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Mierendorff-Stiftung : Greifvogelstation vor dem Ende?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Mierendorff-Stiftung hat finanzielle Sorgen. Vorstandsmitglied Günter Kurz bittet um Unterstützung für den Schutz von Wildtieren.

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erstellt am 25.Mai.2016 | 15:15 Uhr

Er zappelt, er kreischt und er hackt mit seinem spitzen Schnabel nach den Händen, die ihn festhalten. Der Sperber ergibt sich nicht kampflos seinem Schicksal, doch Thomas Paul hat den zeternden Vogel fest im Griff. Nach über zehn Jahren Mitarbeit bei der „Stiftung Elisabeth Mierendorff“ weiß der 60-Jährige mit widerspenstigen Greifvögeln umzugehen, denn: „Wenn so ein Vogel zupackt, dann merkt man das“, berichtet Paul aus eigener Erfahrung. Es sind nur wenige Handgriffe, dann hat der wehrhafte Sperber auch schon seinen Ring am Bein und ist bereit für die Freiheit.

Seit 14 Jahren pflegen die Mitarbeiter der „Stiftung Elisabeth Mierendorff – Hilfe für Tiere in Not“ in Kasseedorf kranke und verletzte Wildtiere. Doch jetzt fürchtet Vorstandsmitglied Günter Kurz um die Zukunft der Stiftung: „Unter den jetzigen Voraussetzungen werden wir bald nicht mehr helfen können“, sagt Kurz.

Elisabeth Mierendorff – wohlhabende und tierliebende Eutin-Fissauerin – hatte testamentarisch verfügt, einen Teil ihres Nachlasses für den Tierschutz einzusetzen. Nach ihrem Tod im Jahre 1999 veranlasste der pensionierte Amtsrichter und enge Freund der Familie, Harry Kurz, als Testamentsvollstrecker die Gründung der Stiftung zum Schutz geschädigter Tiere. Dessen Sohn, Günter Kurz, ist seit über 30 Jahren in der Uhuhege engagiert und zudem Vorstandsmitglied der Stiftung. „Wir helfen grundsätzlich allen Tieren, die in Not sind, versorgen aber hauptsächlich Tag- und Nachtgreifvögel“, erklärt der 72-Jährige. Diese würden immer häufiger Opfer von Straßenverkehr und Windrädern. Einige Tiere verenden infolge ihrer Verletzungen, andere – wie das Sperberweibchen, das sich im November an einer Autoscheibe den Flügel gebrochen hatte – werden in der Mierendorff-Stiftung medizinisch versorgt und finden nach einigen Monaten den Weg zurück in die Natur. Aber auch Rehkitzen, Frischlingen, Füchsen, Steinmardern und Waschbären wurde die Fürsorge von Günter Kurz und Thomas Paul schon zuteil: „Wir kennen für jedes Wildtier die entsprechenden Spezialisten und Wildtierstationen. Wir arbeiten eng mit der Wildtierhilfe Preetz und der Tierhilfe Stolpe zusammen“, sagt Kurz. Insbesondere in den nächsten Wochen rechnet das Vorstandsmitglied mit mehr „Notfällen“: „Jetzt fängt die Zeit an, in der die Leute alles an kleinen Tieren aufsammeln, was sie sie in der Natur finden.“ Nicht immer handle es sich dabei aber um verletzte oder verlassene Tiere, erklärt Kurz: „Die Eltern legen die Jungtiere auch manchmal einfach nur ab, um Futter zu suchen.“ Für solche Fälle und bei Fragen stehen Günter Kurz und seine Mitarbeiter mit Rat und Tat zur Seite. Auch Schülergruppen können sich in kleinen Führungen die Arbeit der Ehrenamtler und die gefiederten Patienten ansehen. Günter Kurz mag diesen Teil seiner Arbeit ganz besonders: „Kinder kann man ganz anders erreichen, sie sind sehr wissbegierig.“

<p>Der Flügel ist verheilt: Günter Kurz und Thomas Paul (v.li.) werfen noch einen prüfenden Blick auf den Sperber, bevor er wieder in die Freiheit entlassen wird.</p>

Der Flügel ist verheilt: Günter Kurz und Thomas Paul (v.li.) werfen noch einen prüfenden Blick auf den Sperber, bevor er wieder in die Freiheit entlassen wird.

Die Finanzierung der Stiftungsarbeit erfolgte bislang über die Einlagenzinsen des Nachlasses Elisabeth Mierendorffs. Bei einem Zinssatz von null Prozent stehen die insgesamt acht ehrenamtlichen Mitarbeiter der Stiftung jedoch vor einem finanziellen Problem. Günter Kurz: „Wir benötigen 30  000 bis 35  000 Futterküken pro Jahr. Das entspricht einem finanziellen Bedarf von 5000 Euro.“ Die Pflege- und Aufzuchtstation umfasst drei große Flugvolieren und zusätzlich zwei kleine Volieren. Für Kurz völlig unverständlich: „In fast allen Bundesländern gibt es vom Land geförderte Wildtierstationen. In Schleswig-Holstein gibt es nur private Auffangstationen, die alle Kosten selbst tragen müssen.“ In den vergangenen sechs Jahren verzeichnete die Stiftung Elisabeth Mierendorff insgesamt 185 Pflegefälle: 111 Nachtgreife – darunter Waldkauze (53) und Uhus (26) – sowie 74 Taggreifvögel, wie Turmfalken (27), Sperber (7) und ein Seeadler. Mehr als die Hälfte der Greifvögel wurde nach wenigen Monaten wieder ausgewildert. Einige blieben Dauergäste bei Günter Kurz – so etwa fünf nicht mehr auswilderbare Uhus. Kurz: „Unser Ziel ist es immer, die Tiere wieder geheilt und überlebensfähig in die Natur zu entlassen.“

Nach fünf Monaten ist auch der Flügel des Sperberweibchens geheilt. Günter Kurz und Thomas Paul haben den Greifvogel freigelassen. Wie vielen Tieren sie auf diese Weise noch helfen können, weiß Kurz nicht: „Es macht mir Spaß, Tieren zu helfen. Aber ohne finanzielle Mittel können wir bald nur noch Meisenknödel kaufen.“ Der Zarnekauer hofft nun auf Unterstützung. „Man kann der Stiftung beitreten oder spenden. Wir sind für jeden Betrag dankbar“, sagt Günter Kurz.

Infos zur Mierendorff-Stiftung unter Tel. 04521/9635 oder unter www.stiftung-mierendorff.de.

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