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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 04:29 Uhr

Malente : „Großdemo“ ohne Demonstranten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Initiator einer Kundgebung gegen Pädophile sagt die Veranstaltung mangels Teilnehmern ab.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2015 | 17:24 Uhr

Malente | Sie war als Großdemo angekündigt, doch die Veranstaltung gehörte definitiv zu den kleinen ihrer Art: Eine Handvoll Demonstranten versammelten sich am vergangenen Sonnabend gegen 13 Uhr vor dem Malenter Bahnhof, um für eine härtere Bestrafung von Pädophilen einzutreten.

Eigens aus Lübeck zur Demo angereist war Tim Kiefer, aber nicht, um zu demonstrieren, sondern um die Veranstaltung für das „Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus“ zu beobachten. Demo-Initiator Enrico Pridöhl stehe der NPD nahe, erklärte Kiefer.

Zwar hatte Pridöhl, der in der ostholsteinischen Gemeinde Neukirchen wohnt und seinen Wohnsitz einst in der Gemeinde Malente hatte, mit einer Annonce in einem örtlichen Anzeigenblatt sowie in einschlägigen Facebook-Gruppen für seine Demo geworben, doch offenbar stieß er auf keine Resonanz. Lediglich ein älterer Herr fragte die Polizei irritiert, wo er denn die Demo finde.

Pridöhls Plan war es, den Demonstrationszug durch den Ort zu führen und eine Kundgebung vor dem Rathaus abzuhalten, doch angesichts der ausbleibenden Unterstützung sagte er das Vorhaben ab: „Ich höre auf, das bringt nichts“, erklärte er um 13.15 Uhr sichtlich frustriert den beiden Polizeibeamten, die gekommen waren, um einen friedlichen Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten.

Auf Widerhall stieß Pridöhl nicht einmal bei Gegnern rechtsextremen Gedankenguts. Damit blieb Malente ein Szenario wie am gleichen Tag in Bad Bramstedt und Boostedt erspart. Dort riefen zeitweise sechs NPD-Anhänger laut Polizei bis zu 150 Gegendemonstranten auf den Plan. Mehr als 60 Beamte waren im Einsatz, davon 30 Angehörige der Eutiner Bereitschaftspolizei.

Bereits im Februar hatte Pridöhl im brandenburgischen Prenzlau eine Anti-Pädophilen-Demo angemeldet, zu der nur drei Demonstranten, deutlich mehr Gegendemonstranten und bis zu 100 Polizeibeamte erschienen. Der einsame Demonstrant macht offenbar trotzdem unverdrossen weiter. Seine nächste Demo habe er bereits geplant, erklärte er. Sie soll allerdings nicht in Ostholstein stattfinden.

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