Neustadt/Holstein : Große Pläne fürs Umwelthaus

Ein erstes Modell zeigt, wie die Planer sich die Zukunft des Hauses vorstellen. Jede Ebene soll barrierefrei sein, ein Fahrstuhl die Stockwerke miteinander verbinden. Noch sind die Planungen aber nicht final.
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Ein erstes Modell zeigt, wie die Planer sich die Zukunft des Hauses vorstellen. Jede Ebene soll barrierefrei sein, ein Fahrstuhl die Stockwerke miteinander verbinden. Noch sind die Planungen aber nicht final.

Aus- und Umbau zu einem Zentrum für Meeresschutz und Waldökologie / Vier Millionen Euro Bundesmittel bis 2022 bereitgestellt

shz.de von
26. Juli 2018, 10:54 Uhr

Ein Zentrum für Meeresschutz und Waldökologie soll es werden: Das in die Jahre gekommene Umwelthaus des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bekommt eine Frischzellenkur. Ermöglicht haben das der Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens, die parlamentarische Staatssekretärin beim Finanzminister, Bettina Hagedorn, sowie weitere Mitglieder des Haushaltsausschusses des Bundestages. Sie stellten Bundesmittel von knapp vier Millionen Euro für den Aus- und Umbau des BUND-Umwelthauses Neustädter Bucht bereit (wir berichteten).

Am Mittwochabend informierte sich Gädechens über den Stand der Planungen. Der historische Teil des Hauses soll erhalten bleiben; er habe „eine erhebliche Bedeutung für Neustadt“, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Ole Eggers über charakteristische Gebäude an der Strandpromenade. Das Gebäude wurde 1925 als Waldschänke direkt am Strand erbaut, während der NS-Zeit diente es als „Haus des Deutschen Mädels“, seit Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1991 wurde es vom Jugendaufbauwerk genutzt. Seit 1992 ist der BUND Hausherr, während die Stadt weiterhin Eigentümerin ist.


Öffentliches Infozentrum

Während das Alte bleibt, muss der neuzeitliche Anbau weichen. Hinter dem historischen Backsteingebäude soll laut Eggers ein Neubau entstehen und sich ebenengleich an den Altbau anpassen. Die Zeiten von Treppen und Verwinkelungen sollen damit passé sein. Barrierefreiheit strebt der BUND auch mit einem Fahrstuhl an, der die Stockwerke miteinander verbindet. Das Platzangebot wird erweitert; soweit, dass Kinder, Jugendliche und ihre Betreuer im Haus jeweils gruppenweise auf einer Etage untergebracht werden können. Im Erdgeschoss sind Seminarräume angedacht und zur Promenadenseite hin der öffentlich zugängliche Bereich – ein Infozentrum. „Mit größeren Räumen können nicht nur mehr Schüler untergebracht werden, sondern das Umwelthaus als BUND-Akademie auch in der Erwachsenenbildung bundesweit eine wichtige Rolle spielen“, sagte Eggers.

Die Einrichtung wächst somit. Am Ende des Umbaus sollen 64 Betten bereit stehen – derzeit sind es 44. Mit dem Plus an Platz soll die Zahl der Mitarbeiter von aktuell drei auf zwölf steigen, sagte Hauschefin Martina Stapf.

Die Pläne erhalten viel Zuspruch: Das Haus sei ein „Leuchtturmprojekt der Umweltbildung“, so Ingo Gädechens. Die BUND-Landesvorsitzende Dr. Claudia Bielfeldt sprach von einer „Perle, die wir hier haben“. Und Dr. Tordis Batschneider, Neustadts scheidende Bürgermeisterin, ergänzte: „Das Haus ist eine Institution für Neustadt. So einen Standort für Umweltbildung gibt es ansonsten kaum.“ Auch die Kreistags-Mitglieder Sebastian Schmidt und Dirk Vowe sprachen von den positiven Effekten des Umwelthauses für die Region, insbesondere, wenn Kinder später mit ihren Kindern wieder in das Haus zurückkehren würden.


Baustart 2019 angepeilt

Bis das Umwelthaus umgebaut und erweitert ist, ist es aber noch ein weiter Weg. 2019 soll der Umbau nach einer Änderung des Bebauungsplans beginnen. Ein Erbpachtvertrag „mit günstigen Konditionen“ soll dem BUND es langfristig ermöglichen, das Haus zu betreiben, so Batschneider. Die Bürgermeisterin und Stadtvertreter signalisierten bereits Kooperationsbereitschaft für die BUND-Pläne.

Die Fertigstellung des neuen Umwelthauses ist 2021/2022 geplant. Analog zu den Bauphasen sollen die Gelder fließen: Bereits in diesem Jahr 180 000 Euro, damit der BUND der Stadt das Haus abkaufen kann; 2019 folgen 450 000 Euro für die Bauvorbereitungen (europaweite Ausschreibungen und Co.), 2020 gibt es 1,2 Millionen, im Jahr darauf fließen 1,5 Millionen Euro. 2022 sind noch 670 000 Euro eingeplant; mit der Summe sollen die verbleibenden Außenanlagen fertiggestellt werden. Der BUND plant, bereits 2021 die erste Saison mit einer zweizügigen Kinder- und Jugendarbeit sowie der Erwachsenenbildung zu starten.

Ziel sei es, Meeresschutz und Waldökologie zu verbinden. Kein Wunder: Die Ostsee liegt direkt wenige Meter vor der Tür, ein kleines Waldstück direkt nebenan. „Umweltbildung in dieser Form wird so nicht oft dargestellt“, sagte Eggers. Die Vision: ein inklusionsfähiger Baumpark. „Das soll kein Kletterpark werden, sondern ein Wald-Info-Park in verschiedenen Etagen“, so Eggers. Doch bevor es soweit ist, müssen für den (Um-)Bau erst noch sechs bis acht Bäume weichen. „Wir sorgen aber für Ausgleich“, verspricht Eggers.

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