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Gemeinde Malente : Große Koalition für den Kiesabbau

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kreuzfeld: Zusätzliches Schallgutachten verzögert die Planungen für ein zusätzliches Abbaugebiet zwar, hält diese aber nicht auf

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2017 | 18:20 Uhr

Abermals hat sich der Planungsausschuss bei seiner Sitzung am Mittwochabend mit der geplanten Ausweitung des Kiesabbaus in Kreuzfeld und damit mit einem hochumstrittenen Thema befasst. Kein Wunder, dass das Abstimmungsergebnis mit 5:4 Stimmen nur knapp zu Gunsten der Planung ausfiel. SPD und CDU bildeten quasi eine große Koalition und stimmten dafür, FDP, Grüne, FWM und Bürger-Innen für Malente  (BfM)  dagegen.

Nötig geworden war die Sitzung vor allem, weil das Land ein Schallgutachten eingefordert hatte und nun eine erneute Auslegung der
11. Änderung des Flächennutzungsplans nötig wird. Dies inzwischen angefertigte Gutachten belegt, dass der beabsichtigte Kiesabbau auf einer elf Hektar großen Fläche westlich des Holmer Wegs keinen übermäßigen Lärm für umliegende Wohnbebauung, Hotel- und Beherbergungsbetriebe sowie das Osterberg-Institut in Niederkleveez verursachen wird. Der von der Gemeinde beauftragte Planer Andreas Nagel vom Planungsbüro Ostholstein machte keinen Hehl daraus, dass er das Gutachten für unnötig hält. „Es war für mich offenkundig, dass ein Schallkonflikt nicht eintreten kann.“ Der Grund aus Nagels Sicht: Flächen, auf denen bereits Kiesabbau betrieben wird, liegen deutlich dichter an Siedlungen als das neue Gebiet.

Das mochte Günther Kruse von der Bürgerinitiative gegen den Kiesabbau so nicht stehen lassen. Er sei sich nicht so sicher, dass es bei den ande-ren Flächen überhaupt ein Schallschutzgutachten gegeben habe, erklärte Kruse, der in Oberkleveez einen Ferienhof  betreibt.

An dem Schallschutzgutachten entzündete sich Streit im Ausschuss. BfM-Fraktionsvorsitzende Dagmar Nöh-Schüren störte sich daran, dass der Gutachter sich bei seinen Schallmessungen auf Angaben der Kiesgruben-Betreiber gestützt habe, ob die Anlagen zum Zeitpunkt der Messung in Betrieb waren. „Ich muss mir doch als Gutachter vergegenwärtigen, dass die Anlagen in Betrieb sind“, empörte sich Nöh-Schüren und erntete damit vielfältigen Widerspruch.

Ausschussvorsitzender Jürgen Redepenning warf ihr vor, sie unterstelle, der Gutachter habe keine korrekte Arbeit gemacht. „Das ist schon ganz schön happig.“ Bürgermeisterin Tanja Rönck verteidigte den Gutachter, der im Sachverständigenverzeichnis der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck geführt werde: „Der hat einen Ruf zu verlieren.“ Nagel sprach ebenfalls von einem „anerkannten Gutachter“. Auf Nachfrage von David Kardell (Grüne) erklärte Nagel, es sei üblich, dass Gutachten vom Betreiber in Auftrag gegeben würden.

Zahlreiche Einwände gegen Formulierungen in der Abwägung machte FDP-Fraktionschef Wilfred Knop, zugleich Dorfvorsteher in Kreuzfeld, geltend. Besonders die Feststellung, in der Nähe der Kiesgrube finde Tourismus „nur in sehr untergeordneter Form“ statt, stieß bei ihm auf Kritik. „Ich sehe da genug Leute laufen. Wie kommen Sie zu der Erkenntnis?“, fragte er Nagel. Als Nöh-Schüren in die gleiche Kerbe schlug und die Frage nach einem „empirischen Beweis“ stellte, reagierte Nagel genervt: „Sie können gerne noch ein Gutachten machen.“ Schließlich kam man überein, das Wörtchen „sehr“ aus der Formulierung zu streichen.

Wenig überraschend tauchten trotz der intensiven Diskussion am Ende keine neuen Argumente auf, die Gegner oder Befürworter zum Umdenken bewegt hätten. Eine Befriedung werde ohne ein Mediationsverfahren nicht eintreten, sagte Dagmar Nöh-Schüren voraus. Redepenning verband das mit einer leisen Hoffnung: „Vielleicht fängt ja noch mal jemand an mit einer Mediation.“ Entsprechende Bemühungen waren bislang im Sande verlaufen.

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