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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 14:27 Uhr

Eutin : Grenzen kennenlernen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Sicher zum Einsatz und zurück – damit das gelingt, konnte zum ersten Mal Feuerwehrleute aus dem Kreis Ostholstein bei der Fahrschule der Bundeswehr in Eutin ihre Fahrzeuge „erfahren“.

Die Fahrbahn ist ein See. Das Wasser steht zentimeterhoch auf dem Asphalt. Steffen Wache pflügt mit dem Einsatzwagen der Feuerwehr Hansühn-Testorf durch die Fluten. Und tritt in die Bremse. Mit voller Wucht bei Tempo 50. Sein 14-Tonner rutscht – und kommt erst einige Meter später zum Stehen. „Ich bin überrascht, was Technik leisten kann“, sagt Wache über ABS und Co. Seine Wehr hat Glück, der „HLF Rosenbaum AT“ ist nagelneu; ein Fahrzeug älterer Bauart benötigt deutlich mehr Zeit zum Halten. „Das ist wichtig zu wissen“, sagt Wache, schließlich habe man bei einer Einsatzfahrt nicht nur die Verantwortung für das 200 000 Euro Gefährt, sondern auch für neun weitere Kameraden, die in dem Fahrzeug mit zum Einsatz fahren, so Wache.

Die Technik beherrschen, mögliche Ängste vor Ausnahmesituationen abbauen – das ist Sinn und Zweck von Fahrtrainings wie es sie für Autofahrer schon seit langer Zeit gibt. Für Feuerwehrleute wurde jetzt ein solches ins Leben gerufen – erstmalig konnten zwölf Mann aus sechs Wehren aus dem Kreis Ostholstein auf dem Gelände der Fahrschule der Bundeswehr in Eutin testen, wie ihr Fahrzeug unter extremen Bedingungen reagiert.

Und in dem Pilot-Training ging es vor allem darum, Bremswege einzuschätzen und das Verhalten der Fahrzeuge im wahrsten Sinne des Wortes zu erfahren.

„Jeder soll seine Grenzen kennenlernen“, sagt Oliver Baum (kl. Foto oben), Sicherheitsbeauftrager des Kreisfeuerwehrverbandes. Zusammen mit Volker Wonrath (kl. Foto unten), „Spieß“ im Kraftfahrausbildungszentrum der Bundeswehr und aktives Mitglied der Gemeindewehr Krems-Dazendorf, stellte er den ersten Lehrgang auf die Beine. Zwar gibt es bereits seit fünf Jahren Schulungen insbesondere für ältere Feuerwehrleute mit Führerschein der Klasse 2 ohne Fahrpraxis, doch erst jetzt wurde dem Wunsch nach einem separaten Fahrtraining Rechnung getragen.

„Die Feuerwehrfahrzeuge werden immer größer“, sagt Baum; zudem sei es wichtig, sicher zum Einsatzort zu kommen und wieder zurück“. Bei der Kraftfahrausbildungszentrale der Bundeswehr in Eutin konnte das Dutzend Feuerwehrleute der Wehren aus Oldenburg, Lensahn, Malente, Nüchel und Süderort auf Fehmarn jetzt den hiesigen Übungsplatz nutzen. Dazu wurde ein Teil „geflutet“. Aus Tempo 30, später aus 50 Stundenkilometern mussten die mitgebrachten Fahrzeuge abgebremst werden. Zunächst noch auf festem Untergrund, später auch auf einem speziellem Belag, der unter Nässe das berüchtigte „Bauernglatteis“ simuliert.

„Dass ich soweit gerutscht bin, hätte ich vorher nicht gedacht“, sagt Markus Bischoff nach seiner Bremsung aus Tempo 50. Es sei schon eine Grenz-Erfahrung gewesen. „Das kann man nur hier erleben“, sagt das Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Hansühn-Testorf über den Test.

Insgesamt acht Stunden lang wurden die Feuerwehrleute geschult. Dazu stand Bundeswehr-Fahrlehrer Vilker Stolley bereit. Neben der Praxis gab es auch Theorie rund um Reaktionszeit und Bremsweg – Dinge, die viele zuletzt bei der Führerscheinprüfung gehört haben. „Das ist ein strammes Programm“, sagt Volker Wonrath. Auch der Feuerwehr-Nachwuchs solle bald an diesen Trainings teilhaben können. Denn es soll nicht das erste und letzte gewesen sein, sagt Wonrath.

Für die Wehren im Kreis sei der Übungsplatz der Bundeswehr nur von Vorteil, sagt Oliver Baum. Ansonsten müsste die Ausbildung an weiter entfernten Orten in Schleswig-Holstein stattfinden.

 

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erstellt am 17.Nov.2014 | 11:45 Uhr

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