie die dreijährigen Zwillinge, die in ihrem neuen Zuhause in Eutin auf sie warteten. „Wie viel müssen wir dafür bezahlen?“, übersetzte er die Frage seiner Frau, als sie dabei war, die zweite Tüte mit Babysachen zu füllen. „Gar nichts, nehmen Sie mit, was Sie gebrauchen können“, sagte Janina Smith. Die beiden strahlten und sagten „Danke“. Strahlende Kinderaugen schauten die Helfer aus den Gesichtern von Katja (5) und Marisol (6) an, als sie zwei rosafarbene Fahrräder für sich entdeckten. Mit jedem weiteren Spielzeug kamen die Mädchen und fragten, ob sie es mitnehmen dürften. Ihre Familie aus Albanien hatte wie andere Flüchtlingsfamilien auch über einen Infozettel der Stadt von der großen Spendenaktion erfahren. „Doch der war nur auf Deutsch, sie konnten ihn nicht verstehen“, sagte Kathrin Fischer. Sie ist die Nachbarin der Familie in der Riemannstraße, die sich auch sonst um die Kinder kümmert, Deutsch beibringt und versucht zu helfen. Fischer: „Sie haben ja wirklich gar nichts, da ist so etwas hier schon toll.“ Katja und Marisol konnten ihrer Freude nur mit Gesten Ausdruck verleihen. Doch genau diese Momente waren es, die Smith und ihre Helfer Tobias und Anika Ingelmann glücklich machten. Am Ende kamen rund 20 Flüchtlinge, darunter viele Männer, die für die ganze Familie Sachen suchten.

Anika Ingelmann hatte von der Spedition Rosenbaum die Umzugskartons sowie den großen Transporter organisiert. Ingelmann: „Insgesamt waren es rund 20 Kubikmeter, die wir hier hergebracht haben.“ Durch ihre Arbeit bei der Tafel ahnt sie, weshalb nur knapp die Hälfte der im vergangenen Jahr aufgenommenen Flüchtlinge gekommen ist: „Sie schämen sich wohl für ihre Bedürftigkeit.“

Zu dieser wohltätigen Aktion kamen die Helfer eher spontan. Bereits im November hatte der OHA vom Spendenaufruf zweier junger Mütter berichtet, die aufgrund unserer Berichterstattung etwas für die Neuankömmlinge in Eutin sammeln wollten. Janina Smith vom Sonnenstudio am Rehorst bot ihren Keller als Lagerstätte an. „Danach meldeten sich die beiden nicht mehr bei mir, der Spendenberg aber wuchs und wuchs“, erzählte Smith. Wer es nicht über die Facebook-Gruppe „Eutiner verschenken“ erfuhr, den sprach Smith an. „Wir wollten einfach, dass es jetzt auch zu den Menschen kommt, die es wirklich brauchen.“

Das Problem: Die Stadt hat laut Julia Lunau vom Ordnungsamt keine Lagerkapazitäten für Spenden. Für Smith und Helfer heißt das: Alles, was übrig bleibt, wieder einpacken und anderweitig verteilen, wenngleich es nur eine Frage der Zeit ist, bis wichtige Sachen wie Küchenutensilien und Kleidung wegen der hohen zu erwartenden Flüchtlingszahl in diesem Jahr benötigt werden. „Einen Großteil wollen wir zur DRK-Kleiderkammer bringen, wo sich die Flüchtlinge die Sachen kostenlos abholen können, der Rest geht wohl an die Flüchtlinge nach Lütjenburg“, sagt Smith.

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